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Computerspiele Die richtigen Zutaten für den Wohnzimmer-Rennfahrer

30.10.2008 ·  Playstation 3, Gran Turismo 5 Prologue und ein Porsche-Lenkrad von Fanatec bringen Tempo auf die Couch. Der Hersteller verspricht „das echte Porsche-Feeling“. Doch das bedeutet einige Umbauten im Wohnzimmer und einen gestörten Familienfrieden.

Von Michael Spehr
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Eine kleine Warnung vorab: Das Lesen dieses Artikels kann den Familienfrieden nachhaltig stören. Die Einrichtung des Wohnzimmers wird sich grundlegend ändern. Der Fernsehapparat muss durch ein neues HD-Gerät mit größerer Bilddiagonale ersetzt werden. Die Nachbarschaft kommt regelmäßig zu Besuch, vor allem die jüngere. Der Anlass dafür war die Idee, dass man für ein tolles Autorennen ein richtiges Lenkrad braucht. Und da war das Beste gerade gut genug. Die Wahl fiel auf das Porsche 911 Turbo Wheel von Fanatec (www.fanatec.com), das sich mit dem PC und der Playstation 3 verträgt. 300 Euro sind für dieses Utensil auf den Tisch zu legen, und der Hersteller verspricht „das echte Porsche-Feeling“ dank originalgetreuer Reproduktion des 911er-Vorbilds.

Das Ganze kommt in einem riesigen Karton und besteht aus mehreren Komponenten, so dass zunächst eine kleine Bastelstunde im Wohnzimmer angesagt ist: das eher große 30-Zentimeter-Lenkrad mit griffigem Lederbezug (der Rest ist aus Plastik), die Pedaleinheit mit Gas, Bremse und Kupplung sowie gleich zwei Gangschaltungen, eine sequentielle und eine mit 6+1-Schema. Sie lassen sich links oder rechts am Lenkrad befestigen. Dieses wiederum wird mit einer Schraubklemme am Tisch arretiert, Netzteil und Stromkabel landen auf dem Boden. Die Pedalerie erhält ihre Stromversorgung wahlweise über Kabel oder Batterie.

„Force Feedback“-Kräfte, für ein ordentliches Fahrgefühl

Drahtlos erfolgt hingegen die Anbindung an die Playstation 3, ein kleiner USB-Stick im Format eines Porsche-Autoschlüssels erledigt diese Aufgabe unkompliziert. Ist alles in Betrieb genommen, leuchten die Tasten im Innenbereich des Lenkrads im Playstation-Design und übernehmen alle Aufgaben des Controllers, sogar eine Vierwege-Wippe für die Menüsteuerung fehlt nicht. Die Pedaleinheit verwendet eine massive Bodenplatte, rutscht aber im Eifer des Gefechts und vor allem bei heftigen Bremsmanövern schnell nach vorn. Zwar sind die Widerstände der einzelnen Pedale unterschiedlich, überzeugend ist der Nachbau indes nicht. Die Einheit müsste man eigentlich fest am Boden verschrauben - da spielt der Haushaltsvorstand aber nicht mit.

Die beiden Ganghebel sind mit ihrem billigen Plastik und unpräzisem Einrasten der Gänge noch schlimmer, geradezu eine Beleidigung für Porsche. Deutlich besser schaltet man mit den Wippen hinter dem Lenkrad. Das Volant selbst überzeugt. Es lässt sich vielfältig konfigurieren, drei Motoren liefern die „Force Feedback“-Kräfte, die ein ordentliches Fahrgefühl aufkommen lassen. Gespielt haben wir mit der derzeit besten Rennsimulation für die Playstation 3, mit Gran Turismo 5 Prologue.

Man staunt über die Detailfülle

Für 40 Euro bekommt man einen leckeren Vorgeschmack auf die noch in Arbeit befindliche endgültige Version mit rund 70 Fahrzeugen und sechs Rundkursen in jeweils zwei Varianten. Das alles ist hinsichtlich Grafik, Sound und Realismus atemraubend, großartig. Ob man aus dem Cockpit blickt oder aus der Vogelperspektive das Geschehen beobachtet: Man staunt über die Detailfülle. So ist beispielsweise im Innenraum des BMW M3 Coupé sogar das iDrive-System mit dem Menü zu sehen.

Erstmals bei Gran Turismo sind die Boliden mit lenkenden und schaltenden Fahrern besetzt. Dass auch das Fahrverhalten der Autos erstklassig ist, versteht sich von selbst. Bricht man etwa bei 300 km/h unversehens aus dem Windschatten des Vordermanns aus, droht eine Pirouette. Die elektronischen Helfer der Flitzer lassen sich stufenweise justieren, selbst ein Drift ohne Handbremse, allein mit dem Gaspedal, ist möglich - wenn man es kann.

Viele Rennen bis zum eigenen Ferrari

Das Porsche-Lenkrad ist bei diesem Abenteuer ein klarer Gewinn. Nicht nur, dass man sehr präzise durch die Kurven zirkelt und die Kräfte am Lenkrad, etwa beim Überfahren der Curbs, jederzeit spürt. Es lassen sich auf diese Weise auch die Unterschiede der sorgsam modellierten Fahrzeuge mit ihrer typischen Charakteristik sehr schön „erfahren“. Der Nissan 350Z etwa lässt sich mit seiner unkomplizierten Übersteuerneigung recht spektakulär durch die Kurven schieben, während ein kopflastiger Fronttriebler untersteuert und im Kiesbett landet.

Neben den Rennstrecken von Daytona und Suzuki steht bei Gran Turismo 5 ein Stadtkurs durch London zur Wahl sowie eine knifflige Tour entlang der Eiger-Nordwand. Was mit dem Vorgänger in der Version 4 für die Playstation 2 problemlos möglich war, nämlich mit einem Top-Fahrzeug mal eben schnell über die Nordschleife des Nürburgrings zu brettern, funktioniert hier leider nicht. Es gibt nur einen Karrieremodus: Man muss zu Beginn ein Fahrzeug kaufen und kann nur mit diesem an unterschiedlichen Rennveranstaltungen teilnehmen. Ist man erfolgreich, erhält man ein Preisgeld und stockt damit seinen Etat auf. Erst nach endlos vielen Siegen reicht das Geld für ein größeres und schnelleres Fahrzeug. Zum Glück darf man jede Veranstaltung beliebig oft bestreiten. Also wird man am Anfang viel Zeit auf den einfacheren Rundkursen verbringen, bis endlich ein Ferrari in der virtuellen Garage steht.

Bei einer Kollision kracht es spürbar im Lenkrad

Ein Tuning der Wagen ist erst erlaubt, wenn man alle Wettbewerbsklassen absolviert hat. Dann lässt sich von der Getriebeübersetzung bis zur Bodenfreiheit alles anpassen, was das Rennfahrerherz begehrt. Wie schon beim Vorläufer sind die Flitzer unzerstörbar. Bei einer Kollision kracht es zwar spürbar im Lenkrad, man wird aus der Bahn geworfen und verliert wertvolle Sekunden, aber die Karosserie bleibt ohne jeden Kratzer. Auch herrscht auf der virtuellen Strecke stets schönster Sonnenschein. Regen-, Schnee- und Nachtfahrten sollen aber in der endgültigen Gran-Turismo-Version kommen, auch wird der Fuhrpark dann mehr als 500 Fahrzeuge umfassen.

Während wir Gran Turismo 5 Prologue uneingeschränkt empfehlen können, ist das Porsche-Lenkrad gewiss gut, aber hinsichtlich Pedalerie und Schalthebel nicht auf dem Niveau des Vorbilds. Andere Lenkräder haben übrigens ähnliche Probleme. Nichtsdestotrotz haben wir viele spannende Abende mit dieser Verbindung aus Hard- und Software vor der Playstation verbracht - und nebenbei große und kleine Jungs aus der Nachbarschaft glücklich gemacht. Eine bessere Lösung für den ambitionierten PS3-Rennfahrer wäre ein eigener Rennsitz. Aber bis der ins Wohnzimmer darf, wird wohl noch manche Diskussion zu führen sein.

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Jahrgang 1964, Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

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