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Aktualisiert: 24.05.2017, 11:36 Uhr

Apple Watch und Garmin Fenix Die Tücken des Trackers

Wenn die Sportuhr nicht richtig tickt, kann es an der Technik liegen. Einige Probleme tauchen immer wieder auf.

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© Getty Stimmen Zeit, Strecke und Standort? Eine Läuferin prüft kritisch ihren Fitness-Tracker

Neulich beim Staufenlauf: 11 Kilometer geht es zwischen Kelkheim und Eppstein den Berg hinauf und wieder herunter, und wir beobachten den Fortschritt mit gleich zwei Sportuhren, eine am linken Armgelenk, die andere am rechten. Smarte Armbanduhren und Fitness-Tracker sollen ihre Besitzer motivieren, sich mehr zu bewegen und regelmäßig Sport zu treiben. Sie erfassen die zurückgelegten Schritte sowie weitere sportliche Aktivitäten, zeigen Entwicklungslinien und Trends oder erlauben ein virtuelles Kräftemessen mit anderen Aktiven.

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Auch das Smartphone eignet sich hervorragend als Fitness-Tracker. Jedes gängige Gerät kann beim Joggen oder Spazierengehen die Trainingszeiten oder zurückgelegten Strecken mitsamt Angaben zur Geschwindigkeit erfassen. Das ist dank GPS-Anbindung keine Hexerei. Ein iPhone und viele Androiden haben sogar einen eigenen Prozessor fürs Zählen von Schritten und Treppenstufen eingebaut. Mit zusätzlicher Hardware wie beispielsweise einem Brustgurt zur Messung der Herzfrequenz und entsprechenden Apps kann man sein Training detailliert auswerten.

46560292 Leider falsch: Die gerade Linie ist von der Garmin Fenix 5x nur interpoliert. © Spehr Bilderstrecke 

Aber die Tücke liegt bisweilen im Detail. Während des Staufenlaufs versagt die Herzfrequenzmessung der Apple Watch 2 immer wieder. Sie zeigt nichts Falsches an, sondern keinen Wert. Ein bekanntes Problem. Die Fenix 5X von Garmin am rechten Handgelenk macht es besser. Jedoch ist die GPS-Aufzeichnung der zurückgelegten Strecke mangelhaft: Die Karte zeigt eine schnurgerade Linie zwischen zwei Aussetzern. Die Laufstrecke ist damit ebenfalls falsch, zwei Kilometer zu wenig, und dann stimmt folglich die Rundenzeit nicht. Ähnliches hatten wir erst tags zuvor mit der Garmin beim Joggen in Frankfurt festgestellt. Demnach sind wir angeblich auf der vierspurigen Europa-Allee von einer Straßenseite zur anderen geradezu getorkelt. Und das GPS-Tracking setzt erst Minuten nach dem Start ein.

Sportuhren haben ihre Grenzen

Was läuft hier schief, wenn der Sportler schief läuft? Ein Blick auf die Funktionsweise von Fitness-Trackern und Sportuhren zeigt ihre Grenzen. Denn weder die Apple Watch noch die Garmin waren defekt. Alle Geräte verwenden drei Basistechniken. Auf der untersten Ebene geht es um den Alltag. Die besonders günstigen Fitness-Armbänder wollen dazu motivieren, mehr spazieren zu gehen, öfter mal im Büro aufzustehen, den längeren Weg zu nehmen und sich insgesamt mehr zu bewegen. Dazu beobachten sie fortwährend sämtliche Aktivitäten. Rund um die Uhr und sogar während des Schlafs wird jede Bewegung des Geräteträgers erfasst. Wie viele Schritte legt man am Tag zurück, wie hoch ist der Grundumsatz?

Daten werden erhoben, in einer App oder in der Cloudwolke des Internets gespeichert, Werkzeuge zur Auswertung bereitgestellt, und es gibt sogar virtuelle Medaillen, wenn bestimmte Ziele erreicht sind. Es geht also nicht um sportliche Einzelleistungen, sondern um die stetige Bewegung im Alltag. Solche Armbänder und Tracker sind quasi eine moderne Variante des klassischen Schrittzählers. Das Smartphone nutzen sie nur zum Datenabgleich.

Datenberechnung nicht jederzeit verlässlich

Die Datenaufzeichnung erfolgt autonom mit dreiachsigen Beschleunigungssensoren. Das sind winzige Mikroprozessor-Module, die bis zu 1500 Mal pro Sekunde Beschleunigungs-Messdaten erheben. Die Module sind ein günstiges Massenprodukt, sie kommen bei der Steuerung von Videospielen ebenso zum Einsatz wie im Airbag des Autos.

Der Kniff ist allein das Herausrechnen valider Bewegungsinformationen aus der Fülle der Sensordaten. Wurde der Arm beim Tippen am Computer bewegt oder während des Joggens? Es kommt also auf die Algorithmen an. Die Interpretation der Messwerte ist das große Geheimnis der Hersteller. Wenn das Armband falsche Werte liefert, hat die Software versagt. Auch lässt sich diese bisweilen täuschen, wenn etwa ein rhythmisches Klopfen des Armbandträgers auf den Tisch als Joggen interpretiert wird. Daten und Fitness-Berechnungen solch einfacher Geräte sind also von vornherein nicht jederzeit verlässlich.

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