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Cloud Computing Da hat Apple eine Chance vertan

12.12.2011 ·  Fotos, Filme, Musik - alles in die Cloud. Doch das Angebot aus Cupertino ist teilweise nur eine karge Lösung, der „Fotostream“ rund um die hauseigene iCloud hat etliche Nachteile. Pfiffige Apps helfen indes weiter.

Von Michael Spehr
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Alles in die Cloud, also in die Datenwolke des Internets: das ist heutzutage angesagt, wenn man dem Mainstream folgt. Aber in den Details zeigen sich doch schnell die Tücken. Nicht nur, wenn es um die Sicherheit privater Daten geht. Wir haben in der Apple-Welt unterschiedliche Möglichkeiten und Wege beim Bildertransport ausprobiert. Wie lassen sich die Aufnahmen, die man unterwegs mit seinem Smartphone geschossen hat, auf anderen Geräten anzeigen oder verwalten?

Apple setzt mit dem neuen iOS 5 auf die Cloud und bietet eine lückenlose Synchronisation unter anderem mit dem PC, dem iPad und Apple TV an. Aber der „Fotostream“ rund um die hauseigene iCloud hat etliche Nachteile. Nach der Aktivierung am iOS-Gerät werden die eigenen Fotos automatisch bei vorhandener W-Lan-Verbindung in die Wolke hochgeladen und von dort verteilt auf alle Geräte, die denselben iCloud-Account verwenden. Vorgehalten werden die in den letzten 30 Tagen aufgenommenen oder hinzufügten Bilder. Ältere, die man im Fotostream halten will, muss man in Ordnern oder Alben ablegen.

Vieles steckt noch in den Anfängen

Das alles hört sich zunächst gut an, hakt aber an manchen Rahmenbedingungen. So wird jedes Foto hochgeladen, man kann also keine manuelle Auswahl treffen. Auch der fortwährende automatische Upload im W-Lan ist problematisch. Man möchte vielleicht an einem langsamen DSL-Anschluss den Zeitpunkt der Datenschaufelei selbst festlegen.

Die Fixierung auf einen PC mit dem eigenen iCloud-Account erscheint sehr anachronistisch, und wer sich unterwegs kurzerhand im Browserfenster bei www.icloud.com anmeldet, sieht von der Bilderpracht nichts. Ganz davon abgesehen, dass es nicht möglich ist, die private Galerie „mal eben“ bei Freunden auf deren Apple TV vorzuführen. Kurzum: Man hat den Eindruck, dass Apple ein doch sehr enges Verständnis von Cloud-Diensten hat. Vieles steckt noch in den Anfängen fest.

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© Michael Spehr Dropbox-Galerie: für die einfache Präsentation in der Cloud

Einige Apps bewähren sich jedoch als schnelle Helfer für Fotoliebhaber. Geht es um die Präsentation der eigenen Schnappschüsse bei Freunden und Familie, gibt es etliche Programme, die ohne Kabelwirrwarr flink die Fotos vom iPhone oder iPad auf den PC-Monitor zaubern. Beide Partner müssen dazu nur in ein- und demselben W-Lan eingebucht sein. Eine Gratis-App wie „WiFi Photo Transfer“ dient als Verbindungsglied: Nach dem Start am iPad oder iPhone wird eine IP-Adresse eingeblendet, die man nun im Browserfenster des PCs eingibt. Und schon hat man dort Zugriff auf die Fotobibliothek des iOS-Geräts. Wahlweise präsentiert man eine Aufnahme nach der anderen oder markiert eine Auswahl und überträgt diese en bloc als Zip-Datei. Also eine wunderbare App für einfache und unkomplizierte Vorführungen.

Wer ein leistungsfähiges Cloud-System wie die Dropbox verwendet, kommt ebenfalls mit wenig Aufwand zu sehr beeindruckenden Resultaten. Etwa einer Fotogalerie im Netz, die einzelne Schnappschüsse in einer Übersichtsdarstellung zeigt, auf Mausklick hin vergrößert und gegebenenfalls die gesamte Sammlung als Diashow wiedergibt. Das ist keine Hexerei, sondern gehört zur Dropbox-Basisausstattung. Man werfe einen Blick auf sein Dropbox-Verzeichnis. Dort ist bereits ein Ordner „Photos“ angelegt. Nun lege man einen Unterordner an, kopiere einige Fotos hinein und klicke mit der rechten Maustaste auf den Ordnernamen.

Foto-, Musik- und Videosammlung

Das Dropbox-Kontextmenü mit dem Eintrag „öffentlichen Link kopieren“ erlaubt es nun, die justament erstellte Galerie in der Form der angezeigten Web-Adresse weiterzugeben. Vorsicht allerdings: Diese Fotosammlungen sind öffentlich. Wer den Link hat, kann sie sehen. Der Schutz ist allein die kryptische Adresse. Und wie kommen die Schnappschüsse in den passenden Dropbox-Ordner? Die Dropbox-App, die es für iOS und Android gibt, bietet schon von Hause aus das entsprechende Werkzeug an. Man kann also im entsprechenden Menü des Smartphone seine Galerie aufbauen.

Ist noch mehr Komfort und mehr Sicherheit gefragt, lohnt ein Blick auf die Angebote großer Cloud-Dienstleister oder pfiffige Hardware, die unter dem Sammelbegriff NAS (Network Attached Storage) als Heimserver auch für Privatkunden angeboten wird. Mit einem eigenen Netzwerkrechner im Haus kann man alle nur denkbaren Peripheriegeräte bedienen, und meist legt man darauf dann seine gesamte Foto-, Musik- und Videosammlung ab. Das ist ein Thema für sich, unser Tipp wäre derzeit eine Anlage von Synology. Mit den passenden Apps können auch solche Systeme komfortabel beschickt werden. Fast immer kommt bei ihnen das File Transfer Protocol (FTP) zum Hochladen eigener Dateien zum Einsatz, und mit WebDAV greift man auf die ausgelagerten Bestände zu.

Als Universaltalent für anspruchsvolle Aufgaben hat sich bei uns „Photo Sync“ des deutschen Entwicklers Touchbyte bewährt. Es kostet nur 1,60 Euro im App Store und ist ein Upload-Profi, der viele Anforderungen nahezu perfekt erfüllt. So werden neue Fotos automatisch erfasst und lassen sich mit einem Fingertipp für Aktionen auswählen. Ferner kann man selektiv einzelne Aufnahmen markieren und an andere Dienste übertragen.

Und dabei ist die Auswahl der unterstützten Formate riesig: Etwa die Dropbox, der Bilderdienst Flickr, Google Plus und Picasa, Facebook, FTP und WebDAV stehen unter anderem zur Verfügung. Nach einmaliger Einrichtung der einzelnen Dienste ist Photo Sync eine App, die man schnell schätzen wird. Für den Windows PC und den Mac gibt es übrigens auf der Homepage des Herstellers unentgeltlich ein Softwarepaket, das den Bildtransport zum Rechner besonders einfach macht (www.photosync-app.com). Und das feine Extra zum Schluss: Wenn man das Programm zusätzlich auf einem iPad installiert hat, lassen sich Fotos vom iPhone direkt zum iPad übertragen und dort natürlich viel besser beurteilen oder vorzeigen als auf dem Smartphone. Schade nur, dass Apple solche Finessen nicht in seine iCloud einbaut.

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Jahrgang 1964, Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

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