Home
http://www.faz.net/-gyc-761mr
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER

Cyber-Spionage Digitale Jagd auf Roter Oktober

Eines der größten Spionagenetzwerke seit Ende des Kalten Krieges: „Roter Oktober“ spionierte mehrere hundert Regierungsrechner, Militärcomputer und Steuerungssysteme der Energiewirtschaft aus.

© Peter Welchering Vergrößern Blick auf den Code: „Roter Oktober“ wird sukzessive entschlüsselt, eine schöne Herausforderung

Mehr als 60 Kontrollrechner haben das global arbeitende Spionagenetzwerk gesteuert. Über mindestens fünf Jahre hinweg sind Computer in Amerika, West- und Osteuropa, auf der Arabischen Halbinsel und in Teilen Asiens gezielt ausgespäht worden. Diplomatenpost, Forschungsergebnisse und sensible Daten, die Aufschluss geben über die Steuerung von Öl- und Gasförderanlagen und -pipelines, sind genauso erbeutet worden wie Regierungsdokumente und hochsensible virtuelle Blaupausen aus kerntechnischen Anlagen.

„In Washington, Moskau und Brüssel herrscht Alarmstufe Rot“, berichtet ein führender Cybercrime-Experte von Interpol. Und in den Schadsoftware-Laboratorien des Antivirenherstellers Kaspersky an der Volokolamskly-Passage in Moskau gehen seit Wochen die Lichter nicht mehr aus. Fieberhaft enttarnen die Netzspezialisten einen Kontrollserver des Spionagenetzwerks nach dem anderen, akribisch ermitteln sie, welche Sicherheitslücken die Trojaner und andere Angriffsprogramme sowie Schnüffelsoftware ausgenutzt haben, um auf so viele eigentlich hochgesicherte Computersysteme von Regierungen, Militärbasen und Forschungslabors zu kommen.

Kommentare in russischer Sprache

Bestürzend ist die Erkenntnis, dass ein Großteil der Spionageangriffe über bereits bekannte Sicherheitslücken lief. Teilweise waren die auf diese Lücken aufsetzenden Exploits genannten Angriffsprogramme bereits in den Jahren 2005 bis 2007 dokumentiert. Die bisher gefundene Schadsoftware ist enorm anpassungsfähig. Mehr als tausend teilweise miteinander vernetzte Schadprogramme haben die Virenjäger in der Volokolamskly-Passage bisher gefunden. Und noch immer stoßen sie auf neue digitale Spionagewerkzeuge.

Gut dreißig unterschiedliche Schnüffelmodule sind inzwischen rekonstruiert worden. „Dropper“ genannte eigens für ganz spezielle Angriffe programmierte Transport-Trojaner haben die Schadsoftware ins Ziel gebracht. Dabei haben die Täter Sicherheitslücken in Adobes Acrobat Reader und in Programmen der Office-Suite von Microsoft elegant ausgenutzt. Auch diese Programmfehlfunktionen und Angriffsmöglichkeiten waren seit langem bekannt und in Fachkreisen diskutiert.

Sowohl die Spionagemethoden als auch die Transporttechniken der Schadsoftware sind zum Teil bereits auf der Moskauer Sicherheitskonferenz im Dezember 2003 diskutiert worden. Selbst die Spionagewerkzeuge für Smartphones, die bisher identifiziert worden sind, wurden mehrfach auf verschiedenen Konferenzen vorgestellt und besprochen. Die Softwarewerkzeuge, um aus Smartphones Wanzen zu machen, sind beispielsweise im Jahr 2011 auf einer Sicherheitsmesse in Dubai von russischen und chinesischen Kunden geordert worden. Und nach Moskau und Peking zeigen denn auch im Falle von Roter Oktober einige Spuren. So tauchen im entschlüsselten Programmcode Kommentare in russischer Sprache auf. Außerdem sind einige Schadprogramme auf Computersystemen erstellt worden, auf denen ein chinesischer Zeichensatz installiert war.

1 | 2 | 3 Nächste Seite   |  Artikel auf einer Seite
 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Chat-Dienst Whats App führt Komplett-Verschlüsselung ein

Eine bessere Verschlüsselung von Kurznachrichten soll die Kommunikation über Whats App sicherer machen. Zunächst profitieren davon die Nutzer der Android-App. Mehr

19.11.2014, 05:15 Uhr | Wirtschaft
Geheimer Wahlkampf Konspirative Twitteraccounts

Ein Bericht beschuldigt die Republikaner, vor den Wahlen zum amerikanischen Kongress konspirativ mit ihren Unterstützern kommuniziert zu haben. Es geht um anonyme Twitter-Accounts und scheinbar unsinnige Zahlenkolonnen. Mehr

18.11.2014, 16:00 Uhr | Politik
Verteidigung Bundeswehr soll Nato-Speerspitze bilden

Einem Medienbericht zufolge soll die Bundeswehr eine Schlüsselrolle beim Schutz der Nato-Partner im Osten einnehmen. Das deutsch-niederländische Korps soll als Krisentruppe stets einsatzbereit sein. Mehr

15.11.2014, 03:30 Uhr | Politik
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 28.01.2013, 09:24 Uhr

Großartig, Whatsapp!

Von Michael Spehr

Die Ankündigung von Whatsapp, Nachrichten künftig zu verschlüsseln, ist von vielen Zeitgenossen mit einem Kopfschütteln aufgenommen worden. Mehr 1 6