24.05.2009 · Microsoft bemüht sich seit Jahren vergeblich, in der Internetsuche dem Erfolg von Google nachzueifern. Nun stellt der Softwarekonzern seine neue Suchmaschine vor. Noch immer steht auch die Frage nach einer Allianz mit Yahoo im Raum.
Von Roland Lindner, New YorkDer weltgrößte Hersteller von Computerprogrammen, Microsoft, startet eine weitere Offensive, um die dominierende Position von Google in der Internetsuche anzugreifen. Nachdem die Bemühungen um eine Allianz mit dem Google-Wettbewerber Yahoo bislang zu keinem Ergebnis geführt haben, versucht es Microsoft diesmal wieder aus eigener Kraft. Bei einer Technologiekonferenz im kalifornischen Carlsbad mit dem Namen „D: All Things Digital“ will das Unternehmen amerikanischen Medienberichten zufolge in dieser Woche eine neue Version seiner Suchmaschine vorstellen.
Microsoft bemüht sich seit Jahren vergeblich, in der Internetsuche stärker Fuß zu fassen und dem Erfolg von Google nachzueifern. Google hat mit seinem Ansatz, Suchanfragen mit inhaltlich dazu passenden Textanzeigen zu kombinieren, ein lukratives Geschäftsmodell entwickelt. Nutzer klicken diese Anzeigen häufig an, weil sie auf ihre Interessen zugeschnitten sind, und jeder Klick lässt Geld in die Kassen von Google fließen.
Microsoft und auch Yahoo tun sich im Kampf um diesen attraktiven Markt aber schwer. Ihre Suchmaschinen sind nicht so populär und werden weniger häufig genutzt, entsprechend gibt es weniger Werbeumsätze.
Der Rückstand gegenüber Google wird immer größer
Google ist in den Köpfen der meisten Menschen fest als erste Adresse für die Internetsuche verankert – und baut seine ohnehin dominierende Position immer weiter aus. Nach jüngsten Zahlen des Marktforschungsinstituts Comscore hatte Google im April dieses Jahres einen Marktanteil von 64,2 Prozent, vor einem Jahr waren es 61,6 Prozent. Der Anteil von Microsoft schrumpfte dagegen weiter von 9,1 auf 8,2 Prozent. Vor rund vier Jahren hatte Microsoft noch 15 Prozent des Marktes für sich. Yahoo kam im April auf einen Anteil von 20,4 Prozent.
Der Rückstand der Verfolger schlägt sich auch in den Geschäftszahlen nieder. So hat sich bei Microsoft in der Online-Sparte im jüngsten Quartal der Verlust auf 575 Millionen Dollar mehr als verdoppelt, der Umsatz schrumpfte um 14 Prozent auf 721 Millionen Dollar. Google konnte seinen Umsatz um 6 Prozent auf 5,5 Milliarden Dollar ausbauen und schaffte dabei einen Nettogewinn von 1,4 Milliarden Dollar.
Microsoft hat im vergangenen Jahr versucht, Yahoo zu kaufen und damit Boden gegenüber Google gutzumachen. Microsoft bot zunächst 44,6 Milliarden Dollar und erhöhte seine Offerte später sogar. Yahoo sträubte sich aber gegen einen Verkauf, und nach einigen Monaten blies Microsoft den Übernahmeversuch wieder ab. Auch Gespräche über eine eingeschränkte Allianz, wonach Microsoft nur das Geschäft mit Internetsuche von Yahoo übernehmen würde, scheiterten. Nach einem Führungswechsel bei Yahoo zu Beginn dieses Jahres ist es aber wieder zu einer Annäherung gekommen. Vor wenigen Wochen berichteten amerikanische Medien, dass die neue Yahoo-Vorstandsvorsitzende Carol Bartz sich mit Microsoft-Chef Steve Ballmer getroffen hat, um Möglichkeiten für eine Zusammenarbeit zu diskutieren. Angeblich soll nun wieder zur Debatte stehen, dass Yahoo das Geschäft mit Internetsuche und damit verbundener Werbung an Microsoft abgibt.
Microsoft will zumindest Fortschritte demonstrieren
Unabhängig davon will Microsoft nun aber mit seiner neuen Suchmaschine eigene Fortschritte demonstrieren. Das neue Programm, das bislang unter dem Codenamen „Kumo“ bekannt war, soll eine Weiterentwicklung des derzeitigen Microsoft-Suchdienstes „Live“ sein. Nach einem Bericht des „Wall Street Journal“ setzt Microsoft auf eine stärkere Kategorisierung der Suchergebnisse.
Die Idee dahinter ist, den Nutzer bei der Internetsuche nicht mehr wie bisher mit einer Liste von Links zu anderen Seiten weitgehend alleinzulassen, sondern Ergebnisse zu gruppieren. So können bei der Suche nach einem bestimmten Automodell die Treffer nach verschiedenen Kategorien sortiert werden, etwa Gebrauchtwagen, Zubehör, Videos oder Diskussionsforen. Microsoft plant dem Bericht zufolge eine groß angelegte Werbekampagne, um seine neue Suchmaschine bekannt zu machen. Auch der Wettbewerber Yahoo hat in der vergangenen Woche eine Weiterentwicklung seiner Internetsuche hin zu einer stärkeren Sortierung der Ergebnisse angekündigt.