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Apple Der Leopard hat Hunger auf Windows

09.01.2008 ·  2008 wird ein Apple-Jahr: Die neuen Computer sind elegant wie nie. Das aktuelle Betriebssystem Mac OS X „Leopard“ ist besser als Windows Vista von Microsoft. Dazu kommt ein weiterer Pluspunkt: Auf den Apple-Maschinen mit Intel-Prozessoren läuft Windows einwandfrei.

Von Peter Thomas
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Von Windows zu Apple zu wechseln war noch nie so einfach wie heute - dank Mac OS X v10.5. Diese jüngste Generation des aktuellen Apple-Betriebssystems wurde im Spätherbst 2007 unter dem Namen Leopard ausgeliefert. Dazu gehört unter anderem die Serienversion von Boot Camp. Diese Software erlaubt voll funktionsfähige Windows-Installationen auf Apple-Rechnern mit Intel-Prozessoren. Nach der Veröffentlichung der ersten Beta-Version im Frühjahr 2006 verbreitete sich Boot Camp schnell. Das lockte PC-Nutzer zum Wechsel des Betriebssystems, kurbelte den Verkauf von Macintosh-Computern an und animierte schließlich Programmierer zur Entwicklung von virtuellen Windows-Maschinen für OS X.

Die bekannteste Lösung dieser Art dürfte Parallels Desktop sein. Auf unserem eigenen iMac läuft dagegen VMware Fusion - und das so flüssig, dass Windows XP fast nie über einen Neustart des Rechners gebootet werden muss. Beide Programme kosten knapp 80 Euro. Dass Windows sowieso nur selten zum Einsatz kommt, ist einer anderen Schnittmenge von Apple und Microsoft zu verdanken: Word und Excel aus dem Softwarepaket Office:mac 2004 (379 Euro) sind in unserem Büroalltag Standardanwendungen. Apple bietet zwar in der deutlich günstigeren Software-Suite iWork (79 Euro) mit Pages und Numbers gute Alternativen. Letztlich hat aber der reibungslose Zugriff mit Office von Computern beider Betriebssysteme auf einen gemeinsamen Datenbestand den Ausschlag gegeben für Word und Co.

Es war ein langer Weg bis zum Mac

Herrscht also Frieden im Krieg der Welten, den die Anhänger von Mac und Microsoft lange Jahre zumindest verbal führten? Es ist wohl ein Fall von Waffenruhe. Denn noch immer konvertieren viele Nutzer frustriert vom PC zu Macintosh, weil sie den Kampf mit den Tücken des Systems endlich leid sind. Kühle Köpfe halten dagegen, dass Microsofts Betriebssystem schließlich auf Computern ganz verschiedener Hersteller laufen müsse. Da sei eine so reibungslose Abstimmung wie bei den teureren Macs also gar nicht möglich. Das sind schöne und richtige Argumente, sie helfen aber keinem PC-Nutzer, der am Freitagabend schnell mal eine neue Windows-Vollversion auf das Notebook aufspielt und das restliche Wochenende mit der Suche nach fehlenden Treibern und anderer Feinarbeit verbringt.

Außerdem ist neben Leistung und durchdachten Arbeitsabläufen auch das Design ein Kriterium für die Auswahl des ubiquitären Werkzeugs Computer. Die gängigen Rechenkisten der Großserie hätten wir uns jedenfalls nicht an so prominenter Position ins Büro stellen wollen wie den neuen iMac mit seinem Alugehäuse. Der Mac sieht zwar kühl und technisch aus, verträgt sich dennoch erstaunlich gut mit Möbeln und Büchern.

Unser Weg zum Mac ist eine Reise in kleinen Schritten gewesen. Am Anfang stand der Erwerb eines iPod, der über iTunes auf dem PC mit Musik gefüttert wurde. Dann stand der Kauf eines neuen W-Lan-Routers an, und die neue Airport Extreme (179 Euro) kam auf den Schreibtisch. Der Kasten im Design des Mac Mini sorgt heute über Kabel (Gigabit Ethernet) oder drahtlos (802.11n) für die Anbindung von PC und Mac ans Netzwerk. Zugleich dient die Airport Extreme auch als zentrale Steuerung für Drucker und Festplatten. Auf diese Geräte, über USB an den Router angeschlossen, können mehrere Computer gleichzeitig zugreifen.

Hier werden große Töne gespuckt

Nach zwei guten Erfahrungen mit Apple-Produkten ist schließlich im Spätsommer die Entscheidung für den ersten eigenen iMac gefallen. Da Bildbearbeitung einen Großteil der Arbeitszeit einnimmt, soll es ein Gerät der neuen Generation sein: mit 24-Zoll-Bildschirm, dem 2,8 GHz Intel Core 2 Extreme-Prozessor und vier Gigabyte Arbeitsspeicher. Dazu kommt die angenehm kleine kabellose Tastatur und die passende Mighty Mouse.

Für den eigentlichen Umstieg sind zwei Wochen paritätischen Parallelbetriebes von Mac und PC eingeplant. Doch dazu kommt es gar nicht mehr. Während noch der Windows-Rechner den aktuellen Datenbestand auf die Netzwerkplatte kopiert, geht es ans Auspacken des fein gestalteten Apple-Pakets. Darin: der Rechner, das Zubehör, ein schmales Büchlein mit dem Titel „Alles Mac“ und ein ebenso schmaler Umschlag „Alles andere“.

Große Töne, denkt der frischgebackene Mac-Nutzer. Aber tatsächlich ist die Maschine nach einer guten Stunde voll betriebsbereit samt frisch aufgespielter Office-Suite, Software für die Bildbearbeitung, Firefox-Browser und dem Mail-Programm Thunderbird. Zu diesem bilderbuchschnellen Start in das Mac-Universum trägt allerdings auch bei, dass die Netzwerk-Umgebung mit Apple-Hardware samt zentralem Drucker und Festplatten bereits eingerichtet ist. Hier verlangt der iMac nur noch einen Klick mit der Maus, um sich in die bestehende Konfiguration einzuklinken.

Einfaches Partitionieren dank Leopard

Der unerwartet problemfreie Wechsel zum Betriebssystem Tiger (OS X v10.4) macht dann doch etwas faul: An den alten Textdateien lässt sich ja mit Microsoft Office nahtlos weiterarbeiten. Browser und Mail-Software greifen ebenfalls ohne Zögern auf die vom PC kopierten Daten zu. Und die Bildbearbeitung läuft sowieso komplett auf dem Mac. Also verschieben wir die Windows-Installation auf einen passenderen Zeitpunkt. Der kommt mit der neuen Version von OS X. Denn Leopard bringt nicht nur Boot Camp mit, sondern macht auch die Einrichtung der Windows-Partition sehr viel einfacher als frühere Apple-Betriebssysteme.

Ein wirklich genialer Kniff ist zum Beispiel die Option, zusätzliche Partitionen auf einer Festplatte einzurichten, ohne den bestehenden Datenbestand anzugreifen. Das funktioniert über das von der DVD gestartete Festplatten-Dienstprogramm bereits vor einer Installation. Wir schaffen auf diese Weise kurzerhand Platz für zwei neue Partitionen auf dem 500 Gigabyte großen Magnetspeicher des iMac. Auf eine davon wird - als Basis für das Update auf Leopard - das bestehende Volumen mit der Tiger-Installation kopiert. Die zweite Partition bleibt leer, sie soll Windows aufnehmen.

Ein vertrauter Moment für PC-Nutzer

Das Leopard-Update läuft auch ganz unkompliziert ab. Nur der Boot-Camp-Assistent weigert sich, die eigens eingerichtete Windows-Partition für die Installation von XP neu zu formatieren: Festplatten mit mehreren Partitionen beherrscht das Hilfsprogramm offenbar nicht. Aber Windows lässt sich auch ganz ohne Hilfsmittel auf dem Mac installieren. Dazu wird der Rechner bei gedrückter Alt-Taste neu gestartet. Anschließend präsentieren sich die beiden Apple-Installationen und die Windows-DVD als Auswahl zum Booten. Spätestens an diesem Punkt müssen eine USB-Maus und die entsprechende Tastatur an den Mac angeschlossen werden, denn die Bluetooth-Geräte erkennt Windows später während der Installation nicht.

Nach der Auswahl von Windows XP schreibt der Mac das Microsoft-Betriebssystem dann brav auf seine Festplatte. Deren Partition bringt XP vorher selbst ins NTFS-Format - auch ohne Assistenten. Im Anschluss startet der Rechner automatisch neu unter Windows, und das Microsoft-Fenstersymbol leuchtet groß auf dem Apple-Bildschirm: vertraut für PC-Nutzer, ein kurzer Schreckmoment für viele Mac-Anhänger. Damit sich die beiden Betriebssysteme künftig auch wirklich verstehen, kommt zum Abschluss noch einmal die OS-X-DVD in den Rechner. Von der Scheibe schreibt Boot Camp alle fehlenden Treiber in die Windows-Installation.

Wer nur sehr selten einmal auf die Microsoft-Umgebung zurückgreifen will, ist mit diesem Schritt am Ende eines kurzen, erfolgreichen Weges. Eine noch elegantere Lösung aber ist der Betrieb von Windows in einer virtuellen Maschine wie VMware Fusion. Dabei wird das fremde Betriebssystem in einem eigenen Fenster auf dem Mac-Bildschirm angezeigt. Dem Nutzer erleichtert die virtuelle Maschine den Datenaustausch zwischen Mac und Windows. Vor allem aber kann der Leopard nun ohne Neustart fensterln gehen.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 06.01.2008, Nr. 1 / Seite V8
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