13.07.2009 · Das iPhone gibt es in Deutschland nur bei T-Mobile mit sehr teuren Verträgen. Was tun? Liebhaber können etwa in Italien oder Belgien ein „freies“ Gerät kaufen. Sie können aber auch den „Jailbreak“ versuchen, also den Sim-Lock aushebeln.
Von Rüdiger Abele und Michael SpehrIrgendwann ist man so erwachsen geworden, dass man keine Lust mehr hat, sich mit drittklassiger Technik ganze Abende zu verderben. Es gibt Wichtigeres zu tun. Mit der Vorstellung des neuen iPhone-Betriebssystems OS 3.0 war uns beiden klar: das ist es jetzt, die Kombination aus einfacher Bedienung und leistungsfähiger Anbindung an E-Mail und Internet. Nur mit den Tarifen von T-Mobile mochten wir uns nicht anfreunden. Wir telefonieren seit Jahr und Tag mit E-Plus, wir wissen, dass es nicht das beste Netz ist, aber man kennt die Lücken und Tücken und hat sich arrangiert.
Ein Wechsel zu T-Mobile hätte bei uns mindestens eine Verdopplung der monatlichen Handy-Rechnung bedeutet. Im kleinsten iPhone-Tarif der Telekom - 25 Euro im Monat - fallen Gesprächsgebühren von 29 Cent die Minute an, und das ist angesichts der sonst üblichen 8 Cent pro Minute bei Prepaid-Verträgen indiskutabel. Und 60 Euro im Monat für „Complete M“ mit der Flatrate ins Festnetz und zu T-Mobile wollten wir nicht ausgeben.
Das iPhone wird exklusiv von T-Mobile verkauft
Was tun? In Deutschland wird das iPhone exklusiv von T-Mobile verkauft, und es hat einen Sim-Lock, der den Einsatz in fremden Netzen unterbindet. Es gibt mindestens zwei Wege aus dem Netzgefängnis: erstens der Kauf eines freien iPhone, das von Apple in jenen EU-Ländern vertrieben wird, in denen der Gesetzgeber dem Sim-Lock einen Riegel vorgeschoben hat. In Italien, beispielsweise, kann man derartige Geräte erstehen. Das ganz neu vorgestellte 3GS mit 32 Gigabyte Speicher kostet dort 700 Euro. Derzeit werden allerdings Lieferengpässe gemeldet. Wer die Italien-Reise scheut, findet entsprechende Offerten auch bei deutschen Internet-Anbietern.
Die importierten vertragsfreien iPhones sind hierzulande allerdings entsetzlich teuer, die Preise reichen von 600 Euro für ein älteres 3G mit acht Gigabyte Speicher bis zu mehr als 1200 Euro für das oben erwähnte Top-Gerät. Gewarnt sei vor obskuren Quellen. Vorsicht ist immer dann angesagt, wenn beispielsweise Fragen offen bleiben, wie das Gerät auf sein Leben als vertragsfreies Handy vorbereitet wurde und wie es mit der Garantie bestellt ist. Wer mit dem iPhone im Netz von Vodafone telefonieren will, kann übrigens auch dort ein entsperrtes Gerät bekommen, wie die „Wirtschaftswoche“ berichtete. Man müsse sich an die Kundenbetreuung wenden.
Flucht mit dem „Jailbreak“
Der zweite Weg aus dem Gefängnis ist der „Jailbreak“, also der Ausbruch in Verbindung mit einem „Unlock“ gegen den Sim-Lock. Diese Prozedur, die allein mit geeigneter Software am PC oder Mac stattfindet, ist mittlerweile einfach geworden. Man muss kein Experte sein. Anleitungen gibt es zuhauf im Internet, die Redaktion wird keine diesbezüglichen Fragen beantworten. Die Sache ist in Deutschland legal, schlimmstenfalls gibt es Probleme mit der Herstellergarantie. Übrigens nutzt auch Apple-Mitgründer Steve Wozniak ein iPhone mit Jailbreak. Für das aktuelle 3GS gibt es angeblich auch schon einen Jailbreak mitsamt Unlock, aber bei uns funktionierte die Befreiungsaktion noch nicht. Der eine von uns nahm also ein gesperrtes 3G, das Vorgängermodell, absolvierte die Prozedur am PC, und abgesehen von der Zitterpartie, ob nun alles funktioniert oder am Ende nur teurer Elektroschrott übrig bleibt, ging die Befreiungsaktion in weniger als einer Stunde reibungslos über die Bühne.
Was man danach beachten muss, ist nicht viel: OS 3.0 läuft wie gehabt, sämtliche Daten, Fotos und Einstellungen bleiben erhalten. Es gibt allerdings einige neue Programme auf dem Startbildschirm. Das wichtigste ist der Paketmanager „Cydia“, der sich nach dem Start einige Updates holt, und um den man sich sonst nicht weiter kümmern muss. Er dient als Zentrale, wenn es darum geht, unabhängig von Apples „App-Store“ neue Programme auf das iPhone zu bringen. Wir haben ein bisschen gestöbert, das Angebot ist reichhaltig und überwiegend unentgeltlich, aber spannend fanden wir nur „Lock Calender“, das die Einträge des Kalenders wie bei einem Windows-Handy als Heute-Bildschirm darstellt.
Das iPhone wird mit Jailbreak langsamer
Die zweite Beobachtung: Das iPhone wird mit Jailbreak langsamer. Vor allem, wenn man vom Hauptmenü aus die „Einstellungen“ aufruft, vergehen etliche Sekunden. Diese Erfahrung wird von vielen anderen im Internet geteilt. Man kann das ebenfalls beim Jailbreak installierte „Winterboard“ wieder entfernen, das bringt ein bisschen Tempo zurück. Was natürlich außerhalb des T-Mobile-Netzes nicht funktioniert, ist die Visual Voicemail, die neue Nachrichten auf dem Anrufbeantworter wie eine Liste von E-Mails anzeigt. Mit einem kleinen Trick lässt sich indes die Mailbox-Taste im Telefonmenü zum Anrufen des herkömmlichen Anrufbeantworters umfunktionieren. Nach dem Jailbreak stellt man sich allerdings in einer Hinsicht besser als mit einem T-Mobile-Gerät: Das zu OS 3.0 gehörende Tethering, also die Nutzung des Telefons als Modem am PC, lässt sich einfach dazuinstallieren und reibungslos nutzen, während T-Mobile den Dienst erst in Zukunft freischalten und mit einer zusätzlichen Grundgebühr bepreisen will. Man soll also seine Daten doppelt bezahlen.
Klar ist, dass man ein befreites iPhone erst dann mit neuer offizieller Apple-Software aktualisieren kann, wenn der entsprechende Jailbreak ebenfalls zur Verfügung steht, schon ist das Betriebssystem OS 3.1 angekündigt. Zusätzliche Software aus dem „App Store“ läuft indes reibungslos, und im Laufe mehrerer Wochen konnten wir mit Ausnahme des Tempoeinbruchs nur einen weiteren kleinen Nachteil des entsperrten iPhone entdecken, nämlich den ständigen Hinweis darauf, dass eine Rufumleitung auf den Anrufbeantworter eingerichtet ist.
Kauf eines EU-Geräts
Der zweite Anlauf war der Kauf eines EU-Geräts. Auch hier sind nur positive Erfahrungen zu melden. Aus dem versicherten Versandpaket kam ein iPhone in Originalverpackung. Was folgte, war so unspektakulär wie erstaunlich: Nach einer halben Stunde war das Telefon betriebsbereit eingerichtet, inklusive sämtlicher Kontakte vom Computer-Adressbuch und der dort abgelegten Lesezeichen aus dem Internet-Browser. Die gesamte Installation lief weitgehend automatisch ab. Der aufwendigste Einzelschritt war das Herausfischen der Kommunikationseinstellungen aus dem Internet für die Datenübertragung im E-Plus-Netz. Die Nagelprobe folgte dann, als das iPhone-Betriebssystem 3.0 aufgespielt werden sollte. Ganz ohne Jailbreak und irgendwelche Malaisen ging die Prozedur ohne Probleme über die Bühne.
Die spannendste Frage beim Einsatz des iPhone in fremden Netzen ist die nach dem Datenverbrauch. Ganz auf Internet und E-Mail ausgerichtet, benötigt man unbedingt einen Datenvertrag. Der typische iPhone-Besitzer konsumiert das 60fache Volumen eines durchschnittlichen T-Mobile-Kunden. Da sich fast alle Netzbetreiber die Bits und Bytes in Gold aufwiegen lassen und die Preise nichts mit den realen Gestehungskosten zu tun haben (bis zu 30 Euro pro Megabyte versus 24 Cent bei Simyo), ist dies ein wunder Punkt. Beide Autoren hielten sich bei der Datennutzung nicht zurück, wir fragten unsere E-Mail ab, stöberten im Internet und blieben doch bei unter 100 Megabyte im Monat.
Alles in allem ist das freie iPhone ein Gewinn
Einen Großteil des Tages verbrachten allerdings unsere Geräte in der Nähe des heimischen W-Lan-Netzes, das mag die geringe Mobilfunk-Datenmenge erklären. Wer morgens und abends in öffentlichen Verkehrsmitteln intensiv surft, viele Videos oder Musikdateien aufs Gerät lädt, kann allerdings schnell bei 500 Megabyte im Monat landen. In diesem Sinne wäre schon der kleine Complete-XS-Tarif von T-Mobile mit 200 Megabyte Inklusivvolumen nicht mehr ausreichend.
Alles in allem ist das freie iPhone ein Gewinn. Wir würden eher die Europa-Variante nehmen als den Jailbreak mit seinen kleinen Nachteilen. Als Apple vor zwei Jahren das iPhone zur Welt brachte, war die enge Bindung an T-Mobile und der Zwang zu einem Datenvertrag eine nachvollziehbare Entscheidung. Damals war die Datennutzung mit dem Handy noch ein Nischenthema. Inzwischen sind wir weiter, etliche Anbieter haben attraktive Tarifpakete geschnürt, und es sollte dem Käufer überlassen bleiben, bei wem und in welchem Netz er das Kleinod aus Cupertino einsetzen will. So gesehen ist der Sim-Lock mittlerweile überflüssig und ein Ärgernis.
Ersparnis?
J F (wurzl)
- 13.07.2009, 14:19 Uhr
Jailbreak ist nicht gleich Unlock/ Entsperren
Alexander Fetzer (evil-twin)
- 13.07.2009, 14:39 Uhr
Ganz einfach!!!
Freddy Krüger (0608652565)
- 13.07.2009, 14:51 Uhr
Und wie kann ich bitte einen Porsche 911 billiger kriegen?
Bernd Michalski (michalski2)
- 13.07.2009, 15:15 Uhr
Was ist ein EU iPhone?
B WS (boris42)
- 13.07.2009, 15:38 Uhr