09.08.2006 · Windows XP ist mittlerweile fünf Jahre alt. Mehrmals hat Bill Gates den Start des neuen Betriebssystems „Vista“ angekündigt - und gleich wieder verschoben. Dennoch hat es Apple-Chef Jobs verpaßt, mit der Ankündigung des neuen Mac OS X einen Coup zu landen.
Der Softwaregigant Microsoft hat den Wettkampf gegen Apple Computer im PC-Markt eigentlich bereits in den
90er Jahren klar gewonnen. Das Microsoft-Programm Windows 95 und seine Nachfolgersysteme drängten damals den Apple Macintosh in eine kleine Marktnische. Über 95 Prozent aller Personal Computer laufen
heute weltweit mit Windows.
Doch seit zwei Jahren wachsen die Marktanteile von Apple wieder. Der überwältigende Erfolg des Musikplayers iPod sowie der nun erfolgreich abgeschlossene Übergang auf die Plattform des Chipherstellers Intel haben den Apple Macintosh wieder auf eine Route gebracht, die aus der Nische herausführen könnte.
Fünf Jahre Windows XP
Die von Bill Gates und Steve Ballmer über Jahre hinweg so erfolgreich angetriebene Microsoft-Maschine geriet dagegen in jüngster Zeit bei der Einführung des neuen Windows-Systems „Vista“ ins Stottern. Das Vorgänger-System Window XP hat bereits fünf Jahre auf dem Buckel - in der IT-Branche eine Ewigkeit. Die Entwickler mußten monatelang Sicherheitslücken in der Windows-Software stopfen, anstatt sich der Erneuerung der Windows-Architektur widmen zu können. Nach zahlreichen Verzögerungen soll „Vista“ zum Jahresende für die Unternehmen auf den Markt kommen, die Version für private Anwender dann im Anfang 2007.
Apple-Chef Steve Jobs streute auf dem Entwicklerforum WWDC in San Francisco Salz in die Wunden seines Wettbewerbers: Apple habe in diesen fünf Jahren fünf neue Versionen seines Betriebssystem Mac OS veröffentlicht und außerdem den Umstieg auf die Chips von Intel bewältigt. „Unsere Freunde im Norden (in Redmond im US-Bundesstaat Washington) geben (jährlich) fünf Milliarden Dollar für Forschung und Entwicklung aus. Und trotzdem scheinen sie nur Google und Apple zu kopieren. Ich glaube, das beweist, daß Geld nicht alles ist.“
Coup verpaßt
Mit dem neuen Betriebssystem Mac OS X „Leopard“ setzt Apple nun erneut zum Sprung nach vorne an. Auf großen Transparenten im Moscone Center in San Francisco wurde das neue Apple-System ironisch als
„Vista 2.0“ beworben. So wird Apple mit „Leopard“ das neuartige Backup-System „Time Machine“ einführen, mit dem die Anwender nicht nur ihre Daten sichern, sondern sich quasi wie mit einer Zeitmaschine in ihren aktuellen und alten Datenbeständen bewegen können. „Während Microsoft versucht, die Version von Mac OS X zu kopieren, die wir schon vor Jahren ausgeliefert haben, machen wir mit Leopard einen weiteren Sprung nach vorne“, stichelte Jobs.
Den richtig großen Coup hat Apple nach Ansicht etlicher Experten aber verpaßt, nämlich „Leopard“ noch vor Windows Vista auf den Markt zu bringen. „Hätten sie (Apple) das neue System noch in diesem Herbst ausgeliefert, dann hätte sich eine Riesenchance ergeben“, sagte Bob O'Donnell, Analyst des US-Marktforschungsunternehmens IDC.