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China und Google Zensoren am Zug

23.03.2010 ·  Google hat gehandelt und leitet Suchanfragen aus China nach Hongkong um. Jetzt muss die chinesische Regierung entscheiden, wie sie darauf reagieren will: Den Zugang total blockieren? Einzelne Suchanfragen filtern? Technisch wäre beides denkbar.

Von Marco Dettweiler und Stefan Tomik
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Ein Internetnutzer, der in China die Adresse Google.cn in seine Browserzeile eintippt, landet ab sofort auf Google.com.hk. Damit leitet Google alle Anfragen auf seine chinesische Seite nach Hongkong um. In diesem simplen technischen Detail steckt eine politische Entscheidung.

Mit dem „Redirect“ umgeht das amerikanische Unternehmen die Zensurmaßnahmen der chinesischen Regierung, denn in Hongkong besteht eine andere Rechtslage. In China hatten bestimmte Suchergebnisse unterdrückt werden müssen. Google informierte seine Nutzer mit einem Hinweis über diese Einschränkungen „aus gesetzlichen Gründen“. Der chinesische Surfer wusste also, dass er gerade nach einem prekären Thema suchte. Die zensierten Links sah er nicht.

Der schwarze Peter liegt bei der Regierung

Die chinesische Zensur war aber nie total oder auch nur konsistent. Manche Angebote wie Wikipedia waren mal komplett, mal teilweise gesperrt, manchmal auch frei zugänglich. Ähnlich verhielt es sich mit der nicht zensierten Suchmaschine google.com, die auf Servern außerhalb von China bereitgestellt wird. Sie war meistens zugänglich, wurde nach Angaben von Google aber künstlich verlangsamt. Das ging so weit, dass sich die Seite manchmal sogar überhaupt nicht aufbaute.

Video: Google umgeht die Zensur in China

Ähnlich langsam war die Suchmaschine Google.hk in Hongkong. Sie stand bislang nur in traditionellem Chinesisch und englischer Sprache zur Verfügung. Vielleicht ließen die Zensoren auch deshalb die eingeschränkte Nutzung zu. Die neue Seite Google.com.hk hingegen ist jetzt auch in der vereinfachten Kurzzeichenschrift verfügbar, wie sie in der Volksrepublik China üblich ist.

Damit liegt der schwarze Peter jetzt wieder beim chinesischen Regime. Die Zensoren müssen entscheiden, ob und in welchem Umfang sie die Nutzung der freien Suchmaschine Google.com.hk in Zukunft zulassen. Sie könnten den direkten Aufruf der Seite komplett unterbinden, indem sie alle Anfragen an die IP-Adresse des Google-Servers mit einem sogenannten IP-Adressfilter abfangen. Der Adressfilter ließe sich aber auch so fein einstellen, dass zunächst der Inhalt der Suchanfrage ausgelesen wird. Tauchen darin den Zensoren ungenehme Begriffe wie „Tiananmen“, „Amnesty International“ oder „Falun Gong“ auf, würden diese Datenpakete einfach weggeworfen oder die Nutzer umgeleitet.

Laut Google gibt es Hinweise darauf, dass die Regierung die Zensur auf eine andere Ebene verlagern könnte: Statt wie bislang (mit Googles widerwilliger Hilfe) die Suchergebnisse zu filtern, würden dann schon die Suchanfragen zensiert. Verbunden wäre das mit einer stärkeren Belastung der Infrastruktur, die hinzunehmen China aber offenbar bereit ist. Schon die „Great Firewall of China“ führt zu deutlichen Einbußen in der Geschwindigkeit der Netznutzung.

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