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Merkel auf der Cebit „Wie bist Du jetzt an Microsoft geraten?“

 ·  Bundeskanzlerin Angela Merkel tourt im Schnelldurchlauf über die Cebit, und wo sie auftaucht bricht das Chaos aus. Bericht eines fixen Messebesuchs ohne Punkt und Komma.

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© Daniel Pilar In ungewohnter Rolle: Angela Merkel interviewt einen Jungentwickler

Die Kanzlerin will es gerne ganz genau wissen, und das bekommt mancher Aussteller auf der Computermesse Cebit peinlich zu spüren. „Wie bist du jetzt an Microsoft geraten?“, fragt Angela Merkel auf dem Messestand des Softwarekonzerns den 14 Jahre alten Felix Guttbier, dem das Unternehmen gerade einen Nachwuchspreis verliehen hatte. Ob solche Sätze jetzt gewollt despektierlich geraten sind, bleibt offen – das sorgt für Heiterkeit im Publikum, sind sie doch das Salz in der Suppe der traditionellen Rundgänge zum Start der IT-Ausstellung in Hannover.

Pünktlich um 9.00 Uhr, wenn die Besuchermassen noch auf ihren Einlass warten, herrscht partiell Ausnahmezustand auf dem Messegelände. Über die Hildesheimer Straße sei die Kanzlerin mit ihrem Tross im Anmarsch, verkündet eine Stimme im Funkgerät des Messe-Shuttlebusses, mithin sei das Gelände gleich blockiert. Das ist kaum übertrieben: Zumindest rund um die besuchten Unternehmen herrscht für jeweils fünf Minuten Chaos. Kamerateams und Fotografen balgen sich um die besten Plätze, und wer die höchste Trittleiter hat, gewinnt.

Das diesjährige Motto lautet „Shareconomy“

Merkels Programm ist ambitioniert: In gerade zweieinhalb Stunden besucht sie siebzehn Unternehmen und Organisationen in acht Hallen. Eilig geht es von kleinen Anbietern, die vorher niemand kannte und nachher keiner mehr kennen wird, bis zu den großen Namen wie SAP, Deutsche Telekom, IBM, Samsung. Begleitet wird Merkel vom polnischen Ministerpräsidenten Donald Tusk, dessen Land diesmal Partnerland der Cebit ist und vom neuen niedersächsischen SPD-Ministerpräsidenten Stephan Weil.

Immer wieder stoßen die ranghohen Besucher auf das Topthema der Cebit: Das diesjährige Motto lautet „Shareconomy“ – ein Kunstwort aus den englischen Begriffen für Teilen und Wirtschaft. Es soll den Austausch von Produkten und Ressourcen mit Hilfe des Internets illustrieren. Auch Unternehmen wie SAP teilen ihr Wissen gebührenfrei über Online-Kurse mit interessierten Studenten. Und so gibt die Cebit „Teilen statt besitzen“ als Trend vor; eine Entwicklung, die sich schon seit einiger Zeit im Bereich Mobilität mit dem Car-Sharing durchsetzt. In der IT sollen Computersysteme dabei unterstützend eingreifen und den Weg bereiten.

„Sehr beeindruckend“

Schon am Vortag hatte die Bundeskanzlerin deutlich gemacht, dass ihr die gesellschaftlichen Aspekte der schönen neuen Computerwelt am Herzen liegen. Zwar weiß auch sie, dass IT und Telekommunikation nach wie vor zu den wachstumsstärksten Branchen gehören und für die wirtschaftliche Entwicklung Europas wichtig sind. Gleichzeitig verwies sie darauf, dass die Allgegenwart des Netzes und die Möglichkeiten des 24-Stunden-Konsums gravierende gesellschaftliche Veränderungen mit sich bringen. „Ich will das Ganze nicht schlechtmachen, aber wir stehen vor einem unglaublichem Wandel von Industrie und Arbeitswelt.“ Eigentlich müsste sich an die Cebit noch ein Kongress anschließen, der sich mit solchen Themen beschäftige.

Am Ende des Rundgangs lautete Merkels Fazit: „Man sieht, dass sich die Dinge immer weiter vernetzen.“ „Sehr beeindruckend“ fand die Kanzlerin die vielen Start-Up-Unternehmen, die mit den etablierten zusammenarbeiten. Kreativität und Ideen würden eingespeist in das, was große Firmen bereits könnten. „Insofern verspricht diese Cebit eine sehr interessante Messe zu sein.“ Sprachs und fuhr im Konvoi von dannen – am Abend wartete schließlich schon die Reisemesse ITB in Berlin auf ihre Eröffnung.

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Jahrgang 1966, Redakteur in der Wirtschaft.

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