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Veröffentlicht: 24.10.2011, 17:13 Uhr

Autorisierte Biografie von Steve Jobs „Am Ende habe ich meistens recht“

Steve Jobs in eigenen Worten: Wenige Wochen nach dem Tod des Apple-Mitgründers bringt Starautor Walter Isaacson die erste und einzige autorisierte Biografie heraus.

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© dapd Denkerpose mit der Hand am Kinn: Autorisierte Jobs-Biografie

Der am 5. Oktober gestorbene Apple-Mitgründer Steve Jobs war als Kontrollfanatiker berüchtigt. Für seine am Montag in Amerika erschienene Biografie hat er eine Ausnahme gemacht. Er hat dem Autoren Walter Isaacson nicht nur versprochen, zu kooperieren, sondern auch, sich nicht einzumischen. „Es ist Ihr Buch“, hat er zu Isaacson gesagt. Jobs habe sogar Menschen in seinem Umfeld ermutigt, mit Isaacson zu reden - „selbst Feinde und frühere Freundinnen“, heißt es zu Beginn des 630 Seiten langen Buches. „Ich habe viele Dinge getan, auf die ich nicht stolz bin. Aber ich habe keine Leichen im Keller“, wird Jobs zitiert. Isaacson sagt, Jobs habe sich an seine Zusage gehalten und ihm freie Hand gelassen - mit einer Ausnahme: Er fand das erste Design für den Buchumschlag derart scheußlich, dass er ein Mitspracherecht forderte und auch bekam. Gewählt wurde schließlich das Schwarz-Weiß-Porträt von Jobs in Denkerpose mit der Hand am Kinn, das auch nach seinem Tod überall zu sehen war.

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Wenige Buchtitel dürften in diesem Jahr mit so viel Spannung erwartet worden sein wie diese Biografie. Es sind schon viele Bücher über Apple und seinen legendären Mitgründer und langjährigen Vorstandschef geschrieben worden. Nie zuvor aber hat Jobs dafür selbst mit einem Autor zusammengearbeitet. Isaacson, der schon Biografien über Albert Einstein und Henry Kissinger geschrieben hat, wollte das Buch ursprünglich im März 2012 herausbringen. Der Verlag Simon & Schuster zog das Erscheinungsdatum schon vor einiger Zeit auf November vor, nach Jobs’ Tod wurde die Veröffentlichung noch einmal beschleunigt. Seit Wochen steht der Titel durch Vorbestellungen an der Spitze der Verkaufsliste des Online-Händlers Amazon.com. In Deutschland kommt das Buch am kommenden Montag heraus.

Jobs’ Leben „Lehre und Warnung zugleich“

Isaacson zeichnet in seinem Buch ausführlich die Höhen und Tiefen im Leben und in der Karriere von Steve Jobs nach. Jobs, der es hasste, in der Öffentlichkeit über sich persönlich zu sprechen, hat Isaacson auch viele Einblicke in sein Privatleben gegeben. Der Autor nennt Jobs „einen der größten Wirtschaftslenker unserer Zeit, derjenige, an den man sich mit der größten Gewissheit in einem Jahrhundert noch erinnern wird.“ Jobs wird damit auf eine Ebene mit den amerikanischen Industrielegenden Thomas Edison und Henry Ford gehoben. Doch Isaacson beleuchtet auch die Kehrseite der Persönlichkeit von Jobs. Er beschreibt ihn als „getrieben von Dämonen“. Jobs habe für sich selbst nie die innere Ruhe gefunden, um die sich der von ihm so aufmerksam studierte Zen-Buddhismus dreht. Jobs’ Leben sei daher „Lehre und Warnung zugleich“, resümiert Isaacson.

Die Idee zu der autorisierten Biografie hatte Jobs selbst. Isaacson schreibt, Jobs habe ihn im Frühsommer 2004 darauf angesprochen. Im Herbst 2003 war Bauchspeicheldrüsenkrebs bei Jobs diagnostiziert worden, was Isaacson allerdings nicht wusste. Daher habe er den Vorschlag von Jobs erst abgelehnt, weil er eine Biografie für verfrüht hielt. „Vielleicht in einem Jahrzehnt oder zwei, wenn du in Rente gehst“, habe er ihm gesagt. Überzeugt habe ihn schließlich im Jahr 2009 Jobs’ Frau Laurene Powell mit dem Hinweis darauf, dass die Zeit für eine autorisierte Biografie ablaufen könnte. „Wenn du jemals ein Buch über Steve schreiben willst, dann solltest du es jetzt machen“, zitiert Isaacson sie. Jobs hatte zu diesem Zeitpunkt gerade eine abermalige medizinische Auszeit als Vorstandschef von Apple genommen, um eine Lebertransplantation zu bekommen.

Mehr als 40 Gespräche mit Jobs selbst geführt

Isaacson hat für das Buch mehr als 40 Gespräche mit Jobs selbst geführt, außerdem Interviews mit Familienmitgliedern und vielen Weggefährten, von Apple-Mitgründer Steve Wozniak über den langjährigen Google-Chef Eric Schmidt bis zum Oracle-Gründer Larry Ellison, mit dem Jobs eng befreundet war. Auch Tim Cook, der Nachfolger von Jobs als Vorstandsvorsitzender von Apple, kommt zu Wort. Jobs hat Isaacson einige neue Einblicke in das Unternehmen Apple gegeben. Er unterstrich seinen Respekt für Tim Cook, machte aber auch klar, dass er sich mit dem Designchef Jonathan Ive noch mehr auf einer Wellenlänge fühlte. Jobs nannte Ive seinen „spirituellen Partner“; niemand außer ihm selbst habe so viel „operative Macht“ im Unternehmen wie Ive. Das Buch nährt auch die seit einiger Zeit in der Branche kursierenden Spekulationen, wonach Apple in den Markt für Fernseher einsteigen könnte. Isaacson zitiert Jobs mit den Worten, er würde gerne einen integrierten und „völlig leicht zu benutzenden“ Fernseher entwickeln.

Das Buch ist voll mit Seitenhieben auf die Konkurrenz: So redete sich Jobs gegenüber Isaacson in Rage, als er über den Internetkonzern Google und dessen Handy-Betriebssystem Android sprach. Nach Auffassung von Jobs ist Android ein Ideenklau: „Google, you fucking ripped off the iPhone“, sagte Jobs demnach. Den Softwarekonzern Microsoft nennt Jobs „heute größtenteils irrelevant“.

Jobs hat im Gespräch mit Isaacson zugegeben, dass er als Chef nicht einfach im Umgang ist, aber dass dies notwendig sei: „Es ist mein Job, ehrlich zu sein. Ich weiß, worüber ich spreche, und meistens habe ich am Ende recht.“ Jobs hat mit Isaacson auch über den Tod gesprochen. In der letzten Passage des Buches schreibt Isaacson darüber, dass Jobs hin- und hergerissen gewesen sei, ob er an Gott und an ein Leben nach dem Tod glaube oder nicht. Manchmal wolle er daran glauben, dass mit dem Tod nicht alles vorbei sei. Dann wieder denke er, dass der Tod vielleicht doch wie ein Ein-Aus-Schalter sei. „Vielleicht habe ich deswegen Schalter bei Apple-Produkten nie gemocht.“

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