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Datenabgleich Das Handy der Zukunft wird am PC bedient

13.08.2007 ·  Mobiltelefone werden immer mehr zur persönlichen Informationszentrale. Wer wichtigen Daten, Kontakte und Termine nicht bloß einem kleinen Gerät anvertrauen will, kann sich Webserver zunutze machen. Datenabgleich, Mailen und mobiles Bloggen, alles kein Problem mehr.

Von Michael Spehr
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Wo hält man seine wichtigsten persönlichen Daten vor, Adressen, Termine und E-Mails? Natürlich auf dem PC, lautet die erste Antwort. Aber spätestens wenn das Mobiltelefon verlorengeht, bedauert man, dass auch dort etliche Rufnummern gespeichert waren, die nun unwiederbringlich verschwunden sind. Das Handy wird immer mehr zur persönlichen Informationszentrale, obwohl die privaten Daten eigentlich viel zu kostbar sind, um sie dem elektronischen Begleiter anzuvertrauen.

Um den Schaden im schlimmsten Fall klein zu halten, synchronisiert man fleißig mit dem PC. Ferner kann man am Rechner seine Adressen und Termine eingeben. Die lästige Tipperei am Mobiltelefon entfällt. Das Procedere ist seit Jahren bekannt: die dazu hoffentlich beiliegende Software des Herstellers installieren, das Telefon via Bluetooth oder Kabel mit dem Rechner verbinden - und darauf hoffen, dass alle Adressen und Termine vollständig und in der richtigen Anordnung auf dem PC landen. Meist wird mit Outlook synchronisiert. Wer das Microsoft-Produkt nicht mag, findet nur spärliche Alternativen. Für die Telefone von Sony Ericsson gibt es beispielsweise FMA: Float's Mobile Agent. Zudem ist der Datenabgleich mit einem lokalen PC nicht mehr zeitgemäß. Wer viel unterwegs arbeitet, braucht mehr Flexibilität.

Über Hardware- und Systemgrenzen hinweg

Wir haben uns nach Lösungen umgesehen, die Handydaten nicht lokal, sondern im Internet speichern, so dass man auch bei Freunden oder auf Dienstreise flink auf seine Termine und Adressen zugreifen kann. Es gibt hier mittlerweile eine ganze Reihe unterschiedlicher Ansätze, die alle auf der Idee basieren, dass das Handy der Zukunft am PC bedient wird.

Ein simples und bewährtes Verfahren ist SyncML. Die „Synchronization Mark-up Language“ ist ein schon älterer und offener Standard, der über Hardware- und Systemgrenzen hinweg arbeitet, vollkommen unabhängig von Herstellern und Netzwerkarchitekturen. Mit SyncML werden Adressen, Kalendereinträge und E-Mails zwischen einem Client (Handy oder Taschencomputer) und einem Server abgeglichen. Die Mobilfunknetze oder Wireless-Lan dienen als Transportmedium. SyncML ist in fast allen Handys der Mittel- und Oberklasse eingebaut. Die Nutzung eines SyncML-Servers im Internet ist überwiegend kostenpflichtig. Wer sich über die vielen Möglichkeiten von SyncML kostenlos und unverbindlich informieren will, sollte einen Blick auf die skandinavische Seite www.zyb.com werfen.

Telefonnummern und Kalendereinträge teilen

Nach der Registrierung mit Namen und Handynummer erhält man eine SyncML-Konfiguration für sein Mobiltelefon zugesandt. Bei der ersten Synchronisierung überträgt das Handy sämtliche Kontakt- und Kalenderdaten an den Server von Zyb. Hier via Internet Explorer eingebucht, kann man nun die Daten bearbeiten oder ergänzen, sieht die einzelnen Adressen wie eine Karteikarte und den Kalender wahlweise in Tages-, Wochen- oder Monatsansicht.

Ist das Ganze beendet, werden alle Änderungen mit einer zweiten Verbindung ins Handy übertragen. Der erste Vorgang dauert ein paar Minuten, alle weiteren sind selbst in den GSM-Netzen in wenigen Sekunden abgeschlossen. Zyb verarbeitet nur Adressen und Kalendereinträge (aber darin keine Geburtstage). Man kann außerdem die privaten Daten in eine Datei exportieren oder auf ein neues Handy übertragen. Ferner lässt sich ein zweites Mobiltelefon synchronisieren, und man kann seine Telefonnummern und Kalendereinträge anderen Zyb-Nutzern zur Verfügung stellen.

Kostenloser E-Mail-Pushdienst dazu

Will man zusätzlich seine E-Mail synchronisieren, ist ein Blick auf Windows Live hilfreich. Damit lassen sich auf einfachste Weise alle Nachrichten und zusätzlich die bei Live oder Hotmail gespeicherten Kontakte abgleichen. Voraussetzung dafür ist ein Smartphone mit dem Betriebssystem Windows Mobile 6. Hier sind nur einmalig die Log-in-Daten anzugeben, schon startet der Vorgang „over the air“, am günstigsten natürlich zu Hause mit Wireless-Lan.

Auf diese Weise erspart man sich bei einem neuen Handy die Einrichtung von E-Mail-Datenkonten und muss auch nicht die Synchronisations-Software des Herstellers auf seinem lokalen PC installieren. Diese höchst einfache Datenübernahme aus Windows Live bietet noch einen weiteren Vorzug: Es gibt einen kostenlosen E-Mail-Pushdienst à la Blackberry dazu. In den Optionen gibt man vor, dass „beim Eintreffen eines neuen Ereignisses“ auf dem Microsoft-Server automatisch synchronisiert wird. Wahlweise kann man auch in vorgegebenen Intervallen den Informationsaustausch starten. Windows Live kommt dem am PC bedienten Handy schon sehr nahe. Schade nur, dass keine Termine übertragen werden.

Echte Fernsteuerung fürs Handy

Neuerdings geistert eine Windows-Live-Software für Symbian-Handys aus Nokias N- und E-Serie durchs Internet. Die Software - wir haben sie mit dem N95 ausprobiert - fügt sich nahtlos in die Bedienungsoberfläche des Handys ein, errichtet dort ein eigenes E-Mail-Konto für Windows Live, beherrscht aber leider den Pushdienst nicht. Die Kontakte aus Live haben ebenfalls einen eigenen Ordner, der automatisch eingerichtet wird. So lassen sich alle Kontaktdaten auseinanderhalten.

Schließlich hat auch Nokia ein ambitioniertes Projekt für den Fernzugriff auf persönliche Daten im Angebot. Der „Mobile Web Server” befindet sich derzeit noch im Beta-Stadium, lässt sich aber schon unentgeltlich nutzen. Hier lassen sich nicht nur die Informationen aus Kalender und Kontakten ablegen. Ein breites Potpourri zusätzlicher Dienste zeigt, was derzeit alles möglich ist: etwa das Schreiben von SMS am PC und der Versand via Handy oder die Option, auf das Anrufprotokoll zuzugreifen, Kamerabilder am PC zu sehen, und nicht zuletzt die Bereitstellung seiner Daten für Freunde und Bekannte.

Zu diesem Zweck erhält man auf Mymobilesite eine kleine persönliche Homepage, kann andere mit Zugriffsrechten ausstatten, ein Blog veröffentlichen und sogar aus der Ferne den Kameraauslöser betätigen. Der Internet-PC wird also zur Fernsteuerung für das Handy. Wer den Mobile Web Server ausprobiert, sollte Wireless-Lan nutzen oder eine Daten-Flatrate haben, denn hier fallen schnell etliche Megabyte an.

Dank GPS von zuhause orten

Insgesamt ergibt sich ein klares Bild, wohin die Entwicklung geht. Ob man ein Handy von Nokia, Motorola oder Sony Ericsson kauft, ist künftig mehr oder weniger egal. Das aufwendige Einrichten von E-Mail-Konten entfällt ebenso wie die Installation von gerätespezifischer Synchronisations-Software. Vielmehr hält man seine Handydaten bei einem Provider im Internet vor. Hier ist alles unter einem Dach, von Kontakten und Kalender über E-Mail bis hin zu Kamerafotos, Anrufprotokollen und SMS. Das neue Handy wird einmalig beim Provider angemeldet, und schon landet alles Private auf dem Gerät.

Was man im Büro oder zu Hause einträgt, wird automatisch aktualisiert. Wechselt man das Handy, bleiben alte SMS oder Kamerafotos dank Server-Speicherung erhalten. Mobiles HandyInternet bedeutet ferner, dass man Teile seiner privaten Informationen für den Freundeskreis öffnet, etwa Termine freigibt oder von anderen entgegennimmt. Mit dem eingebauten GPS-Empfänger vieler neuer Apparate sind weitere Anwendungen denkbar: dass beispielsweise die Freundin eine Ortung startet, um zu sehen, ob der Liebste schon auf der Heimfahrt ist.

Quelle: F.A.Z., 07.08.2007, Nr. 181 / Seite T2
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