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Veröffentlicht: 14.03.2017, 13:16 Uhr

Apps Katwarn und Nina Warnung: Sie werden nicht gewarnt


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Von der amtlichen App Nina hat man bisher noch nicht viel gehört, abgesehen davon, dass Menschen in München nachts von ihr geweckt wurden, als in Düsseldorf eine Bombenentschärfung stattfand. Die Standortermittlung arbeitet bei Nina erst seit dem Sommer vergangenen Jahres. Nina und Katwarn erreichen nur einige hunderttausend Menschen, als flächendeckendes umfassendes Warnsystem eignen sie sich nicht.

Beiden Apps ist ferner gemeinsam, dass ihre Systemarchitektur einer großen Krise nicht gewachsen ist. Wenn Katwarn davon spricht, dass man Kapazitäten erweitern wolle, wird das Problem subtil nur angedeutet. Ein effektives und leistungsfähiges Warnsystem, das selbst bei der größten Katastrophe sicher, stabil und schnell arbeitet, müsste direkt im Betriebssystem aller Smartphones und Handys sowie in den Protokollen des Mobilfunks verankert sein. Proprietäre Lösungen, die auf individuell programmierte Apps und privat betriebene Infrastruktur setzen, sind nicht geeignet, gleichzeitig Millionen von Menschen zu alarmieren und anschließend fortwährend zu informieren.

Sinnigerweise hat es solche Überlegungen schon beim Design des digitalen GSM-Mobilfunksystems gegeben. Die entsprechende Funktion heißt Cell Broadcast und bedeutet, dass jedes in einer Funkzelle eingebuchte Gerät Textnachrichten automatisch empfängt. Die Nachrichten werden also wie das Radioprogramm ausgestrahlt und nicht an einzelne Teilnehmer versendet. Cell Broadcast wird zudem automatisch neu gesendet, so dass niemand eine Meldung verpasst, wenn er sich in einem Funkloch befindet. Früher konnte jedes Handy die Cell-Broadcast-Nachrichten empfangen, in den heutigen UMTS- und LTE-Netzen ist die Funktion jedoch nicht mehr implementiert.

Bilder und Multimediales lassen sich nicht mitsenden

In den Vereinigten Staaten gibt es ein ähnliches System seit 2012. Mit den Wireless Emergency Alerts werden Warnmeldungen als SMS an alle Geräte in einer Funkzelle geschickt, darunter nicht nur Gefahrenmeldungen, sondern neuerdings auch erstmals ein Fahndungsaufruf. Die Meldungen bestehen aus maximal 90 Zeichen. Bilder und Multimediales lassen sich nicht mitsenden. „Nichts ist gruseliger, als wenn alle Handys in einer vollen U-Bahn losgehen, um auf einen gesuchten Straftäter hinzuweisen“, kritisierte die Journalistin Loren Gush den Fahndungsaufruf vom September 2016, und sie stand mit der Meinung nicht allein. In den vergangenen fünf Jahren wurden 21 000 Warnmeldungen über das System abgesetzt.

Der Fahndungsaufruf im vergangenen Jahr war eine Premiere. Denn es gibt eigentlich nur drei Szenarien für Wireless Emergency Alerts: Amber-Warnungen, wenn Kinder entführt werden. Ferner Hinweise auf Bedrohungen der öffentlichen Sicherheit, Unwetter, Naturkatastrophen. Diese beiden Benachrichtigungstypen lassen sich auf dem Smartphone manuell deaktivieren. Ferner kann der amerikanische Präsident Push-Nachrichten senden und vor Notfällen warnen. Die Botschaft aus dem Weißen Haus ist nicht abschaltbar – und wurde noch nie ausgestrahlt.

Die Tendenz geht indes dahin, dass immer mehr Warnmeldungen von den amerikanischen Behörden über diesen Kanal ausgestrahlt werden. Es führt dazu, dass die Nachrichten ignoriert werden, wie eine Studie der University of Maryland belegt. In Deutschland würde wohl Ähnliches passieren. Man denke nur an die regelmäßigen Radio-Warnungen vor dem Spanngurt auf der Autobahn. Behörden scheint es immanent zu sein, sich mit Nichtigkeiten wichtig zu machen. So gesehen, ist zu überlegen, ob ein Smartphone-Warnsystem wirklich erstrebenswert ist.

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