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Hans Wienands im Interview „Wir sind zu eigenständigem Design fähig“

Hans Wienands von Samsung wehrt sich gegen die Einschätzung, Samsung sei vor allem Nachahmer von Apple. Er spricht über Sinn und Unsinn von vernetzten Fernsehern - und „intelligente“ Kühlschränke.

© Samsung Vergrößern Hans Wienands, Vize-Präsident der deutschen Geschäftsleitung von Samsung

Herr Wienands, Samsung und viele andere Fernsehhersteller haben Geräte mit ultrahoher Auflösung zum zentralen Messethema gemacht, die zunächst 20 000 Dollar und mehr kosten. Können das jemals Massenprodukte werden?

Das wird zuerst sicher eine Nische sein, aber es ist ein Schritt in die Zukunft. Die Geräte sind etwas für sehr große Bildschirme, bei denen man eine hohe Auflösung braucht. Auf dem deutschen Markt setzen wir andere Schwerpunkte wie internetfähiges Smart-TV. Hier ist im Moment das Fernsehsegment mit 55-Zoll-Bildschirmen besonders stark, dafür ist so hohe Auflösung nicht notwendig.

Die Branche propagiert seit Jahren vernetztes Fernsehen, aber die Verbraucher scheinen sich bisher nicht so richtig dafür zu begeistern.

Das sehe ich anders. Wir haben in Deutschland bislang 2,8 Millionen internetfähige Fernseher verkauft, und wir haben einen Anteil von 33 Prozent am deutschen Markt für Smart-TV.

2013 Consumer Electronics Show Highlights Newest Technology © AFP Vergrößern Samsung bei der Messe CES in Las Vegas

Aber wird die Online-Funktion auch wirklich von vielen Menschen genutzt?

Ja, fast 70 Prozent der Besitzer des Smart-TV nehmen die Internetverbindung in Anspruch. Zugegeben, das tun sie besonders oft für fernsehähnliche Anwendungen wie das Abrufen von On-Demand-Inhalten. Aber auch die Nutzung sozialer Netzwerke wie Facebook und Twitter und speziell auf Fernseher abgestimmter Applikationen nimmt zu.

Woran hapert es im Moment noch beim Internetfernsehen?

Es kommt jetzt vor allem darauf an, die Bedienung attraktiver zu machen und mehr Inhalte anzubieten. Wir haben hier jetzt mit einer überarbeiteten Benutzeroberfläche und einer neuen Fernbedienung einen großen Schritt nach vorn gemacht. Außerdem können unsere neuen Geräte mit Sprachkommandos und Gesten bedient werden. Das bringt uns weg von den umständlichen Tastaturen.

Könnte ein Einstieg von Apple in den Markt eine Bedrohung werden?

Das mag ich nicht beurteilen. Ich kann nur sagen, wir sind zufrieden damit, wo wir stehen.

Tim Baxter, president for Samsung Electronics America, shows off the LED F8000, their newest flagship Smart TV at the Samsung news conference at the Consumer Electronics Show (CES) in Las Vegas © REUTERS Vergrößern Samsung-Chef Tim Baxter präsentiert bei der CES ein neues Smart-TV

Bei Fernsehern mit OLED-Bildschirmen, einem Trendthema aus den vergangenen Jahren, lassen die marktreifen Produkte bisher auf sich warten. LG hat jetzt einen OLED-Fernseher für den März angekündigt. Warum ist Samsung noch nicht so weit?

Es hat sich als aufwendiger herausgestellt, die Produktion dieser Geräte zu stabilisieren. Aber wir werden noch in diesem Jahr einen OLED-Fernseher mit 55-Zoll-Bildschirm herausbringen. Im Übrigen setzen wir die Technik für andere Innovationen ein, die bisher niemand hat.

Zum Beispiel?

Wir zeigen auf der Messe einen OLED-Fernseher, der einen leicht gewölbten Bildschirm hat. Das sorgt dafür, dass zweidimensionale Bilder dreidimensional erscheinen. Im Moment ist das noch ein Prototyp, aber er ist nicht allzu weit von der Marktreife entfernt.

Samsung hat hier auf der Messe mit einem Kühlschrank für Aufsehen gesorgt, bei dem sich ein Fach von Kühlen auf Gefrieren und wieder zurückschalten lässt. Werden Haushaltsgeräte allgemein für Samsung zu einem größeren Schwerpunkt?

Es ist sicher ein Thema, das wir forcieren. Wir sind auf der ganzen Welt schon der zweitgrößte Hersteller von Haushaltsgeräten, und wir kommen auch in Deutschland voran. Hier sind wir zum Beispiel bei Kühlschränken die Nummer drei. Ich denke, uns gelingt hier ein Imagetransfer von unseren anderen Produkten wie den Smartphones.

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Welche Spuren hat die spektakuläre Niederlage im Patentprozess gegen Apple in Amerika im vergangenen Jahr bei Samsung hinterlassen?

Ich sehe in Deutschland keinerlei Auswirkungen, den Verbrauchern scheint das nicht allzu wichtig zu sein. Aber sicher würde ich mir wünschen, dass die ganzen Patentstreitigkeiten aufhören.

Wie kontern Sie, wenn jemand Samsung als Nachahmer beschreibt, so wie Apple das getan hat?

Ich verweise zum Beispiel auf unser Fernsehgeschäft. Hier zeigen wir seit vielen Jahren, dass wir in der Lage sind, eigenständiges Design zu entwickeln. Das gilt aber auch für Smartphones. Ein Galaxy III können Sie ganz klar als ein Samsung-Gerät identifizieren. Unser Galaxy Note war ein ziemliches Designwagnis, weil es einen viel größeren Bildschirm hat als die meisten anderen Geräte.

- © AFP Vergrößern Im August musste Samsung im Patentstreit gegen Apple eine schwere Niederlage hinnehmen

Samsung ist hauptsächlich für Smartphones mit der Google-Software Android bekannt, macht aber auch Geräte mit dem Microsoft-Programm Windows Phone 8, das sich bisher sehr schwer tut. Hat Microsoft noch eine Chance in dem Markt?

Ich denke, für Unternehmenskunden wird Windows Phone 8 auf jeden Fall interessant sein, bei Endverbrauchern müssen wir das abwarten. Aber der Markt ist noch immer so dynamisch, dass hier einige Überraschungen möglich sind.

Die Fragen stellte Roland Lindner.

Quelle: F.A.Z.

 
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Veröffentlicht: 09.01.2013, 17:20 Uhr