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Bing Streetside Nun fotografiert Microsoft die Häuser

 ·  Erst Google, dann Microsoft: Auf Deutschlands Straßen fahren wieder Autos mit Kameras auf den Dächern herum, um Häuser zu fotografieren. Widerspruch einlegen dürfen die Menschen aber erst nach der Veröffentlichung im Internet.

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Das Softwareunternehmen Microsoft beginnt in diesen Tagen, Häuser und öffentliche Plätze in Deutschland für seinen Bilderdienst Bing Streetside zu fotografieren. Zunächst sollen die Autos in Nürnberg, Erlangen und Fürth auf die Straßen geschickt werden, um 360-Grad-Aufnahmen zu machen. Im Juni sollen die Kamerafahrten dann in weiteren Städten wie München fortgesetzt werden. Insgesamt sollen 60 Städte in Deutschland von den Fahrzeugen erfasst werden, sagte eine Microsoft-Sprecherin.

Die Kamerafahrten sollen 18 Monate dauern. Die Kameraautos tragen die Aufschrift des Unternehmens Navteq, einer Tochtergesellschaft des finnischen Handyherstellers Nokia. Navteq ist ein Spezialist für Landkarten und Navigationssoftware und stellt auch für Nokia die entsprechende Software her. Nach und nach werden die Fotos dann in den Kartendienst des Microsoft-Dienstes eingepflegt. Das erste Kartenmaterial werde vermutlich im Spätsommer oder Frühherbst ins Netz eingestellt.

„Natürlich haben wir alle in der Zwischenzeit ein bisschen was dazugelernt“, sagt ein Microsoft-Sprecher dem Fernsehnsender n-tv. Der Nutzen solcher Panoramadienste werde von den Anwendern heute klar gesehen. Microsoft stehe in Gesprächen mit dem zuständigen bayerischen Datenschutzbeauftragten.

Erst wenn die Bilder im Netz sind, ist Protest möglich

Ähnlich wie beim Google-Projekt Street View erfassen die Autos die Straßen und Häuserfassaden, die von öffentlichen Straßen und Plätzen aus zu sehen sind. Die Gesichter der Menschen und Kennzeichen der Autos sollen mit einer Software unkenntlich gemacht werden. Allerdings räumt Microsoft den Menschen nicht wie Google das Recht ein, vor der Veröffentlichung im Internet Widerspruch einzulegen. Erst wenn die Fotos im Netz stehen, können die Nutzer protestieren. Dann sollen die Häuser innerhalb von zwei oder drei Tagen verpixelt werden, damit sie nicht mehr erkennbar sind.

Gegen eine Möglichkeit des Vorab-Widerspruchs, wie von den Datenschützern gefordert, habe sich Microsoft aber auch im Sinne der „Datensparsamkeit“ entschieden, sagte ein Microsoft-Sprecher. „Ich müsste quasi Adressen, Telefonnummern und Namen bei mir hinterlegen lassen, um mit den Leuten dann zweifelsfrei das richtige Objekt bestimmen zu können.“ Das sei im Sinne von Datensparsamkeit „nicht vernünftig“ erschienen.

Gewartet, bis sich die Aufregung gelegt hatte

Microsoft hat mit dem Beginn seiner Kamerafahrten gewartet, bis sich die Aufregung um Google Street View gelegt hat. Google hat inzwischen die Fotos von 20 deutschen Städten im Internet veröffentlicht, will aber vorerst keine neuen Fotos mehr in Street View publizieren. Zwar sind die Google-Autos im Moment wieder unterwegs. Weitere Aufnahmen, zum Beispiel von Straßen oder Straßenschildern, sollen aber nur für den Navigationsdienst Google Maps verwendet werden, zum Beispiel um Ortsnamen aktuell zu halten. Google arbeitet auch an Plänen, Autos von Computern lenken zu lassen. Dafür werden exakte Straßenfotos gebraucht. „Es gibt derzeit aber keine Pläne, weitere Fotos in Street View zu veröffentlichen“, sagte eine Google-Sprecherin. Wegen der Widersprüche ist die Aussagekraft von Street View in Deutschland eher gering; viele Straßenzüge sind stark verpixelt.

Microsoft und Google sind allerdings nicht die einzigen Unternehmen, die Straßenfotos im Internet veröffentlichen. Kleine Seiten wie Sightwalk.de haben schon länger und - vom öffentlichen Zorn weitgehend unbemerkt - ganze Städte ins Netz gestellt.

Die Fotos der Bilderdienste lassen sich später miteinander kombinieren, um ein ganzes Straßenpanorama anzuzeigen. Verbunden mit einer Suchmaschine lässt sich dann später anzeigen, wo genau zum Beispiel eine Apotheke zu finden ist. Immobilienmakler können Interessenten die Häuser oder Wohnungen direkt am Computer zeigen. Neueste Anwendungen mit sogenannter Augmented Reality (Erweiterter Realität) können dann Bezeichnungen über die Fotos einblenden. Wer sein internetfähiges Handy in eine Straße hält, kann sich dann direkt alle freien Wohnungen auf dem Bildschirm anzeigen lassen.

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