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Cebit 2012 Die Kontrolle der Datenwolke

 ·  Die Menge digital gespeicherter Daten steigt rasch an. Damit wächst aber auch die Gefahr von Missbrauch.

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Die Informationstechnologie (IT) macht sich auf ihrem Höhenflug daran, in diesem Jahr gleich zwei Schallmauern zu durchbrechen: Erstmals werden Unternehmen der Branche nach Prognosen des Analystenhauses Gartner mehr als 100 Milliarden Dollar erlösen mit Angeboten rund um zentral verwaltete elektronische Datenverarbeitungssysteme (EDV), auch als Cloudcomputing bekannt. Darüber hinaus werden 2012 digitale Daten im Umfang von mehr als 2000 Exabytes gespeichert. Das entspricht der zehnfachen Menge aller in den Bibliotheken der Welt aufbewahrten Bücher.

Volker Smid, Deutschlandchef des amerikanischen IT-Unternehmens Hewlett-Packard sagt: „Wir befinden uns inmitten einer technischen Revolution.“ Sabine Bendiek vom Konkurrenten EMC sagt: „Cloudcomputing ist gerade dabei, die Art und Weise, wie wir mit Informationen umgehen, radikal zu ändern.“ Hagen Rickmann von T-Systems erklärt: „Die Sicherheit von Daten ist das große Thema.“ Nach den Skandalen um millionenfachen Datendiebstahl und massenhaftem Computerhacking haben die Macher der Cebit nach den Messemotto „Cloudcomputing“ im vergangenen Jahr nun die Sicherheit dieser Technologie zum Leitthema ihrer diesjährigen Ausstellung gemacht.

Kein Wunder: Privatnutzer hinterlegen mittlerweile ihren gesamten E-Mailverkehr, Tausende Fotos, Briefe und wichtige Dokumente auf den Netzwerkrechnern großer Internetfirmen. Unternehmen spulen Teile ihrer Büroarbeit, ihrer Geschäfts- und Produktionssteuerungen via superschneller Datenleitungen über Programme ab, die auf den Servern von IT-Dienstleistern wie SAP, Oracle, Microsoft oder Amazon liegen. Dafür haben die Anbieter von EDV-Dienstleistungen Milliarden Euro in ihre technische Infrastruktur gesteckt, haben quer über die Kontinente armdicke Kabelstränge ziehen und von Bangalore bis München ganze Rechnerparks aufbauen lassen.

So errichtete Microsoft ein hochmodernes Datenzentrum in Irland, Hewlett-Packard investierte in ein neues Rechencluster in England. Die deutsche T-Systems hat mit dem japanischen Speicherspezialist Hitachi Data Systems gerade eine neuartige Rechnerplattform zur Speicherung und Verwaltung von Daten ihrer Geschäftskunden entwickelt. Der französische Konkurrent Atos und EMC zogen nach. Allerdings ist nach einer Untersuchung von Stefan Heng, Analyst der Deutschen Bank, „mehr als die Hälfte der deutschen Mittelständler nach Einführung von Cloudcomputing vom unmittelbaren Ergebnis derzeit nicht voll überzeugt“. Sicherheit steht ganz oben auf der Bedenkenagenda. Die Datenwolke muss kontrollierbar sein. Das führt die Ausgaben für IT-Sicherheit aller Art in diesem Jahr an die Grenze von 40 Milliarden Dollar heran. Die Gesetzgeber in aller Welt reagieren. Die Sicherheitsbehörden sind alarmiert.

Das scheint auch notwendig zu sein, denn das Internet wimmelt von Viren und Trojanern. Wer sie sich einfängt, kann den Diebstahl vertraulicher Daten riskieren und den Verlust seiner digital unterlaufenen Privatsphäre. Allein in Deutschland wird nach Angaben des Bundesinnenministeriums das Internet quasi im Sekundentakt angegriffen, wird versucht auf die Festplatten von Rechnern in Ministerien, öffentlichen Einrichtungen oder in einfachen Haushalten vorzudringen. Datenklau und Wirtschaftsspionage sind an der Tagesordnung. Die damit verbundenen Verluste betragen nach Einschätzung des Bundeswirtschaftsministeriums allein hierzulande Milliarden von Euro. Hagen Rickmann von T-Systems verweist in diesem Zusammenhang auf die strengen deutschen Richtlinien zum Datenschutz. Daten in Rechenzentren in Deutschland, seien sicherer als anderswo.

Die Worte einer „Deutschen Cloud“ machen die Runde, seit sie der einstige Chef des Branchenverbandes Bitkom, August-Wilhelm Scheer, in kleiner Runde an einem Berliner Mittagstisch vor drei Jahren erstmals in den Mund nahm - als Arbeitsthese für sichere Datenspeicherungen. „In der Welt des Internet und grenzüberschreitenden Datenverkehrs habe ich keine Vorstellung, was eine deutsche Cloud sein soll“, meint Volker Smid. „Daten können in Amerika genauso sicher gespeichert werden, wie in Deutschland oder England.“ Rickmann von T-Systems sagt: „Dann frage ich mich, warum die das dort oft nicht machen.“ Sabine Bendiek vom IT-Riesen EMC weist darauf hin, dass es vielen deutschen Nutzern wichtig sei zu wissen, wo ihre Daten liegen. „Allein zu wissen, dass Daten in Rechenzentren in Deutschland liegen, gibt vielen ein sicheres Gefühl.“

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