22.08.2010 · Seit Microsoft Windows 7 feiert der Systemstreit in der Fangemeinde wieder fröhliche Urständ. Wer heute an den Umstieg zu Mac denkt, dem liefert Apple mit den neuen iMacs gute Gründe.
Von Michael Spehr und Peter ThomasApple hat seine Desktop-Computer schneller und stärker gemacht. Äußerlich haben sich iMac und Mac Pro zwar kaum verändert, dafür ist ihre Leistung jetzt noch besser auf die Möglichkeiten des für 64-Bit-Software ausgelegten Betriebssystems OS X 10.6 (Snow Leopard) abgestimmt. Für die meisten Privatanwender wird von beiden Geräten vor allem der iMac interessant sein, bei dem Rechner und Bildschirm in einem einzigen schlanken Gehäuse untergebracht sind.
Der neue iMac ist mit 21,5 Zoll und mit 27 Zoll Bildschirmdiagonale erhältlich. Die kleinere Ausführung arbeitet mit dem Core-i3-Prozessor von Intel, wahlweise auf 3,06 oder 3,2 Gigahertz getaktet. Im 27-Zoll-Topmodell kommt dagegen der Quad-Core Core i5 zum Einsatz. Alle iMacs bringen von Hause aus 4 Gigabyte Arbeitsspeicher mit, erweiterbar sind sie auf bis zu 16 Gigabyte, und die Module sind besonders schnell (1333 Megahertz DDR3).
Ein optisches Laufwerk (8-faches Arbeitstempo) gehört ebenso zur Serienausstattung wie die Mini-Kamera am oberen Gehäuserand; Mikrofon und integrierte Stereo-Lautsprecher, Wireless Lan und Bluetooth sind ebenfalls an Bord. Drei verschiedene Grafikkarten von ATI stehen parat, im günstigsten iMac ist die Radeon HD 4670 mit 256 Megabyte Speicher eingebaut, im teuersten die Radeon HD 5750 mit 1 Gigabyte.
Die urbane Legende des völlig resistenten Mac
Stehen die Zeichen also auf „Kaufen?“ Wer heute an den Umstieg von Windows zu Mac denkt, dem liefert Apple mit den neuen iMacs jedenfalls gute Gründe für diese Entscheidung. Einfacher war es jedenfalls nie, von der Windows-Welt zu Mac zu wechseln. Das macht Daniel Mandl in seinem voluminösen Band „Das Grundlagenbuch zu Mac OS X 10.6 Snow Leopard“ deutlich (Mandl&Schwarz, erschienen 2010, 560 Seiten, 34,80 Euro).
Zwar überzeugt der Mac noch immer mit Bedienerfreundlichkeit und Zuverlässigkeit, aber schnell vermisst man doch wichtige Details aus der Windows-Welt: Ein Bluray-Laufwerk und einen E-Sata-Anschluss für externe Festplatten hat Apple grundsätzlich nicht im Angebot.
Wobei an dieser Stelle ferner mit der urbanen Legende aufgeräumt werden sollte, dass ein Mac völlig resistent gegen Schadsoftware, Abstürze und Inkompatibiltäten ist. Auch hier wird ein Virenschutzprogramm gute Dienste leisten. Und das Menü „sofort beenden“ ist ja genau darauf ausgerichtet, Programme zu schließen, die sich aufgehängt haben. Richtig ist aber, dass das Viren- und Trojanerrisiko für OS X selbst noch immer sehr klein ist (Virensoftware dient denn auch vor allem dem Schutz von Windows-Systemen beim Datenaustausch).
Innovationen, die man gern aufnimmt
Manchmal bedeutet das Arbeiten mit Computern von Apple auch, in den sauren Apfel beißen zu müssen. Dann nämlich, wenn der Konzern aus Cupertino seinen Kunden wieder einmal eine technische Innovation aufdrängt, die sich dem Nutzer so zunächst nicht ganz erschließt. Das war schon bei unserem ersten iMac so, der bald 12 Jahre alt wird. Dieses Modell war damals einer der ersten Serien-Computer, die den schief angesehenen USB-Port (Spottname: Useless Serial Port) mit sich brachten. Und dass wir im vergangenen Jahr vom Kauf eines 24-zölligen Cinema-Displays abgesehen haben, lag schlicht daran, dass dessen Mini-Display-Port nicht mit unserem gerade einmal drei Jahre alten iMac zu verbinden war: Pech gehabt, Rückwärtskompatibilität gab es in dieser Sache nicht.
Es gibt dennoch einige Gründe, den Computern der Marke aus Cupertino treu zu bleiben. Denn erstens relativieren sich die oben beschriebenen Reibungsverluste meist ziemlich schnell (siehe USB-Port), und zweitens überwiegen diejenigen Innovationen, die man gern sofort aufnimmt. Da ist zum Beispiel die Frage des Kabelsalates am iMac, den Michael Spehr beklagt. Bei Peter Thomas zeigt sich dieser Verhau an Leitungen schon seit Jahren stark gelichtet. Möglich macht es der Anschluss von Druckern und Festplatten über Apples W-Lan-Router Airport Extreme. Der weiße Kasten steht samt angeschlossenen Geräten im Nebenraum – das sorgt nicht nur für Ordnung auf dem Schreibtisch, sondern sperrt auch die störende Geräuschkulisse der Drucker aus.
Aber zurück zu den iMacs. Der von Michael Spehr erprobte kleinste iMac kostet mit 500-Gigabyte-Festplatte 1200 Euro, und in Sachen Arbeitstempo gibt er nicht den geringsten Anlass zu Kritik. Peter Thomas hat sich den iMac mit 27-Zoll-Monitor näher angeschaut. Dieser startet bei 1700 Euro, das Quad-Core-Modell kostet ab 2000 Euro. Beide 27-Zöller haben eine 1-Terabyte-Festplatte, die sich um ein SSD-Laufwerk (256 Gigabyte) ergänzen lässt.
Die glatte Displayoberfläche - eine Marotte
Beim Gewicht wird allerdings deutlich, dass schlankes Design und die „All in one“-Maxime nicht zu leichten Geräten führen. Der kleine iMac mit einer Bildschirmdiagonale von 21,5 Zoll (55 Zentimeter) wiegt 9,3 Kilogramm und misst 45 x 53 x 19 Zentimeter. Sein größerer Bruder mit 27-Zoll-Bildschirm (69 Zentimeter) bringt satte 14 Kilogramm auf die Waage und hat die Maße 52 x 65 x 21 Zentimeter.
Die Qualität des mit 2560 x 1440 Pixel auflösenden 27-Zoll-Displays begeisterte Peter Thomas auf Anhieb. Der TFT-Aktivmatrix-Bildschirm mit LED-Hintergrundbeleuchtung arbeitet nach dem gleichen Prinzip wie der kleinere iMac-Monitor, der allerdings nur mit 1920 x 1080 Pixel auflöst und laut den Angaben von Apple eine etwas geringere Helligkeit hat. Das „In-Plane-Switching“ der Flüssigkristalle sorgt bei beiden Displays für sehr gute Wahrnehmbarkeit über einen großen Blickwinkel.
Ein alter Streitpunkt zwischen beiden Autoren ist Apples Entscheidung, die iMacs nur mit glatter Displayoberfläche anzubieten. Von Michael Spehr gibt es hierfür Kritik: eine Marotte, die verminderte Kontraste und entsättigte Farben zur Folge habe und nicht nur optisch irritiere, sondern sogar zu Kopfschmerzen führen könne. Das sehen andere Nutzer genauso.
Die Stärkung des Desktop-Computers
Peter Thomas sekundiert dagegen der zweiten verbreiteten Ansicht, wonach im alltäglichen Betrieb die starke Hintergrundbeleuchtung und die gute Qualität des Bildschirms Problemen vorbeugen. Das war schon beim eigenen 24-Zoll-iMac des Jahrgangs 2007 (noch mit Kunststoffrückwand und ohne Kartenlesegerät) so.
Was außer Frage steht: Der iMac ist kein Rechner für Nutzer, die ihren Computer selbst erweitern wollen. Statt Einbau ist hier nämlich der Anschluss externer Geräte (drahtlos oder über Kabel) vorgesehen. Wer sehr intensiv mit dem PC arbeitet, kleine Wartungsarbeiten selbst vornimmt oder viel Zubehör anbinden will, wird daher wohl eher zum klassischen Gehäuse greifen – ob Mac Pro oder Windows-Rechner.
Die modellgepflegten iMacs mit Aluminium-Gehäuse und dem sich elegant verjüngenden Standfuß werden aber weiter viele Freunde finden, und das zu Recht. Für Apple-Nutzer ist die Stärkung der Desktop-Computer außerdem ein gutes Zeichen. Denn mit diesem Segment hat Apple begonnen, und der iMac hat 1998 den Wiederaufstieg der Marke eingeläutet. Das sollte Apple bei allem Erfolg mit Notebooks, iPod, iPhone und iPad nicht vergessen.