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Audi Connect In die Weiten des Netzes

 ·  Unaufhaltsam dringt das Internet ins Auto. Neu: Connect aus Ingolstadt. Die Kommandozentrale bilden ein Drehsteller und ein großes Farbdisplay. Außerdem: Karussellmenü und Touchpad wie im Audi A8.

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© Michael Spehr Blick aufs Ziel von oben: Google Earth auf dem Navi-Display des Audi

Dass das Internet ins Auto einzieht, gilt nach der IAA als Selbstverständlichkeit. Telematikdienste, Verkehrsinformationen und die Notruffunktion E-Call sorgen dafür, dass spätestens von 2015 an jedes Neufahrzeug mit Mobilfunk und Internet ausgerüstet sein wird. Derzeit steht Wireless-Lan auf der Agenda aller Hersteller. Damit ist die Idee verbunden, eine ohnehin vorhandene Datenverbindung nutzbringend den Passagieren zur Verfügung zu stellen. Sie können mit Notebook, iPad oder Smartphone während der Fahrt surfen, Musik hören oder Videos sehen. Die Anbindung der Peripherie ist so einfach wie zu Hause am Router oder unterwegs im Internetcafé: W-Lan suchen, Kennwort eingeben, loslegen. Peugeot und Citroën setzen dazu auf eine W-Lan-Box in Verbindung mit einem UMTS-Stick. Das französische System wird mit einem Notebook konfiguriert, des wiederum mit einem Ethernet-Kabel an die Box im Handschuhfach andockt - eine Umstandskrämerei.

Für das neue "Audi Connect" mit UMTS-Modul, ausprobiert im A6, wird eine andere Technik verwendet. Der Netzzugang ist ein Baustein des MMI-Systems und fügt sich nahtlos in die vorhandene Architektur ein. Auf den ersten Blick ist MMI mit Audi Connect nicht von den bisherigen Anlagen zu unterscheiden: Der Drehsteller und das große Farbdisplay, das im A6 aus dem Armaturenbrett ausfährt, bilden die Kommandozentrale. Wie im A8 kommt ein opulentes farbiges Zweitdisplay zwischen Tachometer und Drehzahlmesser hinzu. Ferner hat man aus der Ingolstädter Oberklasse das Karussellmenü sowie das Touchpad übernommen. Es reagiert auf Fingerbewegungen, man malt einen Buchstaben nach dem anderen, und eine Handschrifterkennung wertet die Eingabe aus.

Mit Sim Access sämtliche Online-Dienste im Audi verfügbar

Audi Connect ist in den Tiefen der Menüs versteckt, und bevor man aus der Fülle der Möglichkeiten schöpft, muss man sich mit den Kommunikationsfähigkeiten seines Mobiltelefons beschäftigen. Im einfachsten Fall nutzt das Gerät das Bluetooth-Profil Sim Access, wie etwa einige Blackberrys, viele Nokias und sehr wenige Android-Smartphones. Das iPhone bleibt außen vor. Mit Sim Access sind sämtliche Online-Dienste im Audi verfügbar, und man kann über die Freisprechanlage telefonieren. In Verbindung mit einer Daten-Flatrate legt man quasi sofort los. Komplizierter wird das Ganze ohne Sim Access: In diesem Fall benötigt man eine zweite Sim-Karte, die in den Leseschacht von MMI eingesetzt wird. Die Lösung hat einen gewaltigen Haken: Das Telefonieren mit dem Freisprecher erfolgt dann unabdingbar über diese Sim-Karte. Das vorhandene Handy lässt sich zwar weiterhin über Bluetooth ankoppeln. Man kann auch die Musikwiedergabe über Bluetooth A2DP starten, aber nicht telefonieren. Wer sich darüber aufregt, sollte wissen, dass auch beim neuen Comand Online von Mercedes-Benz ähnliche Einschränkungen bestehen. Hier benötigt man ein Mobiltelefon mit dem Bluetooth-Dun-Protokoll für Online-Verbindungen.

Ist diese Hürde genommen, geht es an die Konfiguration der Datenverbindung. Im Unterschied zum Peugeot muss man so gut wie nichts manuell einstellen. MMI erkennt automatisch den Mobilfunkprovider, gibt den Zugangspunkt (APN) vor und setzt den netzseitigen Benutzernamen mitsamt Kennwort ein. Manuell einzugeben ist lediglich, ob ein Daten-Verbindungsaufbau automatisch oder auf Nachfrage erfolgen soll, ob Online-Verkehrsdaten empfangen werden, und es gibt ferner eine Roaming-Option sowie einen Verbrauchszähler. Diese Lösung weiß zu gefallen.

Alle Passagiere teilen sich einen Mobilfunkzugang

Der W-Lan-Hotspot ist ebenfalls kinderleicht eingerichtet. Es gibt keine Fummelei mit dem Notebook, man sollte lediglich das vorgegebene simple Kennwort "AudiAudi" ändern. Anschließend steht den Passagieren während der Fahrt ein W-Lan zur Verfügung. Mit der Haifischzahn-Antenne auf dem Dach ist die Anlage deutlich empfangsstärker als ein Smartphone im Innern, und wir hatten im Fahrbetrieb sehr ordentliche Durchsatzraten. Eine Messung ergab 5,8 MBit/s, mehr bietet auch mancher DSL-Anschluss zu Hause nicht.

Die Datenraten hängen natürlich maßgeblich von der Funkversorgung im mobilen Netz ab. Die ist bei Vodafone und der Telekom am besten. In den Ballungsgebieten hat man durchgängig ein flottes Tempo, und jenseits der großen Städte ist zumindest Edge mit bis zu 500 KBit/s verfügbar. Zu beachten ist auch, dass sich alle Passagiere den einen Mobilfunkzugang teilen. Wenn einer Videos lädt, bricht das Tempo für alle anderen deutlich ein. Kleine Unterbrechungen beim Zellenwechsel können zu Ruckeln beim Audio- oder Videostreaming führen. Geht es nur ums Surfen im Netz, um E-Mail oder andere Dienste, fallen die Aussetzer in der Regel nicht auf. Die Datenrate hängt im Übrigen nicht von der Geschwindigkeit des Fahrzeugs ab, auf der Autobahn bei hohem Tempo ist die Funkversorgung in der Regel besser als auf dem Land.

So gesehen waren wir mit dem W-Lan-Hotspot sehr zufrieden. Dazu kommen noch jene Dienste, von denen auch der Fahrer profitiert. In der Navi-Abteilung gibt es nun schöne dreidimensionale Stadt- und Landschaftsansichten, die von Google Earth geladen werden. Die Aufnahmen werden als einzelne Kacheln dynamisch nachgeladen, und ein zwei Gigabyte großer Cache (Zwischenspeicher) reduziert das Online-Volumen. Google Earth im Navi erfreut das Auge, bringt aber sonst nichts. Wichtiger sind die Premium-Verkehrsinformationen, die ein kleiner Anbieter namens Inrix zusammenstellt. Im Unterschied zu den (ebenfalls verfügbaren) Meldungen von TMC und TMC Pro sind sie nicht auf die Autobahnen und Hauptverkehrsstraßen beschränkt, sondern auch für Innenstädte verfügbar. In Frankfurt sahen wir etliche Störungen im Stadtgebiet, aber selbst manche Baustelle auf dem Land wurde richtig angezeigt. Bei Bedarf werden die erfassten Straßen mit Staumeldungen farblich markiert, man sieht also genau, wie weit das Auge von Inrix reicht. Ein abschließendes Urteil über die Güte der Daten kann man nach zweiwöchiger Erprobung noch nicht abgeben. Unsere Eindrücke reichen von "sehr ordentlich" bis "sehr ärgerlich". Die Infos sind deutlich besser als die von TMC und TMC Pro, aber sie erreichen nicht die Qualität der Tom-Tom-Daten.

Die Erkennungsrate ist großartig

In einem Mini-Browser zeigt Audi Connect (auch während der Fahrt) weitere Reiseinformationen, den Wetterbericht sowie Nachrichten in komprimierter Form. Sinnvoller sind unseres Erachtens die W-Lan-Anbindung von Musikspielern und die Google-Suche für Sonderziele am Standort, Zielort oder in einem Umkreis. Hier findet man beispielsweise über den Suchmaschinen-Betreiber den Namen, die Adresse und vielleicht sogar die Telefonnummer des Steuerberaters oder Arztes, die allesamt nicht im klassischen Kartenmaterial der Navi-Hersteller verzeichnet sind. Weil eine sprecherunabhängige Spracherkennung an solchen Herausforderungen scheitern würde, springt das Touchpad ein. Man malt einen Buchstaben nach dem anderen auf der Fläche, das Erkannte wird noch einmal vom System leise vorgesprochen. Die Erkennungsrate ist großartig. Das Ganze geht deutlich schneller als die Buchstabenauswahl über den Controller mit entsetzlich vielen Drehbewegungen, und wenn man das Prinzip verstanden hat, kann man während der Fahrt fröhlich vor sich hinschreiben, ohne auch nur einmal den Blick von der Straße nehmen zu müssen. Dass man die Fundstellen sofort in die Routenführung übernehmen kann, ist klar, und angezeigte Telefonnummern lassen sich direkt aus der Trefferliste heraus anrufen.

Alles in allem hat Audi ein gelungenes Paket zusammengestellt. Die nächste Stufe sind weitere Apps, die entweder auf Servern im Internet oder auf dem Smartphone im Auto laufen sollen. Wir warten jetzt auf E-Mail, Facebook und Twitter.

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Jahrgang 1964, Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

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