19.02.2005 · Der Firefox-Browser ist sicher, klein und sehr pfiffig - das genaue Gegenteil von Microsofts Internet-Explorer. Speziell auf kleinen Rechnern kommen die guten Eigenschaften der Software zur Geltung.
Von Fritz JörnKein Stück Software ist so in Viren-Verruf gekommen wie Microsofts Internet-Explorer. Verwunderlich ist das nicht, ist er doch für die meisten das Tor zum weltweiten Netz und für Windows das Haupteinfallfenster aller Daten. Nur E-Mail kann ähnlich kritisch sein, läßt sich vom Anwender aber besser absichern. Der Microsoft-Explorer hat Konkurrenten, etwa Netscape, Opera und den offen programmierten "Firefox" aus der Mozilla-Organisation. Es gibt ihn seit dem 11. November 2004 in guter, deutscher Version. Der Firefox hat seine Ursprünge in Netscape, der in einem Open-Source-Projekt zu Mozilla weiterentwickelt wurde und jetzt als Firefox einzeln und dauerhaft unentgeltlich von Mozilla.Org herunterzuladen ist.
Dieser Browser ist nicht nur sehr schlank - knapp 5 Megabyte im Download -, sondern auch sehr schnell und wartet schon in der Normalausführung mit besonders praktischen Fähigkeiten auf, nicht nur mit dem üblichen Pop-up-Blocker. Als offenes Projekt läßt sich Firefox wunderbar konfigurieren und frißt nicht unnötig Bildschirmfläche. Damit ist er ideal selbst für kleine Rechner. Sogar eine Handy-Version ist in Vorbereitung. Daß Viren diesen Browser ungern oder gar nicht belästigen, das sieht man ihm nicht an. Es beruhigt aber ungemein, zumal so die beim Explorer gewohnten häufigen Updates nicht nötig werden. Die Mozilla-Stiftung zahlt jedem 500 Dollar, der eine Sicherheitslücke aufdeckt. Google-Suche ist gleich mit dabei, aber genausogut auch Zugriff auf Yahoo und auf das Wikipedia-Lexikon, wo man den Ursprung des Namens Mozilla nachlesen kann. Dafür fehlen einige nicht von jedem genutzte Dinge wie bequemer FTP-Zugriff mit Paßwort oder der inzwischen leider oft nötige Macromedia-Flash-Spieler. Er kann aber leicht nachgeladen werden. Dabei erlebt man gleich die vorsichtige Umgehensweise des Firefox mit Downloads und Installationen. Was gar nicht geht - gerade zur Sicherheit -, sind selbst gewollte Zugriffe von außen über den Browser in den eigenen PC, etwa die kostenlose Suche nach Viren durch Symantecs Security Response oder bequeme Microsoft-Software-Auffrischungen. Dazu fehlen die Active-X-Zugänge. Doch möglicherweise kommt das noch, meinte Bart Decrem von der Mozilla-Stiftung. Also sollte man sich den Firefox zum Standardbrowser machen, den Explorer aber nicht gleich weglöschen.
Ein wenig fehlte uns die volle Google-Suchzeile, die einem die Suchbegriffe gleich auf der gefundenen Seite markieren kann. Bastler werden sich ihren Firefox fast beliebig erweitern, sich etwa die Google-Leiste holen. Wir wollen hier beispielhaft einen Knüller der Standardversion vorstellen, "Tabbed Browsing" genannt und damit erst einmal unverständlich. Tabs sind hier nicht Tabulatoren, sondern Reiter, wie man sie auf Karteikarten steckt. Klickt man im Firefox-Browser mit der mittleren Maustaste auf einen Link (oder ganz normal links und hält dabei die Steuerungstaste fest), so wird der Inhalt in ein zunächst verstecktes Blatt geladen. Es erscheint oben eine schmale Zeile mit Reitern, wo man nun beliebig mit Mausklick oder Strg-Tab zwischen der ursprünglichen Seite - zum Beispiel einer Google-Suche - und der frisch aufgeblätterten wechseln kann. Ein weiterer Link, mit mittigem Klick gewählt, und ein weiterer frischer Reiter stehen der Abfragemacht zur Verfügung. Mit Strg-Großschreibung beim Klick auf einen Link wird die neue Seite übrigens gleich sichtbar zur obersten gemacht. Wer das Verfahren einmal probiert hat, wird es nicht mehr missen mögen. Firefox ist einfach ein sehr praktischer Browser.
Und wenn wir schon beim Loben sind, so loben wir an diesem Beispiel den alten, freien und freigebigen Geist des Internets, hier etwa den Germanistikstudenten Abdulkadir Topal aus Duisburg, der den Browser analog der ebenso unbezahlten Mozilla-Adaptierung von Robert Kaiser übersetzt hat, und die zahlreichen anderen begeistert Tätigen an dieser kleinen Microsoft-Herausforderung.