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Donnerstag, 20. Juni 2013
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Das neue iPad im Test Mehr Evolution als Revolution

 ·  Das neue iPad ist da und besticht durch eine sichtbar schärfere Darstellung. Wenn es um Fotos, Videos und Spiele geht, tut sich eine andere Welt auf: Man kommt ins Schwärmen.

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© Michael Spehr Screenshot in iPhoto: Die Lupe der App zeigt messerscharf jedes Detail

Das neue iPad ist da, und es heißt auch genau so. Nicht „iPad 3“ oder „iPad HD“, wie die überbordende Gerüchteküche des Internet seit Wochen behauptet hatte. Der Hype vor der offiziellen Präsentation in der vergangenen Woche war riesig und die erste Lieferung bereits am Wochenende ausverkauft. Wer im Internet bestellt, muss derzeit zwei bis drei Wochen warten, und am ersten Verkaufstag, am Freitag, werden sich gewiss wieder lange Schlangen vor den Apple-Läden in aller Welt bilden. Warum dieser Kult um das iPad? Eine ganz knappe Antwort: Es gibt keine rundum empfehlenswerte Alternative. Der Android-Plattform fehlen – noch? – hochwertige Apps, und die Geräte haben weder die schöne Anmutung noch die herausragende Verarbeitungsqualität eines iPad. Apple verkauft Tablet PCs erfolgreich, alle anderen nicht.

Nun also das iPad der dritten Generation: Braucht man das, soll man sich schleunigst ein neues kaufen, auch wenn man derzeit ein iPad 1 oder 2 hat? Welche besonderen Vorzüge hat das neue, in den Maßen und der Bauform ist es doch praktisch nicht vom iPad 2 zu unterscheiden? Apple stellt vor allem das neue Display heraus. Seine Auflösung wurde in der Horizontalen und in der Vertikalen verdoppelt, es hat nun 2048 x 1536 Pixel. Da können nur wenige Desktop-Monitore mithalten. Der Gewinn besteht jedoch nicht darin, dass man bei der E-Mail oder dem Surfen im Internet mehr Information sieht. Gezeigte Inhalte bleiben völlig die gleichen, einziger Pluspunkt ist eine sichtbar schärfere Darstellung.

Apple spricht von einem „Retina“-Display, weil mehr Pixel dargestellt werden als das Auge bei normalem Betrachtungsabstand erkennen kann. Das mag man goutieren, aber der Vorteil hält sich bei textlastigen Anwendungen in Grenzen. Wer auf dem iPad seine Bücher liest, sieht sicherlich knackscharfe Buchstaben. Draußen bei hellem Sonnenschein ist die Anzeige jedoch wie gehabt schlecht ablesbar. Ein E-Book-Reader mit elektronischer Tinte ist für Sonne, Urlaub und Strand die bessere Lösung. Und meist auch die leichtere: Denn mit 652 oder 662 Gramm (in der Mobilfunk-Variante) ist das jüngste iPad 50 Gramm schwerer als das iPad 2, und das spürt man schon bei längerem Lesen. Dass das Display nach unseren subjektiven Eindrücken etwas stärker spiegelt als beim iPad 2 und schlechter gegen Fingerfett geschützt ist, sei nur am Rande angemerkt. Auffallend: Man regelt die Helligkeit öfter nach als bei den Vorgängerversionen.

Wenn es um Fotos, Videos und Spiele geht, tut sich eine andere Welt auf. Da entfaltet das neue Display seine Stärken, es ist schlicht eine Wucht, man kann nicht anders: Man kommt ins Schwärmen. Zumal auch die visuell orientierten Apps von der verbesserten Hardware unmittelbar profitieren. Etwa die Bildbearbeitung mit iPhoto (das bereits auf dem iPad 2 läuft). Hier wird alles einfacher -- und intuitiv in der Handhabung. Mit Fingerbewegungen auf dem Bildschirm erledigt man in nie gesehener Leichtigkeit anspruchsvolle Aufgaben, die am PC mehr Fachkenntnis, mehr Maus-Akrobatik und deutlich mehr Zeitaufwand erfordern. Der Amateur darf sich darüber freuen, und er wird hochzufrieden mit den Resultaten sein. Gleiches gilt für den Videoschnitt mit iMovie. Geht es um professionelle Ansprüche, ist allerdings das Potential beider Apps schnell erschöpft, ganz davon abgesehen, dass man sich vielleicht nicht mit jeder Faser seines digitalen Workflows in die Apple-Welt begeben möchte. Schließlich, aber nicht als Unwesentlichstes: die Welt der Spiele. Was wir in ersten Demos gesehen haben, ist atemraubend, vor allem auf einer großen Leinwand oder hochaufgelöst auf dem HDTV-Bildschirm. Hier jagt Apple die Konsolen – und wird damit erfolgreich sein.

Das iPad der dritten Generation wirkt im täglichen Einsatz so schnell wie das iPad 2, obwohl die vierfache Pixelzahl bewegt werden muss. Diese Herausforderung bewältigt der neue A5X-Prozessor, ein Doppelkern-Bolide mit „vier Kernen für die Grafik“, wie Apple sagt. Auch der Akku wurde verstärkt, um die zehn Stunden Betriebszeit des Vorgängers zu halten. Bei sehr rechenintensiven Aufgaben wie etwa iPhoto läuft das Energiereservoir allerdings rascher leer.

Und dann noch „ultraschnelle mobile Daten, superschnell unterwegs“, wie Apple werbend tönt: Das neue iPad unterstützt LTE, die vierte Generation des Mobilfunks – aber nur in den amerikanischen Frequenzbereichen. In Deutschland funktioniert LTE nicht, Hinweise darauf finden sich klitzeklein in den Fußnoten der Apple-Werbung. Langsam ist das dritte iPad allerdings beim Datenschaufeln nicht. In den mit HSDPA aufgerüsteten UMTS-Netzen erreicht es Raten bis maximal 43 MBit/s, meist völlig ausreichend, denn selbst die 7,2 MBit/s des iPad 2 sind im mobilen Einsatz nur bei guter Funkversorgung in den Großstädten zu erzielen.

Das iPad 2 ist in der kleinsten Variante mit 16 Gigabyte Speicher weiterhin erhältlich, der Preis wurde auf 400 Euro (mit W-Lan) und 520 Euro (mit W-Lan und UMTS) gesenkt. Der Nachfolger ist ebenfalls in zwei Modellreihen erhältlich: Mit Wireless-Lan und ferner zusätzlich mit Mobilfunk. Beide Baureihen sind mit 16, 32 oder 64 Gigabyte Speicherplatz in schwarzem oder weißem Gehäuse lieferbar. Die Preise für den deutschen Markt beginnen bei 480 Euro und enden bei 800 Euro für das iPad mit Mobilfunk und 64 Gigabyte Speicher.

Zu erwähnen bleiben noch einige Marginalien: Die rückseitige Kamera löst nun mit 5 Megapixel auf (iPad 2: 0,7 Megapixel), macht draußen sehr gelungene Fotos und hat einen Videomodus mit 1080p und Bildstabilisator. Aber wer filmt und fotografiert eigentlich mit seinem Tablet PC? Wesentlich wichtiger ist die Spracherkennung. Nein, leider ist Assistentin Siri aus dem iPhone 4S nicht an Bord des Tablet, aber ihre Diktierfunktion lässt sich mit einer Schaltfläche der virtuellen Tastatur aufrufen. Sie funktioniert nur bei vorhandener Netzverbindung und bietet die gleiche tolle Erkennungsrate wie im Apple-Handy: E-Mails diktieren wir also fortan auf dem Sofa. Wer sich auf die Technik einlässt, mag sie schon nach kurzer Zeit nicht mehr missen.

Ist das iPad 3 eine Revolution? Nein, definitiv nicht. Die dritte Generation des Tablets von Apple ist Evolution in der typischen Marketing-Handschrift des Hauses. Niemand muss das Retina-Display unbedingt haben. Doch es ruft sofort einen Aha-Effekt hervor und löst damit den Haben-wollen-Reflex aus, der die Erstkäufer wieder die Nacht hindurch Schlange stehen lassen wird. Und wieder mal sieht die Konkurrenz schlagartig uralt aus. Persönlich hätten wir uns lieber einen Schacht für Speicherkarten oder einen USB-Anschluss gewünscht. Aber darum geht es nicht. Das neue iPad wird abermals Rekorde aufstellen. Apple hat seine Tablet-Absätze im vergangenen Quartal auf 15,4 Millionen Einheiten mehr als verdoppelt. So viele Computer verkauft keiner der Weltmarktführer wie HP, Lenovo, Dell oder Acer. Alles spricht dafür, dass mit dem neuen iPad die Erfolgsgeschichte weitergeschrieben wird.

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Jahrgang 1964, Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

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