05.08.2008 · Den nimmt man gern mit auf Reisen, der ist kein Ballast: Nach der Schrumpfkur passt das Mini-Notebook im Format eines Buches auch in die Damenhandtasche. Der neue Eee PC 901 von Asus mit Windows XP, Bluetooth und Webcam.
Von Michael SpehrSie gehen weg wie warme Semmeln, die besonders günstigen Subnotebooks in der Preisklasse von um die 400 Euro. Das taiwanische Unternehmen Asus war mit seinem Eee PC der Pionier, und nun folgen alle anderen Notebookhersteller. Was macht die Faszination dieser kleinen Geräte aus? An erster Stelle die Bauform: Ein Mini-PC im Format eines Buchs, der mühelos in eine etwas größere Damenhandtasche passt, erweckt sofort Aufmerksamkeit. Keine Frage, den nimmt man gern mit auf Reisen, der ist kein Ballast. Und im Unterschied zu einem Smartphone mit Tastatur muss man sich nicht umstellen, sondern arbeitet mit dem gewohnten Windows XP weiter.
Internetseiten oder Excel-Tabellen werden größer und besser als auf jedem Taschencomputer dargestellt, die lästige Konvertierung von Dateien entfällt, und dank USB lässt sich zusätzliche Hardware nutzen. Mit Wireless Lan holt man sich die neue E-Mail am „Hotspot“ statt über eine teure Mobilfunkverbindung. Aber nicht nur als Reisebegleiter sind die Zwergrechner erfolgreich. Sie bewähren sich zudem als Zweitgerät fürs bequeme Sofa-Surfen, und da sich so viel ins Internet verlagert hat, braucht man auf einem solchen Mini keine opulente Software, sondern meist nur den Firefox als Internet-Browser. So ist bezeichnenderweise von Netbooks die Rede. Noch vor einem Jahr lagen die Preise für besonders kleine Business-Notebooks bei 2000 Euro und mehr. Die neue Generation der Netbooks ist allerdings bei weitem nicht so leistungsfähig, schlechter verarbeitet und in Sachen Tastatur ein Kompromiss. Aber der Preis macht’s.
Wirklich ein Schnuckelchen
Asus bereichert nun seine Produktpalette um die Modelle Eee PC 901, 904 und 1000, und wir haben den Eee PC 901 einige Zeit ausprobiert. Im Unterschied zum 900er, der vor einigen Wochen auf den Markt kam, arbeitet hier ein stromsparender Atom-Prozessor mit 1,6 Gigahertz. Gegenüber dem angekündigten Modell 1000 fehlt indes die mechanische Festplatte. Vielmehr sind 11 Gigabyte Flash-Speicher in der Windows-XP- und 20 Gigabyte in der Linux-Variante im Einsatz. Der ebenfalls noch nicht lieferbare 904 entspricht dem alten 900er mit Celeron-Prozessor, kommt aber im Gehäuse des 1000er mit dem größeren 10-Zoll-Display. Alle anderen Modelle haben eine Bildschirmdiagonale von 8,9 Zoll (22,6 Zentimeter).
Mit seinen Maßen von 17,5×2,3×3,5 Zentimeter und einem Gewicht von 1,1 Kilogramm ist der Eee PC 901 wirklich ein Schnuckelchen, dankenswerterweise ist auch das Netzteil klein und reisetauglich. Der neue Eee PC sieht überhaupt nicht nach billig aus, und die mechanische Verarbeitungsqualität ist ganz in Ordnung. An den Anschlüssen wurde ebenfalls nicht gespart: Nicht nur dreimal USB sind an Bord, sondern auch ein Laufwerksschacht für SD-Speicherkarten, ein Ethernet-Anschluss und ein analoger Monitorausgang. Sogar eine Web-Kamera mit 1,3 Megapixel ist eingebaut. Es fehlt allerdings ein optisches Laufwerk. Das Flash-Laufwerk ist zweigeteilt: Auf der ersten Partition mit Windows XP sind 2 Gigabyte belegt und anderthalb frei, die zweite bietet 7,5 Gigabyte.
Wäre da nicht ein dicker Minuspunkt
Ein Gigabyte Arbeitsspeicher in einem Dimm-Slot kommen dazu. Für einen Unterwegs-Rechner ist das allemal ausreichend, und weil neben Wireless-Lan auch Bluetooth parat steht, macht man hinsichtlich der Ausstattung eigentlich kaum Kompromisse. Das Display mit einer maximalen Auflösung von 1024×600 Pixel ist für E-Mail, Internet und Word-Dokumente hinnehmbar, gut ablesbar und gleichmäßig ausgeleuchtet. Mit einer der vier Schnellzugriffstasten unterhalb der Anzeige lässt sich die Auflösung heruntersetzen oder mit einem virtuellen Bildschirm auf 1024×768 Pixel erhöhen. Dank Atom-Prozessor läuft der Asus bei Standardaufgaben durchaus flink, und der Akku hält bis zu fünf Stunden durch, herzlichen Glückwunsch an die Entwickler.
So gesehen ist dieser Eee PC deutlich besser als seine Vorgängermodelle und der Umstieg auf Atom ein Gewinn. Wir würden das Gerätchen für 380 Euro kaufen (es ist von August an im Handel), wäre da nicht ein dicker Minuspunkt: die Tastatur und das Trackpad als Mausersatz bewähren sich zumindest für längere Schreibaufgaben nicht. Die Tasten sind sehr klein und liegen dicht aneinander. Wer mit zehn Fingern schreibt, kommt nur schwer zurecht. Noch schlimmer ist das Trackpad zur Cursorsteuerung. Es reagiert alles andere als präzise, und die beiden Tasten muss man für jede Aktion sehr fest drücken. So bleibt also vor allem eine Empfehlung: Wer mit einem solchen Mini liebäugelt, sollte das Gerät der Wahl vorab beim Fachhändler inspizieren. Neben Asus kommen demnächst auch MSI, Acer, Dell und Hewlett Packard mit weiteren attraktiven Kleinstrechnern auf den Markt.