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Chips für die mobile Ortung „GPS in allen Geräten wird Realität“

15.04.2009 ·  Der Boom der kleinen Navigationsgeräte war erst der Anfang. Jetzt werden zuerst alle Handys mit GPS-Funktion ausgestattet - dann kommen Kameras und mobile Spielkonsolen an die Reihe. Das glaubt jedenfalls Sirf-Gründer Kanwar Chadha.

Von Johannes Winkelhage
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Schon für weniger als 100 Euro bekommt man heute ein kleines Navigationsgerät, das einen brav von A nach B führt. Was noch vor wenigen Jahren kaum unter 300 Euro zu haben war, ist heute praktisch zur Selbstverständlichkeit geworden. Waren Navigationssysteme in Autos früher nur einer Minderheit gutbetuchter Nutzer vorbehalten, kleben die Halterungen für die Wegweiser heute in fast jedem Kleinwagen an der Windschutzscheibe. Rund 41 Millionen solcher Portable Navigation Devices (PND) wurden nach Angaben der britischen Marktforscher von Canalys international im vergangenen Jahr verkauft. Das waren 118 Prozent mehr als im Vorjahr. Dies aber ist für viele erst der Anfang einer Entwicklung, die über die reine Navigation weit hinausgeht.

Auch Kanwar Chadha gehört zu denen, die mit viel Phantasie am Werk sind, wenn es um die künftige Nutzung der Signale des Satellitensystems GPS zur Positionsbestimmung geht. Chadha ist Gründer des amerikanischen Unternehmens Sirf, einer der großen Hersteller der Chips, die GPS-Signale empfangen und daraus die Position des Nutzers berechnen. Sowohl die Chips selber als auch ganze Komponentengruppen, in die andere Funktionen integriert werden, kommen von Sirf. Zu den Kunden gehören Handyhersteller ebenso wie die Automobilindustrie oder die klassischen Anbieter von Navigationsgeräten.

„Das Jahr 2009 wird für alle hart“

Die aktuelle Krise ist Chadha nicht wirklich anzumerken. „Das Jahr 2009 wird für alle hart. Aber langfristig gibt es erhebliche Wachstumschancen für alle, die mit dem Thema GPS und Navigation zu tun haben“, erklärt er im F.A.Z.-Gespräch.

„Wir sehen gerade, dass unsere Vision, die GPS-Funktion in praktisch alle elektronischen Geräte zu integrieren, langsam zur Realität wird“, fügt der Sirf-Gründer hinzu. Vor allem die Handys werden nach seiner Ansicht innerhalb einer kurzen Zeit mehrheitlich mit GPS ausgestattet sein. Für die Spitzengeräte ist diese Ausstattung schon heute selbstverständlich. Diese Erwartung wird auch von Canalys bestätigt. Demnach werden vor allem in Europa inzwischen schon mehr Multimedia-Handys mit GPS-Chip verkauft als portable Navigationsgeräte.

Chadha setzt auf drei Märkte, die neben den klassischen Navigationsgeräten in den kommenden drei Jahren zu Großabnehmern von GPS-Chips werden sollen. Dabei nennt er an erster Stelle die Digitalkameras. „Es macht großen Sinn, die Informationen über Ort und Zeit der Aufnahme gemeinsam mit den Bilddaten zu speichern“, sagt er. Dieser Prozess wird seiner Ansicht nach dadurch unterstützt, dass sich ein ganzes Ökosystem um diese als Geotagging bezeichnete Idee entwickelt hat. So hat Google schon vor einiger Zeit den Anbieter Panoramio übernommen, mit dessen Hilfe die Nutzer ihre Bilder auf der Karte von Google Maps einstellen können. Auch das deutsche Unternehmen Locr oder der zu Yahoo gehörende Bilderdienst Flickr bieten solche Funktionen an. Schon jetzt ist zu sehen, dass immer mehr Kameras mit GPS-Chip auf den Markt kommen.

„Wir sprechen mit Sony über solche Themen“

Als zweiten Wachstumsmarkt sieht Chadha die mobilen Spielkonsolen wie zum Beispiel die Playstation Portable von Sony. Der Gedanke dahinter ist einfach: Wenn die Spielkonsolen wissen, wo man sich befindet, lässt sich die Position auch auf einer Karte abbilden. Spielt man mit mehreren Akteuren, sieht man auch deren Position auf der Karte. „Damit werden Spiel und Realität Stück für Stück stärker miteinander verwoben“, erwartet Chadha und fügt hinzu: „Wir sprechen mit Sony über solche Themen.“

Der dritte Wachstumsmarkt, den der Sirf-Gründer in den kommenden Jahren erwartet, sind die mobilen Computer, Netbooks und Laptops. „Es macht durchaus Sinn, wenn diese Geräte wissen, wo sie und ihr Nutzer sich gerade befinden“, sagt Chadha. Darauf richten sich nach seinen Angaben schon heute viele Anbieter von Inhalten ein. So suche der Nutzer zum Beispiel bei einer Suchanfrage „Restaurant“ im Internet meist ein solches in seiner Nähe. „Wenn die GPS-Funktionalität tief in solche Systeme integriert wird, gehen irgendwann das Betriebssystem und die Software-Anwendungen auf solchen Rechnern schlicht davon aus, dass diese Information zur Verfügung steht.“ Das ermögliche völlig neue Formen der Nutzung von zum Beispiel sozialen Netzwerken wie Facebook, Myspace oder StudiVZ. „Es gibt ziemlich viele Inhalte, die auf den gegenwärtigen Aufenthaltsort des Nutzers bezogen werden können und dadurch an Wert gewinnen.“

„Das Wachstum wird in den kommenden Jahren sehr kräftig sein“

Durch den massenhaften Einbau der GPS-Chips in diverse Geräte hat sich der Preis für solche Einheiten in den vergangenen Jahren deutlich nach unten bewegt. „Sie bekommen heute GPS-Chips schon für 2 Dollar. Wenn man komplexere Einheiten braucht, sind es im Massengeschäft vielleicht 5 Dollar“, sagt Chadha. Darüber hinaus rechnet er damit, dass der Preisverfall auch in den kommenden Monaten weiter fortschreiten wird.

Sirf steht im Wettbewerb mit anderen Herstellern von Chips oder den komplexeren Baugruppen, die auch als Chipsets bezeichnet werden. Dazu gehören neben Intel und Texas Instruments auch Qualcomm und Broadcom. „Alle Anbieter haben in den vergangenen Jahren GPS-Kompetenz zugekauft, und vor allem im Geschäft mit den Handyherstellern herrscht ein harter Wettbewerb“, sagt Chadha.

Angesichts der erwarteten Wachstumsraten kann allerdings weiterhin die gesamte Branche von der Flut neuer GPS-Anwendungen profitieren. „Das Wachstum wird in den kommenden Jahren sehr kräftig sein“, sagt Chadha. Derzeit würden rund 200 Millionen GPS-Chips im Jahr verkauft. Diese Zahl wird seiner Ansicht nach bis zum Jahr 2012 auf 700 Millionen bis 1 Milliarde Einheiten steigen. „Langfristig sprechen wir allerdings über einen jährlichen Absatz von rund 2 Milliarden Einheiten“, erwartet der Sirf-Gründer.

Zu dieser rasanten Entwicklung wird nach Ansicht von Chadha auch beitragen, dass der früher recht hohe Stromverbrauch der GPS-Chips inzwischen deutlich sinke. „Die Chips verbrauchen heute nur noch rund ein Drittel der Energie, die sie vor drei Jahren gebraucht haben“, sagt er. Allein in Sachen Energieverbrauch ist in diesem Geschäft die Tendenz weiter deutlich fallend.

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