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Cebit vor zehn Jahren Lang, lang ist's her

31.01.2006 ·  Zehn Pfennig pro E-Mail und Minutenpreise für den Internet-Zugang von fünf Pfennig. AOL Bertelsmann Online versucht T-Online Konkurrenz als Provider zu machen. Ein Blick zurück nach vorn: die Cebit 1996.

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Bevor Anfang März die Cebit 2006 beginnt, kann ein Blick zurück Aufschluß darüber geben, was sich in den vergangenen zehn Jahren so alles verändert hat. Nicht selten ein verblüffendes Erlebnis, wenn man bedenkt, daß es so lange nun doch nicht her ist - oder doch.

Auf einen Superstar der Computer-Branche wie Bill Gates warteten die Besucher der Cebit 1996 vergebens. Der Microsoft-Gründer hatte im Jahr zuvor noch die weltgrößte Computermesse als Bühne genutzt, um den Medienzirkus um sein neues Betriebssystem Windows 95 anzuheizen.

Im März 1996 war der Zweikampf zwischen dem Microsoft-Produkt und der Konkurrenz „OS/2“ von IBM aber schon zu Gunsten von Gates und seiner Truppe entschieden. Schaut man sich rückblickend die Höhepunkte der Cebit 1996 an, kann man feststellen, daß in diesem Jahr das Internet erstmals eine dominante Rolle auf dem Messegelände in Hannover spielte.

Zehn Pfennig pro E-Mail

Während heute breitbandige Internet-Anschlüsse ohne irgendwelche Begrenzungen für einige Euro im Monat zu haben sind, wurde damals der Zugang zum Netz der Netze durchgängig im Minutentakt zu gesalzenen Preisen in D-Mark abgerechnet. T-Online halbierte allerdings auf der Cebit 1996 seinen Minutenpreis von zehn auf fünf Pfennig. Außerdem strich die Telekom-Tochter ersatzlos die heute unvorstellbare Gebühr von zehn Pfennig pro E-Mail. Mit den neuen Preisen wollte sich T-Online gegen den Ansturm der versammelten Konkurrenz wappnen: „AOL Bertelsmann Online“, wie AOL Deutschland damals hieß, CompuServe, Europe Online, Microsoft Network, germany.net und eine Vielzahl von anderen Internet-Providern waren damals gegen den ehemaligen Monopolisten angetreten.

Der damalige Bundesforschungsminister Jürgen Rüttgers (CDU) warnte zur Eröffnung der Cebit '96 vor den Schattenseiten des Internets und forderte, „Netzbeschmutzern“ mit international gültigen Regeln das Handwerk zu legen. Gleichzeitig startete er die Initiative „Schulen ans Netz“, die auch zehn Jahre später das von Rüttgers 1996 formulierte Ziel noch nicht vollständig erreicht hat: „Die Schulen sollen die Chance haben, aktuelles Online-Multimedia zu praktizieren. Sie sollen nicht Computer-Geschichte lernen, sondern Medienzukunft kennen lernen.“

Wer kennt noch die StarDivision?

Auf die aufkeimende Netzwerk-Begeisterung der Branche setzten auf der High-Tech-Schau vor zehn Jahren auch die amerikanischen Konzerne Sun Microsystems, IBM und Oracle. Sie warben auf der Cebit 1996 für den Netzwerk-Computer, der ohne Festplatte und Diskettenlaufwerk auskommt und seine Programme übers Netz lädt. Den Vormarsch der Windows-PCs in die Büros und privaten Haushalte konnten Sun und Oracle mit dem Netzwerk-Computer allerdings nicht stoppen. Das NC-Konzept war 1996 einfach noch nicht ausgereift und nahm auch später nur einen Nischenplatz ein. Die NC-Programmiersprache Java prägt hingegen bis heute die weltweite Software-Entwicklung und etablierte sich als erfolgreiches Gegenmodell zur Microsoft-Architektur.

Auch dem Versuch des deutschen Jung-Unternehmers Marco Börries, auf der Cebit '96 als „David“ der Software-Industrie den „Goliath“ Microsoft herauszufordern, war nur ein begrenzter Erfolg beschieden. Börries' Firma StarDivision legte in Hannover ein Internet-taugliches Büroprogrammpaket „StarOffice“ vor, während das „Microsoft Office“ damals noch nicht für eine Arbeit im Netz taugte. Die Vormachtstellung des Microsoft-Programmpakets konnte „StarDivision“ aber nicht aufhalten. Börries verkaufte sein Unternehmen 1999 an Sun Microsystems und arbeitet heute für den amerikanischen Internetkonzern Yahoo.

Kein Erfolg mit Cebit-Home

Spannend hören sich auch noch heute einige Ankündigungen von Ausstellern der Cebit 1996 an, denn sie sind in den vergangenen zehn Jahren niemals wirklich funktionierend in die Realität umgesetzt worden: Die Flugschein-Chipkarte, die kontaktlos beim Betreten den Flugzeugs ausgelesen wird, das digitale Diktiersystem, das gesprochene Sprache absolut fehlerfrei in Text verwandelt oder der 3-D-Pointer am Handgelenk als lückenloser Ersatz für die Computermaus.

Nach dem Super-Boomjahr 1995 mit rund 750.000 Cebit-Besuchern blieb bei der Messe 1996 der ganz große Ansturm aus, auch weil die Messegesellschaft damals die Eintrittspreise von 32 auf 50 DM erhöht hatte, um den Anteil der Fachbesucher zu erhöhen. „Profis im Visier“, titelte die Computerzeitschrift „c't“ in ihrer Cebit-Bilanz. Rund 600.000 Menschen fanden den Weg in die Messehallen.

Die vielen Privatbesucher und Schüler sollten nach dem Willen der Messe AG auf die Cebit Home ausweichen, doch dieses Konzept ging langfristig nicht auf. Nur zwei Mal, 1996 und 1998, fand der Ableger der großen Cebit statt. Im Jahr 2000, als das Messegelände in Hannover durch die Weltausstellung Expo 2000 belegt war, wurden die Computer-Begeisterten zur Cebit Home nach Leipzig eingeladen. Die Messe wurde dann allerdings wegen geringen Interesses des Publikums abgesagt.

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