13.03.2007 · Alle Jahre wieder blicken wir im Frühjahr nach Hannover, als ob dort ein Orakel spräche. Der Welt größter Messeplatz lockt professionelle Anwender, Wissenschaft „sowie alle technikbegeisterten Nutzer“ mit dem Versprechen: Die Cebit zeigt, wo die Entwicklung hingeht.
Von Michael SpehrDie klassische Datenverarbeitung kommt auf der Cebit vorrangig im Gewand ihrer publikumswirksamen Anwendungen daher. Da weiß auch ein „leading business event“, was sich für die Besucherschaft ohne Spezialkenntnisse gehört. Doch stehen bei der Telekommunikation in diesem Jahr nicht mehr die Endgeräte wie das Handy, der alleskönnende Taschencomputer oder das Internettelefon im Vordergrund.
Die Produkte des Jahres hat die 3GSM in Barcelona gezeigt (siehe: 3GSM Barcelona: Ungezügelte Lust auf immer schnellere Daten). Wichtig ist zunächst das Zusammenwachsen von unterschiedlichen Angeboten zu einem Gesamtpaket, auf dass der Kunde alles aus einer Hand von einem Anbieter erhält, und zwar mit hoher Grundgebühr, langer Vertragsbindung und moderaten oder gar keinen Nutzungsentgelten, Stichwort: Flatrate.
Internettelefonie für Privateleute überflüssig
Die Telekom ist mit dem sehr erfolgreichen „Call & Surf Comfort“ vorangegangen: unbegrenzt ins Festnetz telefonieren und surfen für 50 Euro im Monat. Nun präsentiert 1&1 sein Kombipaket „4DSL“: für 30 Euro im Monat bekommt man einen DSL-Anschluss mit Flatrate, Internettelefonie, einen Mobilfunkanschluss von Vodafone und sogar den Zugang zu ausgewählten Kinofilmen, die ebenfalls via DSL auf den heimischen Fernsehapparat kommen sollen. Auch Arcor bietet seinen Telefon- und Internetkunden ein solches All-inclusive-Paket mit Festnetz- und Mobilfunk-Flatrate an.
Keine Frage also: Telefonieren und Internet werden günstig wie nie, auch das Plaudern vom Mobilfunk ins Festnetz. Und Voice over IP, also die früher besonders günstige Internettelefonie, ist damit für Privatleute überflüssig geworden. Wer sich für die passende Hardware interessiert, sollte bei AVM in Halle 13 die neue Fritzbox ansehen (siehe: Was man in Hannover unbedingt sehen muss).
Immer mehr Tempo beim Zugang in Netz
Das zweite große Thema der Cebit sind die mobilen Datendienste: HSDPA ist der Turbo für UMTS und verspricht immer mehr Tempo beim Zugang zum Netz. Vodafone und T-Mobile stellen in Hannover das UMTS der Zukunft vor: Hier sollen nun Daten mit einer Geschwindigkeit von bis zu 7,2 Megabit in der Sekunde aus dem Netz geladen werden: schneller als mit den meisten DSL-Anschlüssen also. Was immer man mit dem mobilen Internetzugang auch macht - sei es Büroarbeit oder Streaming des Fernsehprogramms, das Hochladen von eigenen Fotos ins Blog oder den Kauf von Musiktiteln -, zeigt die Cebit in ganzer Breite.
Der kleinste Netzbetreiber O2 will spezielle Tarife für Foto und Musik anbieten. Musik auf dem Handy ist zwar kein neues Thema - aktuelle Geräte machen vom Speicherplatz her allmählich dem iPod Konkurrenz -, aber hier fehlen noch grundsätzliche Richtungsentscheidungen. Solange die Musikindustrie mit digitaler Rechteminderung (DRM) dafür sorgt, dass man seine gekauften Titel nicht von einem alten Gerät aufs neue mitnehmen kann, kommt der Zug nicht in Fahrt.
Gesichtserkennung und Spiegelreflextechnik
Bei der Digitalfotografie stehen die Themen Gesichtserkennung und Spiegelreflextechnik im kompakten Einsteigerformat auf der Agenda. Außer Canons Dickschiff für die Profis (siehe: Was man in Hannover unbedingt sehen muss) sind alle anderen Neuheiten schon von vergangenen Premierenauftritten bekannt. Neue All-on-one-Modelle, die erst noch in den Handel kommen, haben Sony mit der H9 und der H7 (im Mai) sowie Fujifilm mit der ganz neu auf Kompaktheit hin designten S5700 (Ende April).
Sony zieht mit „face detection“ nach, Fuji, wo nun das der Nikon D200 weitgehend entsprechende Profiwerkzeug Finepix S5 Pro zu haben ist, spendiert - hört, hört! - wenigstens dem Videomodus der S5700 eine Bildstabilisierung sowie, ebenfalls überfällig, Kompatibilität zu SD-Speicherkarten. Panasonic wird seine vor allem bei den kleinen Modellen zahlreicher gewordene Lumix-Familie und Casio in der Exilim-Baureihe die flachste Superzoomkamera zeigen können. Im Übrigen gilt: nichts umwälzend Neues auf dieser Cebit.