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„Chinook“ ist unschlagbar Die perfekte Dame ist Computerkram

19.07.2007 ·  „Chinook“ ist Legende. Das Computer-Programm war das erste, das eine Spiele-Weltmeisterschaft gegen den Menschen gewann. Nun ist es so gut, dass es von Menschen nicht mehr geschlagen werden kann. Wer will da noch Dame spielen?

Von Joachim Müller-Jung
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Wenn es nicht so traurig wäre, man müsste es eigentlich feiern: Der Dame-Computer gilt seit heute als endgültig unbesiegbar, das perfekte Spiel ist geboren. Der Mensch kann, selbst wenn er keinen einzigen Fehler im strategischen Wetthüpfen der Steine macht, gegen das Maschinenhirn „Chinook“ allenfalls ein Remis erreichen. Mehr ist nicht drin. Sagen jedenfalls die acht Computerspielspezialisten, die sich um Jonathan Schaeffer an der University of Alberta in Edmonton, Kanada, geschart und dort jene Analyse angefertigt haben, die nun in der international bedeutenden Wissenschaftszeitschrift „Science“ nachzulesen ist.

Der zentrale Satz darin lautet: Das Spiel ist gelöst, Game over. Achtzehneinhalb Jahre haben sie im Schnitt mehr als fünfzig Computer Tag für Tag rechnen lassen, in Spitzenzeiten waren es mehr als zweihundert. Doch selbst in dieser Zeit hätten sie - jedenfalls mit der verfügbaren Technik - niemals sämtliche mehr als 500 Millionen Billionen (eine fünf mit zwanzig Nullen) theoretisch möglichen Spielstellungen auf dem Schachbrett virtuell erzeugen können.

Perfektion hat einen neuen Namen

Jonathan Schaeffer und seine Leute, die die Rechenzeit unter anderem dazu nutzten, das Computer-Pokerspiel Polaris zu perfektionieren, mit dem sie nächste Woche gegen zwei professionelle Pokerspieler um 50 000 Dollar spielen, haben sich mit etwas mehr als 39 Billionen Spielstellungen auf dem Dame-Brett begnügt. Das sind alle möglichen Stellungen mit weniger als zehn Steinen auf dem Spielfeld. Jede denkbare Endkampf-Situation wurde gespeichert. Am Spieleanfang allerdings machte man deutliche Abstriche. Weil viele Anfangszüge ähnlich sind oder, wie die Spielweise von Dame-Großmeistern zeigte, zum selben Zwischenergebnis auf dem Spielbrett führen, hat man sich auf 19 unterschiedliche Spieleröffnungen beschränkt, die mit drei Zügen möglich sind. Nach etwa hundert Billionen Rechenoperationen stand für die Forscher fest: Von nun an weiß der Computer in jeder beliebigen Spielsituation stets genau, was zu tun ist. Der perfekte Zug ist Sache der Maschine.

Die annoncierte Unbesiegbarkeit der künstlichen Intelligenz wird die globale Dame-Gemeinde allerdings auch nicht unbedingt in eine tiefe Sinnkrise stürzen. Denn vor Jahren schon hat man sich mit der Überlegenheit der Rechenautomaten im strategischen Steinesetzen abgefunden. „Chinook“, das 1989 von Schaeffer gestartet und 1997 für vier Jahre vorübergehend in eine Art „Ruhestand“ geschickt wurde, hatte schon 1994 in einer frühen Version den damaligen Dame-Großmeister Marion Tinsley beim zweiten Anlauf offiziell geschlagen und war ins Guinnessbuch der Rekorde aufgenommen worden. Tinsley musste krankheitsbedingt das entscheidende Spiel aufgeben. Er hatte davor in 41 Jahren nur drei Turnierspiele verloren. Der perfekte Dame-Spieler. Mit „Chinook“ hat die Perfektion nun endgültig einen neuen Namen.

Quelle: FAZ.NET mit Material von dpa
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