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Cloud Computing Die Rechnerkühlung ist teuer

Durch die Verlagerung von Rechnerleistungen aus Serverräumen und heimischen Computern in große Rechenzentren wird mittelfristig weniger Strom verbraucht. Doch andererseits nehmen Cloud-Anwendungen auch immer mehr zu.

© dpa Vergrößern Kabelverbindungen eines Internet-Knotens

Auch Kleinvieh macht Mist. Das gilt in Sachen Stromverbrauch auch für die unzähligen Elektrogeräte in deutschen Haushalten. Trotz Standby-Schaltungen, immer besser isolierten Kühlschränke und sparsameren Elektromotoren von Waschmaschinen und Trocknern weiß das Gros der Bevölkerung nicht, welche Energiemengen in Haushalten und Büros unnötigerweise verbraten werden, wie Umfragen immer wieder zeigen. Genau hat das bisher auch noch niemand untersucht, es gibt nur Schätzungen. Dabei versucht man, alle sogenannten Leerlaufverluste zu addieren, worunter außer dem Stromverbrauch von in Wartestellung ausharrenden Geräten auch die Kilowattstunden zu verstehen sind, die durch „unnötigen“ Dauerbetrieb (etwa einer nicht genutzten Rolltreppe) auflaufen. Die Summe dieser geschätzten Verluste scheint gigantisch: Mehr als 20 Milliarden Kilowattstunden (was etwa dem Jahresstromverbrauch von Berlin entspricht) werden, und diese Zahl gilt wohl bis heute, Jahr für Jahr „vergeudet“.

Ähnlich intransparent ist der Stromhunger der Informations- und Kommunikationstechnik mit ihren zahllosen Computern, Laptops, Routern und Servern. Wie groß der Energiehunger in diesem Bereich ist, hat man in zwei Studien näherungsweise untersucht, die in den Jahren 2003 und 2008 im Auftrag des Bundeswirtschaftsministeriums erstellt wurden. Jüngere Erkenntnisse liegen jedoch nicht vor. Doch wie Fachleute vermuten, dürfte sich an den damals ermittelten Zahlen wenig geändert haben, sind die Fortschritte aufgrund der Entwicklung sparsamerer Geräte doch stets durch den ständig größer werdenden Gerätepark wettgemacht worden. Zudem hat auch die Zahl der Anwendungen eine Größe erreicht, die sich noch vor wenigen Jahren kaum jemand vorstellen konnte. Und vieles spricht dafür, dass diese Entwicklung sich weiter fortsetzt.

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Kalkuliert man auf der Basis der jüngsten Erhebung, so „schlucken“ die in Haushalten, in Büros und in Produktionsbetrieben arbeitenden „informationstechnischen“ Gerätschaften jährlich rund 55 Milliarden Kilowattstunden, was der Leistung von zehn großen Kraftwerken mit je 1000 Megawatt Leistung entspricht. 10,5 Prozent des deutschen Stromverbrauchs entfällt auf die IT-Branche, und die dadurch initiierten Kohlendioxid-Emissionen sind nur geringfügig niedriger als die des Luftverkehrs.

Doch diese Situation wird sich ändern. So wird durch das Vordringen von Cloud Computing und damit dem Verlagern von Rechnerleistungen aus den Serverräumen der Unternehmen und von den zu Hause unterm Schreibtisch stehenden Computern in zentrale Rechenzentren mittelfristig weniger Strom verbraucht. Denn große, moderne Rechenzentren können ihre Kapazitäten besser ausnutzen, und die hier installierten Anlagen werden häufiger an den Stand der Technik angepasst als Heimrechner, die so lange stehen bleiben, bis sie endgültig ihren Geist aufgeben. Durch die Konzentration von Rechnerleistung auf wenige große Zentren wird jedoch deren Stromverbrauch zunehmen. Studien aus den Vereinigten Staaten zeigen, dass sich deren Stromhunger in den vergangenen zehn Jahren in etwa verdreifacht hat.

Doch allein aus Eigeninteresse sind die Betreiber von Internetknoten, sogenannten Telehäusern (sie bedienen Telefongesellschaften und Kabelanbieter) und von klassischen Rechenzentren daran interessiert, den Strombedarf ihrer Anlagen, die durchaus Anschlusswerte im zweistelligen Megawattbereich haben können, zu zügeln. Das gelingt vor allem durch „intelligente“ Kühlkonzepte, denn auf das Kühlen entfällt bis zu einem Drittel der Energie. So arbeitet man etwa bei Ancotel in Frankfurt, dem nach eigenen Angaben größten Telekommunikations-Netzknoten in Europa, daran, durch das Bündeln der Rechnertürme in hermetisch abgeschlossenen „Würfeln“ den Kühlbedarf um bis zu 20 Prozent zu senken. Dazu wird der Luftfluss in den Würfeln so gesteuert, dass die Luftströme nicht vermischt werden. Man kann so in einigen Gängen deutlich höhere Temperaturen „fahren“, als das bisher üblich war, ohne die Geräte dadurch zu schädigen. Zudem wird versucht, an möglichst vielen Tagen im Jahr mit kühler Umgebungsluft auszukommen. Die stromfressende Kühltechnik kann dann abgeschaltet werden. Lediglich die Ventilatoren müssen betrieben werden.

Quelle: F.A.Z.

 
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