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Apps für iPhone und Android Reden ohne hohe SMS-Gebühren

 ·  SMS-Versand ohne Gebühren? Kein Problem mit Chat- oder Messenger-Systemen. Es fallen nur geringfügige Datengebühren an. Die Botschaften lassen sich unentgeltlich verschicken. Zwei Beispiele für Nachrichtenversand mit Apps fürs iPhone und Android.

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Man frage einen 14 Jahre alten Jugendlichen, wofür er in erster Linie sein Taschengeld ausgibt: fürs Handy natürlich. Und was am teuersten ist: die SMS-Kurznachrichten, von denen er jeden Tag einige Dutzend schreibt. Zu Preisen zwischen 8 und 19 Cent für eine Mitteilung kommen schnell monatliche Gesamtkosten im dreistelligen Bereich zustande. SMS im Mobilfunk sind viel zu teuer. Wenn man die geringe Datenmenge für jede Kurznachricht in einen Kilobyte-Preis umrechnet, kommen abenteuerliche Summen (und Einnahmen für die Netzbetreiber) dabei heraus.

Die gute Nachricht für Eltern: Es gibt durchaus andere Möglichkeiten, nämlich Chat- oder Messenger-Systeme. Hier fallen nur geringfügige Datengebühren an, die einzelnen Nachrichten lassen sich unentgeltlich verschicken. Einige Systeme kommen aus der PC-Welt, etwa ICQ, Windows Live oder der AOL Instant Messenger AIM. Die entsprechende Software lief zunächst am Computer und ist mittlerweile für alle gängigen Handy-Betriebssysteme verfügbar. Man kann also vom Handy aus sogar mit jenen Freunden plaudern, die zu Hause am PC sitzen. Indes wird das „Chatten“ am Smartphone immer einfacher. Die meisten Geräte bieten eine virtuelle Tastatur, die sehr schnelle Texteingaben erlaubt - oder sogar eine Spracherkennung.

Wir haben zwei interessante Programme für Apples iOS und Android ausprobiert, Kik und WhatsApp. Letzteres ist die ältere „App“, sie läuft auch auf dem Blackberry und in einer Beta-Version auf Geräten mit Symbian S60, dem Nokia-Betriebssystem. WhatsApp kostet 79 Cent in der iPhone-Variante und steht für Android gratis zur Verfügung.

Nach der Installation benötigt man keinen Nutzernamen, sondern wird vielmehr mit einer SMS und seiner eigenen Rufnummer registriert. Der Vorteil: Die Kontaktaufnahme mit anderen WhatsApp-Nutzern ist einfach. Und mit einem Rufnummernabgleich des eigenen Telefonbuchs sieht man sofort, wer ebenfalls WhatsApp installiert hat. Man muss sich also für den Chat nicht an- und abmelden und benötigt keine neue Kontaktliste.

Sie funktionieren nicht immer zuverlässig

Auf dem iPhone verwendet WhatsApp die Push-Notifications beim Eingang neuer Nachrichten. Sie funktionieren zwar nicht immer zuverlässig, bisweilen verzögert sich die Zustellung um mehrere Minuten. Aber Apples Push-System hat den unbestrittenen Vorteil, dass es den Akku des Smartphones deutlich weniger beansprucht als der „always on“-Betrieb von Android mit seinem durchgehenden Multitasking. Hier erscheinen neue Nachrichten in der oberen Menüzeile. Und zwar umgehend.

WhatsApp befriedigt zudem viele Aspekte des jugendlichen Spieltriebs. Man kann nicht nur mit Textnachrichten plaudern, sondern auch Fotos, Videos, Sprachnotizen oder Kontaktdetails an die flinken Direktnachrichten anhängen sowie den eigenen geographischen Standort senden. Ferner lässt sich der derzeitige Status für alle sichtbar einblenden. Etwa „Bitte nicht stören“. Mit zwei grünen Häkchen neben einer Nachricht sieht man, dass sie an das Telefon des Gegenübers gesendet wurde. WhatsApp ist sehr populär. Wir haben während des mehrwöchigen Testbetriebs gesehen, dass quasi jeden Tag neue Kontakte in unserer Favoritenliste standen. Auf ein kleines Problem sei allerdings hingewiesen: Wer mehrere Smartphones gleichzeitig im Einsatz hat, bekommt gegebenenfalls eine Fehlermeldung im Wechsel von einem zum anderen Gerät.

Seit Oktober drei Millionen Mitglieder gewonnen

Kik ist ganz neu auf dem Markt und aus dem Stand heraus sehr erfolgreich. Das bekannte amerikanische Technikblog „Mashable“ hat Kik auf seine Liste der „10 Apps, die man 2011 beobachten sollte“ gesetzt. Seit dem Start im Oktober hat das kleine Unternehmen drei Millionen Mitglieder gewonnen. Es wird von Blackberry-Hersteller RIM wegen angeblicher Patentverletzungen verklagt. Kik läuft unter Apples iOS und Android, es steht gratis parat. Im Unterschied zu WhatsApp werden andere Kontakte mit vorhandenem Kik nicht über die Mobilfunknummer, sondern über die E-Mail-Adresse identifiziert. Man wählt einen Kik-Benutzernamen und kann Kik-Freunde über deren Benutzernamen oder über einen Adressbuchabgleich hinzufügen.

Die kleine App dient derzeit nur dem Text-Chat, es gibt keine weiteren Extras. Allerdings zeigt die Software, und das ist ihre Besonderheit, ob eine Nachricht zugestellt und gelesen wurde. Ferner sieht man, ob das Gegenüber gerade tippt. Wie WhatsApp verwendet Kik auf dem iPhone die Push-Notifications und ist unter Android permanent im Hintergrundbetrieb online.

Beide Programme können wir empfehlen. Nur sollte man vorher einen Blick auf seinen Handy-Vertrag werfen. Wer mit dem Smartphone jenseits der eigenen vier Wände und des heimischen W-Lan chattet, verursacht in den Mobilfunknetzen Datenkosten. Zwar ist das Volumen für ein paar Sätze denkbar klein. Aber bei Verträgen mit zweijähriger Laufzeit kann das Ganze doch ins Geld gehen. Hier ist ratsam, zusätzlich ein festes Datenvolumen zu buchen, das beispielsweise für 200 bis 300 Megabyte im Monat um die zehn Euro kostet. Günstiger sind Prepaid-Angebote, etwa von Simyo. Dieser Anbieter verlangt nur 24 Cent für ein Megabyte - und zwar ohne Zusatzvertrag und feste Bindung. Ein Megabyte reicht für Tausende von WhatsApp- oder Kik-Mitteilungen, dem unbeschwerten Plaudern steht damit nichts mehr entgegen.

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Jahrgang 1964, Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.