Home
http://www.faz.net/-hog-75lg2
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Qualcomm und Microsoft Neuer Star trifft Branchenveteranen

 ·  Der aufstrebende Chipanbieter Qualcomm eröffnet diesmal anstelle des Softwarekonzerns Microsoft die CES. Microsoft-Chef Steve Ballmer lässt sich aber für einen Gastauftritt blicken.

Artikel Bilder (1) Bildergalerie Lesermeinungen (0)
© AFP „Dein Gerät ist schöner“ - „Nein, deins“: Microsoft-Chef Ballmer (links) und Qualcomm-Chef Jacobs

Paul Jacobs hörte sich für einen Moment an, als ob er sich rechtfertigen wollte: „Natürlich sind wir kein traditionelles Konsumelektronikunternehmen“, sagte der Vorstandsvorsitzende des amerikanischen Halbleiterkonzerns Qualcomm bei der Eröffnungsrede der CES am Montagabend. Jacobs schob aber auch gleich die Antwort auf etwaige Fragen hinterher, warum ausgerechnet sein Unternehmen in diesem Jahr die prominenteste Rede der Messe bestreitet: „Wir liefern das Herzstück mobiler Geräte und einer wachsenden Zahl vernetzter Produkte, die im Mittelpunkt von allem stehen, was wir tun.“

Mit dem Auftritt des Qualcomm-Chefs begann für die CES das Zeitalter nach Microsoft. Der Softwarekonzern hat sich in diesem Jahr von der Messe zurückgezogen und verzichtet sowohl auf einen Stand als auch auf den traditionell von ihm besetzten Platz für die Eröffnungsrede. Qualcomm hat zwar nicht annähernd den Bekanntheitsgrad von Microsoft, gehört aber derzeit zu den Aufsteigern der Technologiebranche. Das Unternehmen aus dem kalifornischen San Diego ist der führende Anbieter von Chips für internetfähige Handys (Smartphones) und liefert auch Halbleiter für Tabletcomputer.

Damit ist Qualcomm in den zwei wachstumsstärksten Segmenten der Branche vertreten. Vor wenigen Monaten wurde es zum wertvollsten Halbleiterunternehmen an der Börse und löste den Wettbewerber Intel ab, dessen Chips noch immer vor allem in Personalcomputern (PC) zum Einsatz kommen. Qualcomm gelang dieser Aufstieg, obwohl Intel noch immer deutlich höhere Umsätze und Gewinne erzielt. Der symbolträchtige Wechsel unterstreicht, wie stark das klassische PC-Geschäft durch mobile Plattformen unter Druck gesetzt wird.

Jacobs ratterte in seiner Rede eine ganze Reihe von Zahlen und Statistiken herunter, um das Marktpotential für sein Unternehmen zu unterstreichen: Zwischen 2012 und 2016 werden 5 Milliarden Smartphones auf der Welt verkauft. An einem durchschnittlichen Tag kommen heute doppelt so viele neue Smartphones in der Welt hinzu wie neugeborene Babys. 84 Prozent aller Menschen sagen, sie können sich nicht mehr vorstellen, auch nur einen Tag lang nicht mobil vernetzt zu sein.

„Die Geräte werden um uns herum verbunden“

Jacobs stellt sich eine Welt vor, in der das Smartphone immer mehr zu einer zentralen Schaltstelle im Leben der Menschen wird: „Die Geräte werden mit einem wachsenden Netzwerk von Sensoren um uns herum verbunden, ja sogar an uns oder in unserem Körper.“ Vom Haus bis zum Auto würden alle Umgebungen vernetzter. Jacobs berichtete von Partnerschaften seines Unternehmens mit den deutschen Autoherstellern Audi und BMW.

Qualcomm stellt Kommunikationschips her, die unter anderem in Geräten wie dem iPhone und dem iPad aus dem Hause Apple zum Einsatz kommen. Daneben forciert der Chiphersteller seit einiger Zeit das Geschäft mit Mikroprozessoren für Smartphones und Tablets, also gewissermaßen den Gehirnen dieser Geräte. Rund ein Drittel seines Umsatzes erzielt Qualcomm außerdem mit Lizenzgebühren für bestimmte Mobilfunktechnologien.

CES 2013: Die Gadgets

Um Geräte mit Qualcomm-Prozessoren zu zeigen, holte Jacobs einen Überraschungsgast auf die Bühne: den Microsoft-Vorstandsvorsitzenden Steve Ballmer, der sich die CES dann doch nicht ganz sparte. Ballmer zeigte zwei Tablets mit dem neuen Microsoft-Betriebssystem Windows RT sowie Smartphones mit der Software Windows Phone. Ballmer versuchte dabei, mit einigen - wenn auch nicht allzu aussagekräftigen - Zahlen den Eindruck zu vermitteln, dass Geräte mit diesen Microsoft-Programmen an Popularität gewönnen. So sagte er, in der Woche um Weihnachten seien fünfmal so viele Geräte mit Windows Phone verkauft worden wie noch vor einem Jahr. Konkreter wurde er nicht, aber die Vorgabe aus dem Vorjahr dürfte nicht allzu hoch gewesen sein. Mehrere Marktforschungsinstitute sehen den Anteil von Microsoft am Smartphone-Markt im niedrigen einstelligen Prozentbereich.

Jacobs nutzte seine Rede, um zwei Neuauflagen seiner Prozessoren aus der „Snapdragon“-Reihe vorzustellen. So werde der neue Snapdragon 800 um 75 Prozent leistungsstärker sein als das Vorgängermodell. „Das wird Videospiele in Konsolenqualität auf einem mobilen Gerät möglich machen“, sagte Jacobs. Qualcomm verspricht außerdem, dass der neue Prozessor das Aufzeichnen und Wiedergeben von Videos in deutlich höherer Auflösung als bislang erlaubt sowie weniger Strom in der Gerätebatterie verbraucht, bislang eine technische Achillesferse. Qualcomm habe Vereinbarungen für 50 verschiedene Geräte, in denen die beiden neuen Prozessoren zum Einsatz kommen sollen.

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen

Jahrgang 1970, Wirtschaftskorrespondent in New York.

Jüngste Beiträge