09.01.2007 · Auf der Consumer Electronics Show will Microsoft mit Netzwerksoftware für Privathaushalte punkten. Der Softwarekonzern und Autohersteller Ford stellen gemeinsam ihr „vernetztes“ Auto vor.
Der Softwarekonzern Microsoft wird seine im Unternehmensumfeld erfolgreiche Software zum Betrieb und der Wartung von Computernetzen jetzt auch in einer Version für den privaten Haushalt auf den Markt bringen. Diese Erweiterung der Produktpalette um die „Windows Home Server“-Software kündigte Microsoft-Gründer Bill Gates während der Eröffnung der Consumer Electronics Show (CES) in Las Vegas an.
Mit dem neuen Home Server soll es Familien mit mehreren Personalcomputern (PC) erleichtert werden, ihre Rechner, Drucker und alle anderen Endgeräte - wie zum Beispiel den Microsoft-Medienspieler Zune oder die Spielekonsole Xbox - zu verbinden. Alle Familienmitglieder könnten dann von ihren einzelnen Computern aus auf einen Speicherrechner (Server) im heimischen Netz zugreifen und so ihre Daten austauschen, speichern und geschützt aufbewahren, stellte Gates in Aussicht. Der Vorteil dieser Art der Datenspeicherung besteht darin, dass zum Beispiel eine Musikdatei nur einmal auf der Festplatte des Servers gespeichert werden muss und trotzdem allen angeschlossenen Rechnern gleichzeitig zur Verfügung steht. Gleiches gilt natürlich auch für Bilder oder Videos.
Schweigen über den Preis
Auch weniger erfahrene Nutzer von Informationstechnologie (IT) sollen mit dem Home Server so in den Genuss dieser Vorteile von Netzwerken kommen. Gates kündigte an, dass die Serversoftware leicht zu bedienen sein werde. So würden zum Beispiel neue Endgeräte automatisch erkannt und in das Netz integriert. Auch die Speicherkapazität soll durch einfaches Ergänzen von Festplatten bei Bedarf bis auf riesige Terrabytes-Größe (1000 Gigabyte) erweitert werden, versprach der Microsoft-Gründer. Sicherer werde die Speicherung der Daten zudem durch automatische Speicherung (Daten-Backup), mit denen auch die Inhalte der einzelnen Computer zentral gesichert würden.
Die neue Software wird zuerst auf einem Computer des Herstellers Hewlett Packard, dem „HP Media Server“, angeboten. Aber auch andere Computerhersteller wollen künftig entsprechende Geräte auf den Markt bringen, war in Las Vegas zu hören. Der Home Server solle in der zweiten Jahreshälfte in den Handel kommen, sagte Gates. Über den möglichen Verkaufspreis äußerte sich der Unternehmensgründer in seiner Rede nicht.
Nicht nur im Wohnzimmer, sondern auch im Auto
Microsoft versucht allerdings nicht nur im Wohnzimmer, mit seiner Software Fuß zu fassen. Auch im Automobil sollen künftig Microsoft-Anwendungen für die Rundumvernetzung des Kunden sorgen. Eine entsprechende Lösung hat der Konzern inzwischen mit dem Automobilhersteller Ford entwickelt, die Gates gemeinsam mit Mark Fields, dem Vizepräsidenten des amerikanischen Automobilherstellers Ford, in Las Vegas präsentierte.
Die Unternehmen haben ein integriertes Kommunikations- und Unterhaltungssystem mit dem Namen „Synch“ entwickelt, das künftig Mobiltelefon und digitale Abspielgeräte inklusive aller Funktionalitäten über den drahtlosen Funkstandard Bluetooth in die Ausstattung der Ford-Fahrzeuge integriert.
Playlists und Sprachbefehle
So sollen nicht nur die schon alltäglichen Funktionen wie Musikspieler und Telefon in die Autokommunikation eingebettet werden, sondern auch Kontakte im Adressbuch automatisch abgeglichen, empfangene Textnachrichten vorgelesen und sogar Titellisten („Playlists“) erstellt werden - auf Basis von Sprachbefehlen. „Alle Funktionalitäten sind dann nur noch ein Sprachkommando entfernt“, sagte Fields und betonte: „Für diese Technik haben wir mit Microsoft Exklusivität für Ford vereinbart.“
Gates nutzte seine Auftaktrede zudem, um das Microsoft-Betriebssystem Windows Vista näher vorzustellen, das ab dem 30. Januar für Endanwender zu kaufen ist. Die Vista-Produkteinführung dominiert dieses Jahr den Messeauftritt des Softwareherstellers in der Spielerstadt. In verschiedenen Produktdemonstrationen zeigten Gates und seine Mitarbeiter die Funktionalitäten des Betriebssystems sowie angrenzende Produkte wie Word 2007, den Online-Dienst Windows Live mit der dreidimensionalen Anwendung „Virtual Earth“ sowie die Verwendung eines Controllers der Xbox 360 als PC-Navigationsgerät.
Auch wenn die Zuschauer die Ansichten von Gates über die Zukunft der vernetzten Lebenswelt offenbar als unterhaltsam empfanden - der Schlussapplaus fiel, verglichen mit den „Standing Ovations“ vergangener CES-Reden von Gates, eher gemäßigt aus. Dabei hatten die Zuhörer Wartezeiten von bis zu drei Stunden in Kauf genommen, um sich dann über enge Rolltreppen zum Saal zu drängen, um den Firmengründer von Microsoft live auf der Bühne zu sehen.