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Fernsehgeräte auf der CES Verzweifelte Suche nach einem neuen Massenprodukt

Die Fernsehhersteller zeigen in Las Vegas auf Geräte mit enorm hoher Auflösung und internetfähige Fernseher. Auch sie werden dieses Jahr die Hoffnungen der Branche nicht erfüllen.

© REUTERS Vergrößern Nicht nur Panasonics Stolz: ein Fernseher mit 4k-Auflösung

Die Anbieter von Fernsehgeräten stellen auf der Elektronikmesse CES Neuheiten in den Vordergrund, die auf absehbare Zeit für die breite Masse unerschwinglich bleiben werden: Fast alle großen Hersteller von Samsung über LG bis zu Sony zeigen Geräte mit ultrahoher Auflösung, auch „4K“-Fernseher genannt, weil sie rund 4000 Pixel oder Bildpunkte haben. Der Unterschied zu regulären hochauflösenden Geräten wird erst bei Geräten mit einer Bildschirmdiagonalen von 60 Zoll oder mehr wahrnehmbar. Entsprechend sind die in Las Vegas gezeigten 4K-Geräte sehr groß.

Die messerscharfen Bilder der neuen Technik haben aber ihren Preis: Viele Modelle kosten noch 20 000 Dollar oder mehr. Deshalb werden sie wohl auf absehbare Zeit Nischenprodukte bleiben, wie auch der CES-Veranstalter Consumer Electronics Association zugibt. Der Verband erwartet, dass in diesem Jahr in Amerika rund 23 000 Geräte mit dieser Auflösung verkauft werden. Bis 2016 sollen es immerhin 1,4 Millionen oder 5 Prozent des Gesamtmarktes werden. In anderen Ländern, in denen die Vorliebe für große Bildschirme nicht so ausgeprägt ist wie unter Amerikanern, dürfte der Anteil noch geringer ausfallen.

Die Fernsehbranche könnte derzeit einen viel größeren Schub gebrauchen, als er von 4K-Geräten ausgehen kann, denn die Geschäfte laufen schlecht. Nach Angaben des Marktforschungsinstituts NPD Display Search gingen die Verkaufsmengen von Fernsehern auf der ganzen Welt im vergangenen Jahr um 6 Prozent zurück. Für 2013 werden stagnierende Absätze erwartet.

Hoffnungen wurden nicht erfüllt

Auch Fernseher mit dreidimensionaler Technik und internetfähige „Smart TVs“ - Schwerpunktthemen der CES in den vergangenen Jahren - haben bislang die in sie gesetzten Hoffnungen nicht erfüllt. Zwar ist ein großer Teil der heute verkauften Fernseher 3D-tauglich und mit dem Internet verbunden. Trotzdem hat es die Branche damit nicht geschafft, das Geschäft anzukurbeln oder den Preisverfall für Fernsehgeräte aufzuhalten. Viele Verbraucher nutzen auch die Onlinetauglichkeit ihres Fernsehers kaum, weil die Geräte oft schwierig zu navigieren sind und somit nur ein beschränktes Interneterlebnis bieten.

Die Hersteller mühen sich dennoch weiter, Fernseher mit dem Internet zusammenzuführen. Viele Unternehmen zeigen auch in diesem Jahr wieder neue Varianten von Smart TVs. Samsung etwa hat die Benutzeroberfläche seiner Geräte komplett überarbeitet. Die gezeigten Geräte können zum Beispiel Empfehlungen für Fernsehsendungen abgeben, und sie können mit Sprachkommandos oder Gesten gesteuert werden. Samsung bietet außerdem bald eine kleine rechteckige Nachrüstungsbox an, mit der Fernseher des vergangenen Modelljahres bei Hardware und Software auf den neuesten Stand gebracht werden können.

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Auch der Internetkonzern Google gibt seine Fernsehambitionen mit „Google TV“ nicht auf. Geräte mit dem Programm kamen erstmals 2010 heraus und stießen auf wenig Interesse, unter anderem weil sie recht kompliziert waren. Mittlerweile hat der Konzern „Google TV“ aber mehrmals überarbeitet und sieht sich auf einem besseren Weg. Im Vorfeld der Messe teilte Google mit, neun Hardwarepartner für das Programm zu haben. Vor einem Jahr waren es noch fünf. Der koreanische LG-Konzern etwa zeigt in Las Vegas nun mehrere Geräte mit „Google TV“.

Für die Branche drängt die Zeit, sich schlüssige Konzepte für internetfähiges Fernsehen einfallen zu lassen, denn sie muss sich vielleicht bald mit einem prominenten neuen Wettbewerber auseinandersetzen. Es halten sich Spekulationen, wonach Apple bald einen eigenen Fernseher auf den Markt bringen könnte.

Zaghaft geht es derweil mit einer anderen Initiative der Branche voran: Fernseher mit sogenannten OLED-Bildschirmen, die Messebesucher in den vergangenen beiden Jahren begeistert hatten, haben bislang im Markt auf sich warten lassen. Diese Fernseher kommen ohne Hintergrundbeleuchtung aus und liefern sehr kontrastreiche Bilder. Ihre Einführung hat sich wegen technischer Schwierigkeiten verzögert. Jetzt kündigte LG aber an, dass im März der erste OLED-Fernseher mit einem 55-Zoll-Bildschirm in amerikanische Geschäfte kommen soll. Die Geräte werden 12 000 Dollar kosten. Auch Samsung zeigt ein OLED-Gerät, hält sich aber mit einem Einführungsdatum bedeckt. Dafür verspricht Samsung eine zusätzliche Funktion, wenn das Produkt einmal marktreif ist: So soll mittels spezieller Brillen möglich sein, dass zwei Zuschauer vor einem Bildschirm zwei verschiedene Programme ansehen. (Samsungs Rekord, Seite 16.)

Quelle: F.A.Z.

 
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