01.06.2010 · Konkurrenz zu Apples App-Store ist Googles Android-Market. Der lässt sich - wie beim iPhone - auf dem Gerät durchforsten. Man benötigt allerdings ein Googlemail-Konto. Ein Blick auf die Zusatzprogramme für die Android-Smartphones.
Von Michael SpehrApple war der Vorreiter, nun ziehen die anderen nach: Die Rede ist von den „App Stores“ für Smartphone-Betriebssysteme. Seit die Amerikaner im Juli 2008 ihr iPhone für Zusatzprogramme aller Art öffneten, stehen mehr als 200 000 Softwarepakete in dem hauseigenen Geschäft parat. Ein Großteil von ihnen gratis, und selbst die kostenpflichtigen Anwendungen sind meist nicht teurer als ein paar Euro. Apps gelten in der jüngeren Generation als „cool“, man muss die besten, schönsten oder sinnvollsten entdecken, sie sind ein Instrument der Distinktion angesichts der Hardware im Einheitsdesign. Und das Smartphone wird noch einmal neu definiert, es wird zum Schweizer Taschenmesser des Digitalzeitalters, es transportiert Software, Spiele, Musik und Inhalte aller Art. Apple hat einen bis dahin winzigen Nischenmarkt zu signifikanten Reichweiten gebracht, schon ist die Rede von einer App-Ökonomie.
Indes erheben sich zunehmend kritische Stimmen: Das Unternehmen in Kalifornien legt die Richtlinien für die Software-Entwicklung fest, es gibt ein Zulassungsverfahren für jedes einzelne Programm. Apple übernimmt das Marketing und den Vertrieb, bestimmt, welche Software prominent auf sogenannten Schaufensterplätzen hervorgehoben oder gar durch Anzeigen beworben wird. Apple ist der Ansprechpartner des Kunden, nimmt die Verkaufserlöse ein und behält davon 30 Prozent für sich. Also eine rundum geschlossene Welt mit Apple als Türsteher und Oberkontrolleur.
So wundert kaum, dass sich viele Entwickler nach Alternativen umsehen – und dabei das offene Betriebssystem Android entdecken. Folgt man dem Marktforschungsunternehmen Gartner, versechsfachte sich der Marktanteil des Android-Betriebssystems in aller Welt von 1,6 Prozent im ersten Quartal 2009 auf 9,6 Prozent im gleichen Zeitraum dieses Jahres. Noch deutlicher sind einige Zahlen der NPD Group für die Vereinigten Staaten: Dort ist der Marktanteil der Blackberrys von 50 auf 36 Prozent gefallen, schon an zweiter Stelle folgen die Androiden mit 28 Prozent, die sogar das iPhone (21 Prozent) überholen. Auch bei der mobilen Datennutzung stellt Android von Monat zu Monat neue Rekorde auf. Man mag zwar die Blackberrys und manches Nokia-Gerät als Smartphone bezeichnen. Aber ihre stolzen Besitzer gehen damit nicht so häufig ins Internet. Sei es, weil der Browser kompliziert zu bedienen oder die Bildschirmauflösung zu gering ist.
Android kommt gewaltig – hier herrscht Aufbruchstimmung
Apps für Android sind im „Market“ zu finden, und der lässt sich – wie beim iPhone – auf dem Gerät durchforsten. Man benötigt allerdings ein Googlemail-Konto. Die Programme sind nach verschiedenen Kategorien sortiert, wie bei Apple gibt es Schaufensterplätze für empfohlene Software. Eine Suchfunktion ist ebenfalls vorhanden, viele Apps werden mit Bildschirmfotos gezeigt, und Kundenbewertungen geben einen ersten Anhaltspunkt, ob das Programm etwas taugt. Momentan stehen mehr als 50 000 Apps für Android parat, darunter nicht wenige, die Apple nie und nimmer zulassen würde: weil sie tief in das Betriebssystem eingreifen, bestimmte Telefonfunktionen ändern, Internet-Telefonie (Voice over IP) unterstützen und so weiter und so fort. Immer wieder verblüffend ist die hohe Qualität einzelner Apps. Man merkt es gleich: Hier herrscht Aufbruchstimmung.
Wer im Internet auf eine interessante Android-Software gestoßen ist, findet auf vielen Seiten neben der Besprechung des Programms einen QR-Barcode. Mit dem Barcode-Scanner des Handys kann man dieses Pixelmuster fotografieren – und erhält einen Download-Link zum Laden: eine sehr praktische Angelegenheit. Kostenpflichtige Apps werden mit Googles Checkout-System und einer Kreditkarte bezahlt. Im Unterschied zu Apples App Store räumt der Market die Möglichkeit ein, eine erworbene Software innerhalb von 24 Stunden nach dem Kauf gegen Erstattung des vollen Kaufpreises zurückzugeben.
Ein Blick auf diese „Privilegien“ kann jedenfalls nicht schaden
Nach der Auswahl des Programms wird dieses automatisch installiert, gegebenenfalls sieht man einige Sicherheitswarnungen mit Hinweisen, auf welche Daten und Dienste die Software zugreifen will. Diese „Berechtigungen“ zeigt auch die Anwendungsverwaltung am unteren Ende der Liste. So kann eine App beispielsweise auf den Standort des Nutzers zugreifen oder auf die Anrufliste – und es existieren sogar Programme, die eine Berechtigung anfordern, kostenpflichtige Mehrwertdienste anzuwählen. Ein Blick auf diese „Privilegien“ kann jedenfalls nicht schaden.
Wer nicht mit dem Smartphone im Market stöbern mag, kann am PC nach Neuheiten suchen. Als zentrale Anlaufstelle fungiert die Seite android.com/market, die allerdings keine Kundenbewertungen zeigt und keine Suchfunktion bietet. Wer darauf Wert legt, sollte das empfehlenswerte Appbrain.com ansteuern. Hier gibt es auch Hinweise, welches Programm mit welcher Android-Version läuft. Nur etwa ein Viertel aller in Betrieb befindlichen Smartphones verwendet das bislang aktuelle Android 2.1, das in diesen Tagen von einer erweiterten Version 2.2 abgelöst wird. Noch immer gibt es Hersteller, die neue Geräte mit einem älteren Android-System auf den Markt bringen, hier sind Kompatibilitätsprobleme an der Tagesordnung. Ein weiteres Ärgernis sei nicht verschwiegen: Nicht mit jedem Android-Modell ist jede App im Market sichtbar, selbst dann nicht, wenn sie läuft. Dahinter stecken Fehler bei der Freigabe der jeweiligen Software.
Zu den spannendsten Eigenheiten von Android gehört, dass man Software unabhängig vom Market installieren kann. Die Programme mit der Endung APK lassen sich per E-Mail verschicken, auf die Speicherkarte des Geräts kopieren und mit einem geeigneten Dateimanager (etwa „Astro“) installieren. Das ist ein Kinderspiel und ein gewaltiger Fortschritt gegenüber der restriktiven Apple-Politik. Entwickler können auf diese Weise Beta-Software im kleinen Kreis verteilen oder beispielsweise Programme für geschlossene Benutzergruppen schreiben.
Die Programme lassen sich wenn nötig sogar per E-Mail verschicken
Im Prinzip kann man auf seinem Androiden so viel Software installieren, wie man will. Android ist nicht Windows. Allerdings sind auch hier gewisse Einschränkungen zu beachten. Derzeit kann man keine Programme auf der meist üppig bemessenen Speicherkarte installieren. Vielmehr steht nur der Flash-Speicher zur Verfügung, der wiederum unterteilt ist in einen Arbeitsspeicher, wie man ihn vom PC kennt, und einen zweiten Bereich, der oft irreführend als ROM bezeichnet wird. Letzterer nimmt indes die Programme auf, ist also eher mit der Festplatte eines PCs zu vergleichen.
Der Arbeitsspeicher aktueller Android-Geräte reicht von 128 bis 512 MB, was nicht unbedingt üppig zu sein scheint. Android ist jedoch nachgerade für den Einsatz auf kleinen Maschinen zugeschnitten und nutzt eine intelligente Speicherverwaltung, die sich grundlegend von einem Desktop-Betriebssystem unterscheidet. Geht der Arbeitsspeicher zur Neige, werden Programme mit einem Abbild des aktuellen Status beendet. Das geschieht so raffiniert und schnell, dass man im Grunde genommen nicht bemerkt, ob ein Programm beendet und neu gestartet oder im laufenden Betrieb aus dem Hintergrund hervorgeholt wird.
„Sense“ macht das System schöner
Trotzdem kann es bei aktuellen Geräten zu Problemen kommen, wenn sie etwa den Betriebssystem-Aufsatz „Sense“ des taiwanischen Herstellers HTC verwenden. Der macht das System schöner, liefert viele neue Funktionen – und braucht viel Speicher. Beim HTC Desire beispielsweise ist der Arbeitsspeicher mit 400 MB üppig bemessen, aber der Festplattenbereich für eigene Programme mit 150 MB deutlich zu klein. Denn von diesen 150 MB belegt schon Sense einen Großteil, so dass weniger als 60 MB für eigene Anwendungen übrig bleiben. Zum Vergleich: Beim nahezu baugleichen Nexus One stehen zweimal 200 MB zur Verfügung, auf der Festplatte bleiben jedoch bei einem frisch aufgesetzten System mehr als 180 MB frei.
So ärgert man sich beim HTC Desire schon nach der Installation von 10 bis 15 zusätzlichen Apps über ständige Warnhinweise. Meist beziehen sie sich nicht auf den freien Arbeitsspeicher, wie man anfangs denkt, sondern auf die Programm-Partition. Die Idee, mit einem „Task-Killer“ einzelne Programme zwangsweise zu beenden, ist schon wegen der oben erwähnten Speicherverwaltung von Android nicht zielführend. Man gefährdet damit zudem die Stabilität des gesamten Systems. Derzeit hilft nur eins: wenig benötigte Programme zu deinstallieren – oder temporär auf die Speicherkarte auszulagern. Bei dieser Aufgabe hilft das Programm „App Monster“. Die verschobenen Programme lassen sich beim HTC Desire zwar nicht von der Speicherkarte starten, sind aber mit dem „App Monster“ flink wieder neu installiert. Erst mit Android 2.2, das bei uns schon auf dem Google-Handy Nexus One läuft, ist das Speicherproblem gelöst: Programme können auf der SD-Karte abgelegt und von dort ausgeführt werden. Allerdings müssen alle bestehenden Android-Apps eigens angepasst werden.
Gute deutsche Android-Market Alternative
Hugo Mayer (Hugo82)
- 01.06.2010, 14:23 Uhr
Tolle Androidenwelt
Frank Schaefer (fronkschaefer)
- 01.06.2010, 22:33 Uhr
Es freut mich dass die FAZ über Android berichtet
Peter Bach (peter_bach)
- 02.06.2010, 10:14 Uhr
Tolle Androidenwelt II
Johann Schulz-Gebeltzig (johannsg)
- 02.06.2010, 18:09 Uhr
Symbian Plattform?
Cornelia Pasing (luhamnn)
- 03.06.2010, 00:02 Uhr