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Veröffentlicht: 05.01.2016, 18:57 Uhr

Faraday Future Tesla-Konkurrent präsentiert Prototyp

Der vollmundige Tesla-Herausforderer Faraday Future zeigt in Las Vegas ein spektakuläres Elektroauto – und macht große Versprechungen.

von , Las Vegas
© Reuters Bereits im Jahr 2017 will Faraday das erste Serienfahrzeug präsentieren. Der FFZero1 dient hauptsächlich Demonstrationszwecken.

Ein aufstrebendes kalifornisches Unternehmen, das mit schicken Elektroautos den etablierten Fahrzeugherstellern Konkurrenz macht. Diese Beschreibung passt auf Tesla Motors, den von Elon Musk geführten Autohersteller, dessen Produkte zwar bislang noch überschaubare Stückzahlen, aber eine begeisterte Fangemeinde haben. Nun schickt sich ein anderes Unternehmen an, Tesla nachzueifern.

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Faraday Future, ein ebenfalls in Kalifornien beheimatetes, aber von einem chinesischen Multimilliardär finanziertes Unternehmen, stellte am Montag in Las Vegas einen futuristischen Prototypen für ein Elektroauto vor. Es war die erste einer Reihe von Neuheiten aus der Autoindustrie auf der Elektronikmesse CES, die offiziell erst am Mittwoch beginnt. Neben Anbietern klassischer Unterhaltungselektronik ist die Messe in den vergangenen Jahren auch für die Autobranche zu einer immer wichtigeren Veranstaltung geworden.

Faradays Auftritt ist in der Branche mit Spannung erwartet worden, zumal das Unternehmen bislang ein großes Geheimnis um sich gemacht hat. Es gab sogar Spekulationen, dass es sich bei Faraday um das Autoprojekt handelt, das der Elektronikkonzern Apple angeblich verfolgt. Mittlerweile ist durchgesickert und in Las Vegas auch bestätigt worden, dass der Chinese Jia Yueting hinter dem Unternehmen steht, der in seiner Heimat mit einem Videodienst nach dem Vorbild des amerikanischen Anbieters Netflix bekanntgeworden ist.

Neue Fertigungsstätte soll 4500 Arbeitsplätze schaffen

Dass Faraday es mit seinen Ambitionen im Autogeschäft ernst meint, hat das Unternehmen mit seinen erst kürzlich festgezurrten Plänen für eine Fertigungsstätte in der Nähe von Las Vegas unterstrichen, die eine Milliarde Dollar kosten und 4500 Arbeitsplätze schaffen soll. Auch hier gibt es eine Parallele zu Tesla. Elon Musks Unternehmen baut derzeit im Bundesstaat Nevada, zu dem Las Vegas gehört, für einen Milliardenbetrag eine Batterieproduktion auf. Faradays Führungsriege, darunter der für Forschung und Entwicklung verantwortliche Nick Sampson, ist zudem mit einigen früheren Mitarbeitern von Tesla besetzt. Designchef Richard Kim hat für den deutschen Hersteller BMW an dessen Elektroauto i3 gearbeitet.

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Für einen vor nicht einmal zwei Jahren gegründeten Neueinsteiger auf dem Automarkt nahm Faraday in Las Vegas den Mund sehr voll. Forschungschef Sampson sparte nicht mit Seitenhieben auf traditionelle Autohersteller, die sich nach seiner Beschreibung viel zu langsam veränderten. Deren Anspruch sei es nur, bessere Autos zu bauen, während Faraday das Ziel habe, „die Natur von Mobilität neu zu definieren“. Man müsse kein 100 Jahre altes Unternehmen sein, um die nächste Generation von Autos zu prägen. Sampson suggerierte, Faraday könne im Automarkt Ähnliches gelingen wie Apple mit seinem iPhone im Handygeschäft.

Weit entfernt von Serienreife

Wie genau Faraday den Markt aufmischen will, ist aber auch nach der Veranstaltung in Las Vegas noch nicht so ganz klar. Das Unternehmen enthüllte zwar den spektakulär aussehenden und 1000 PS starken Rennwagen „FF Zero 1“, der aber von der Serienreife weit entfernt sein dürfte. Designchef Kim gab selbst zu, dass das Auto vor allem als Demonstrationsobjekt gedacht sei. Das produktionsreife Fahrzeug, das Faraday angeblich schon für 2017 plant, dürfte also ganz anders aussehen. Aber auch der Rennwagen ist nach Kims Angaben Ausdruck des modularen Ansatzes, den Faraday bei der Entwicklung seiner Autos verfolgt und der zum Beispiel eine flexible Anordnung von Batterien vorsieht. Das soll es erleichtern, eine breite Palette von Fahrzeugtypen herzustellen, von der Limousine bis hin zum Pick-Up-Transporter oder eben sogar zum Rennauto.

37905350 © AP Vergrößern Faraday Futures 1000 PS starker FFZero1 ist von der Serienreife noch weit entfernt.

Es wird für Faraday nicht einfach werden, sich als Neuling im Automarkt zu etablieren. Selbst das Vorzeigeunternehmen Tesla, das schon mehr als zehn Jahre alt ist, erwirtschaftet bis heute Verluste. Tesla verkauft bislang erst zwei Modelle, die mehr als 80.000 Euro teure Limousine Model S und seit kurzem auch den noch teureren Geländewagen Model X. Erst für 2017 ist ein weiteres Modell geplant, das für die breitere Masse erschwinglich sein soll. Dieses dritte Fahrzeug soll dem Unternehmen dabei helfen, profitabel zu werden.

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Faraday ist nicht das einzige Unternehmen aus der Autoindustrie, das die CES zur Vorstellung von Elektroautos nutzt. Der deutsche Volkswagen-Konzern stand für Dienstag abend (nach Redaktionsschluss dieser Ausgabe) mit einer der Hauptreden („Keynotes“) auf dem Programm, und dabei wurde die Enthüllung eines elektrisch betriebenen VW-Busses erwartet. Mary Barra, die Vorstandsvorsitzende des amerikanischen Herstellers General Motors, will eine serienreife Version des Elektroautos Chevrolet Bolt zeigen, das vor einem Jahr auf der Automesse in Detroit schon einmal als Studie präsentiert worden ist. Mit dem Bolt will sich GM in einer ähnlichen Preisklasse bewegen wie sie Tesla für sein kommendes drittes Modell anstrebt. GM hat außerdem schon vor Messebeginn eine Investition von 500 Millionen Dollar in den Fahrdienst Lyft bekanntgegeben, einem Wettbewerber von Uber. Die beiden Unternehmen wollen zusammen an selbstfahrenden Autos arbeiten.

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