30.03.2010 · Im Wettbewerb um Bandbreiten und Kunden holt das Fernsehkabel gewaltig auf. Die DSL-Konkurrenz wehrt sich und beschleunigt den Glasfaserausbau. Doch noch lassen Lösungen für ein Zusammenspiel der Netze auf sich warten.
Von Helmut BünderEs klang fast so, als wollte Matthias Kurth den neuen Aktionären von Kabel Deutschland (KDG) ihr Investment noch nachträglich schmackhaft machen. „Die Kabelgesellschaften haben Qualität zu bieten und ein großes Aufholpotential. Mit ihren Leistungen sind sie auf dem Breitbandmarkt durchaus führend“, sagte der Präsident der Bundesnetzagentur, als er vor wenigen Tagen den Jahresbericht seiner Behörde vorstellte. Bandbreiten von bis zu 120 Megabit in der Sekunde haben bei vergleichbaren Preisen eben nur wenige Telekommunikationsanbieter im Programm. Doch immer höhere Geschwindigkeiten sind gefragt. Datenfresser wie Youtube bringen den Anschluss sonst schnell an seine Grenzen.
Deshalb rückt auf dem deutschen Breitbandmarkt das Kabel mit großen Schritten vor. Schon jeder dritte Breitbandneukunde entscheidet sich zurzeit für einen Internetzugang via Fernsehkabel, und nicht nur die KDG-Aktionäre setzen auf weiterhin zügiges Wachstum. Die Aufrüstung des Kabelnetzes ist fast abgeschlossen. Ende 2009 bot es nach Angaben der Netzagentur theoretisch 24 Millionen Haushalten in Deutschland einen schnellen Internetzugang mit mehr als 100 Mbit. Tatsächlich unter Vertrag haben die Kabelgesellschaften bisher 2,3 Millionen Breitbandkunden, etwas mehr als ein Zehntel der insgesamt geschalteten Anschlüsse. Das von Kurth beschriebene Potential macht das Breitbandkabel zu einem wichtigen Instrument für die politische Vorgabe, bis Ende 2014 drei Viertel aller Haushalte mit mindestens 50 Mbit zu versorgen. Während die Telekom-Branche dafür noch Milliarden in den Glasfaserausbau investieren muss, könne das Breitbandkabel dieses Ziel „zu 80 Prozent im Alleingang“ erreichen, betont der Verband der Kabelnetzbetreiber ANGA.
Knapp zwei Drittel verfügen mittlerweile über einen schnellen Internetzugang
Für die Konkurrenten aus der Telekommunikationsbranche ist die Entwicklung umso bedrohlicher, als sich allmählich eine Marktsättigung abzeichnet. Knapp zwei Drittel der deutschen Haushalte verfügen mittlerweile über einen schnellen Internetzugang. 2008 hatten die Deutsche Telekom und ihre Wettbewerbsunternehmen noch 2,4 Millionen neue DSL-Anschlüsse schalten können, im vorigen Jahr waren es nur noch 1,5 Millionen. Der Kampf um die Kunden wird härter. Wenn in zwei, drei Jahren die Neukunden weitgehend ausbleiben, wird eigenes Wachstum nur noch auf Kosten anderer Unternehmen möglich sein. Höhere Geschwindigkeiten werden zum entscheidenden Differenzierungsmerkmal bei der kommenden Umverteilung von Marktanteilen.
Während viele ländliche Gemeinden noch für eine Mindestversorgung kämpfen und drei Viertel aller Breitbandkunden sich noch mit Geschwindigkeiten von weniger als zehn Mbit in der Sekunde begnügen, ruft der Marktführer Deutsche Telekom schon die „Gigabit-Gesellschaft“ aus. Ende 2010 soll ein erster Pilotversuch mit einem neuen Netz für Dresden anlaufen.
Das klingt nach Zukunftsmusik. Doch der Konzern rüstet sich für den rapide wachsenden Datenverkehr im globalen Internet. Nach Schätzungen des amerikanischen Netzwerkausrüsters Cisco ist im Festnetz binnen weniger Jahre eine Verfünffachung zu erwarten, im Mobilfunk soll das Datenaufkommen sogar um den Faktor 60 steigen. Es ist eine Entwicklung, die die Welt der Kupferleitungen endgültig überfordert.
Das neue Netz besteht aus Glasfaser bis in die Gebäude
Selbst die VDSL-Infrastruktur der Telekom, die Glasfaser näher an die Kunden heranschiebt, für das letzte Stück in die Haushalte aber immer noch auf der alten Kupferdoppelader aufsetzt, bildet nur eine Übergangslösung. Das neue Netz besteht aus Glasfaser bis in die Gebäude oder gleich in die Wohnung (Fiber to the Home, FTTH), so wie es manche Stadtnetzbetreiber längst vormachen. Die Telekom zieht im großen Maßstab nach. Schon bis 2012 will sie 10 Prozent aller deutschen Haushalte mit FTTH erschlossen haben - eine klare Kampfansage an das Breitbandkabel.
Einzelheiten über den Ausbauplan nennt der Konzern öffentlich noch nicht, hinter den Kulissen allerdings wird er damit bald herausrücken müssen. Denn trotz aller Konkurrenz untereinander: Mit einem unkoordinierten Ausbau der neuen Infrastruktur ist keinem der Investoren und erst recht nicht den Kunden und Serviceprovidern gedient. Schon die Umstellung auf das Netz der neuen Generation (NGA) wirft viele Fragen auf. Wo sollen sich künftig Konkurrenten auf die Leitungen der Telekom aufschalten? Welche Übergangsfristen sind notwendig, damit der Wettbewerb nicht unter die Räder kommt, wenn die bestehenden Hauptverteiler nach und nach abgeschaltet werden? Die Netzagentur hat jetzt ein „NGA-Forum“ eingerichtet, um die wichtigsten Beteiligten an einen Tisch zu bringen. Auch Kabel-Deutschland-Chef Adrian von Hammerstein gehört der Expertenrunde an und wird sich dort der Frage widmen, wie die verschiedenen Netze am besten miteinander verzahnt werden können.
Eine Regulierung lehnen die Wettbewerber ab
Ziel ist es, gemeinsame Positionen und Empfehlungen zu entwickeln, die dann in Regulierungsentscheidungen der Netzagentur einfließen könnten. Aus Sicht der Unternehmen, die in Glasfaser investieren, steht dabei der offene Netzzugang (open access) eindeutig im Vordergrund: Um die Auslastung zu erhöhen und die hohen Kosten schnell wieder einzuspielen, soll die Infrastruktur grundsätzlich auch Dritten für eine Mitnutzung offenstehen.
Die Frage ist allerdings, welche Leistungen unter welchen Bedingungen gewährt werden. Eine Regulierung eigener neuer Netze lehnen die Wettbewerber der Telekom strikt ab. „Wir treten für einen marktgetriebenen Ansatz ohne Restriktionen und Vorgaben für die alternativen Netzbetreiber ein“, sagte die Präsidentin des Bundesverbandes Breitbandkommunikation (BREKO), Erna-Maria Trixl, die ebenfalls dem NGA-Forum angehört. Für die Telekom als marktbeherrschendes Unternehmen verlangt der Verband dagegen weiterhin eine Zugangsregulierung, um faire Wettbewerbsbedingungen auch in zukünftigen Netzen sicherzustellen.
Das Ergebnis dieser Debatte hängt nicht zuletzt davon ab, wie die geplante Novelle des Telekommunikationsgesetzes ausgehen wird. Die Eckpunkte, die Wirtschaftsminister Rainer Brüderle dazu vorgelegt hat, würden es der Netzagentur jedenfalls erleichtern, auch regionale Monopole, wie sie durch die neuen Netze der Telekomkonkurrenten entstehen, ins Visier zu nehmen.
Wenn man den Spam & sonstige Marketing- & Werbe-Schnick-Schnack...
Hieronimus Lector (HiLo)
- 30.03.2010, 14:17 Uhr
Lösungen?
Nina Wunderlich (nihao75)
- 30.03.2010, 14:58 Uhr
Ich bin zufrieden
Alex Zunker (zunker)
- 30.03.2010, 22:54 Uhr
@Frau Wunderlich
Alex Zunker (zunker)
- 30.03.2010, 22:59 Uhr