07.11.2008 · Die neue Bescheidenheit in den Zeiten der Krise führte den Chevrolet Matiz 0.8 S zu uns. Selten sind wir so günstig gefahren: 5,50 Euro Kraftstoffkosten für 100 Kilometer dank Autogas.
Von Michael SpehrDie neue Bescheidenheit in den Zeiten der Krise führte den Chevrolet Matiz 0.8 S zu uns. Selten sind wir so günstig gefahren: 5,50 Euro Kraftstoffkosten für 100 Kilometer dank Autogas. Auch mit dem Einstiegspreis von 8900 Euro richtet er sich an Menschen, die möglichst wenig Geld in ihre individuelle Mobilität investieren wollen. Wer ihn als Aktionsmodell kauft, bekommt die Umrüstung auf Autogas ohne Aufpreis dazu, sonst kostet sie 2150 Euro und amortisiert sich erst nach 70 000 Kilometer. Neben dem 36-Liter-Gastank nimmt der Matiz noch 35 Liter Benzin an Bord und bietet so eine sehr hohe Reichweite.
Etwas Benzin wird zum Starten benötigt. Zwischen beiden Kraftstoffsorten kann man jederzeit manuell umschalten. Während die analoge Benzinuhr im Cockpit recht präzise den Füllstand zeigt, ermöglichen die vier Leuchtdioden für den Gasvorrat nur eine grobe Schätzung. Das Tanken an den rund 4000 deutschen Zapfstellen ist auch deshalb etwas umständlich, weil Chevrolet seine Fahrzeuge mit dem italienischen Füllanschluss ausstattet und man für die deutschen Zapfpistolen zunächst einen mitgelieferten Adapter aufschrauben muss.
Der Motor ist laut und dröhnt
Wir konsumierten durchschnittlich 7,5 Liter Autogas (à 73 Cent) auf 100 Kilometer, bei längeren Autobahnfahrten jedoch mehr als neun. Kein Wunder, denn der Dreizylinder mit 800 Kubikzentimeter Hubraum, 38 kW (52 PS) und einem maximalen Drehmoment von 71,5 Newtonmeter bei 4400/min erlaubt zwar ein flottes Vorankommen in der Stadt und auf der Landstraße (von 0 auf 100 km/h in 18 Sekunden). Aber auf der Autobahn ist die Höchstgeschwindigkeit von 145 km/h erst nach einem quälend langen Anlauf erreicht, und man fährt entweder demütig und langsam auf der rechten Spur oder fließt bei hohen Drehzahlen und Dauer-Vollgas links mit. Der Motor ist laut und dröhnt, die Federung tendenziell zu weich und der Bremsweg von rund 44 Meter aus Tempo 100 heraus deutlich zu lang. Mit seinen schmalen 155er-Reifen neigt der Matiz schnell zum Untersteuern, Wasserlachen auf der Fahrbahn mag er gar nicht. Auch die gefühllose und leichtgängige Lenkung vermag nicht zu überzeugen.
Das 3,50-Meter-Wägelchen mit vier Türen und einem Leergewicht von 900 Kilogramm hat indes auch klare Vorzüge: Obwohl nicht einmal 1,50 Meter breit, finden fünf Passagiere in ihm Platz, aber die schmalen bitte nach hinten. Servolenkung, Drehzahlmesser, elektrische Fensterheber vorn und Zentralverriegelung gehören zur Serienausstattung, und die Innenraumgestaltung ist für ein Auto dieser Preisklasse anständig. Wer sich Sorgen um den Weltfrieden und das Klima macht, wird sich über den niedrigen CO2-Ausstoß von 111 Gramm je Kilometer freuen. Eine Klimaanlage für die Passagiere ist für den kleinsten Matiz allerdings nicht zu haben, ESP auch nicht für die etwas besser motorisierten Modelle. Die Rückbanklehnen wird man schon für den Samstagseinkauf umklappen, denn bereits zwei Wasserkästen füllen das 170-Liter-Kofferräumchen vollends.