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Im Gespräch: Wikipedia-Gründer Jimmy Wales „Dann hat die Community die Kontrolle“

Jimmy Wales ist Mitgründer von Wikipedia und hätte somit Grund genug sich zurückzulehnen. Doch der 42 Jahre alte Amerikaner „will den Rest der Bibliothek ausbauen“. Im FAZ.NET-Interview spricht er über seine aktuellen Projekte wie Wikianswers und Wikia.

© Vergrößern Er will den Rest seiner Bibliothek erweitern: Jimmy Wales, Mitgründer von Wikipedia

Jimmy Wales ist Mitgründer von Wikipedia und hätte somit Grund genug sich zurückzulehnen. Doch der 42 Jahre alte Amerikaner arbeitet an weiteren Projekten wie Wikia, Wikianswers oder Wikia Search. Ein Gespräch über die Kontrolle der Community, die Unmöglichkeit der Internetzensur und das Zitieren von Wikipedia-Einträgen in wissenschaftlichen Arbeiten.

Herr Wales, eines ihrer aktuellen Projekte heißt „Wikia“. Was ist das?

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Wir errichten den Rest unserer Bibliothek.

Jimmy Wales 2 © AFP Vergrößern „Dann hat die Community die Kontrolle”

Ist Wikipedia – das ja allein in deutscher Sprache seit Mai 2001 auf nunmehr 867.908 Artikel gekommen ist – nur ein Teil dieses Gebäudes?

Wenn sie eine Bibliothek besuchen, wollen sie nicht immer in Enzyklopädien wie Wikipedia schauen. Vielleicht sind sie auch an humorvollen Inhalten oder politischen Projekten interessiert. Das sind Dinge, die nicht in Wikipedia gehören, sondern in Form des Wiki-Models gesammelt werden. Junge Menschen können nun also auch für Wikia ihre lustigen, humorvollen oder politischen Beiträge ins Netz stellen.

Können sie Beispiele nennen?

Uncyclopedia ist etwa eine Parodie auf Wikipedia, also eine witzige Seite, die genauso aussieht, deren Einträge allerdings nur Gags sind. Sie werden Spaß haben beim Lesen. Bei Wikipedia hingegen wird nur klassische Information angeboten. Ein anderes Beispiel ist Wikia Green, wo es nur um ökologisches Leben geht. Es ist keine neutrale oder objektive Seite, sondern will die Menschen erziehen.

Auf den Websites der Projekte findet man Werbung in Form von Bannern und Google Ads. Ändern sie gerade ihr Geschäftsmodell?

Das ist einfachste Standard-Werbung. Alles, was ich tue, basiert auf der Idee der freien Lizenzierung. Unsere Arbeit stellen wir unter die Gnu-Lizenz für freie Dokumentation. Deswegen kann man Wikia mit Open-Source-Software vergleichen. Man kann freie Software kopieren und modifizieren, auch weiterverkaufen. Wir haben die gleiche Philosophie.

Ein weiteres Projekt ist Wikianswers, das in Deutschland gerade gestartet wurde.

Dahinter steckt die Idee, dass Leute Fragen stellen und eine schnelle Antwort bekommen. Nutzer müssen sich nicht registrieren, die Beiträge stehen unter einer freien Lizenz. Alle Inhalte gehören für alle Zeiten der Gemeinschaft und nicht irgendeiner Firma.

Was ist der Unterschied zu Webseiten wie Yahoo!Clever?

Dort werden Fragen selten wirklich beantwortet. Der Nutzer muss aus vielen Antworten für sich entscheiden, welche die richtige ist. In unserem Wiki-Format ist es möglich, immer eine beste Antwort anzugeben, weil sie kontinuierlich verbessert wird.

Fürchten sie bei ihrem Suchmaschinenprojekt Wikiasearch nicht auch die Konkurrenz – wie etwa Google?

Der wichtigste Unterschied ist, dass wir die redaktionelle Verantwortung in die Hände der Community geben. Andere Suchmaschinen kontrollieren auf geheime Weise, welche Treffer bei den eingegebenen Suchbegriffen erscheinen. Meine Vorstellung ist eine andere: Lasst uns versuchen, diese Suchabfragen zu öffnen für den öffentlichen Dialog. Dann hat die Community die Kontrolle.

Sie sprechen immer wieder die Stärke der „Community“ an. Deswegen werden sie in manchen Ländern auch zensiert. Wie gehen sie damit um?

Wir wollen nicht von Zensoren beeinträchtigt werden. Der Zugang zu Wissen ist ein menschliches Grundrecht. Was ich mittlerweile erkenne, ist der Trend zu mehr Offenheit – etwa auch in China, aber ebenso in anderen Ländern. Das Internet zu zensieren ist unmöglich. Außerdem bemerken viele Regierungen mittlerweile, dass die Internetzensur kein nützliches Werkzeug ist, um Kontrolle über den Informationsfluss zu haben.

Auch die Wissenschaft vertraut Ihrer Community nicht so recht. Viele Lehrer und Professoren akzeptieren Wikipedia-Quellenangaben nicht.

Ich denke nicht, dass eine Enzyklopädie als eine Quelle in einer akademischen Arbeit vorkommen sollte. Dafür sind sie nicht geschaffen – auch wenn Studenten Wikipedia ständig und überall benutzen. Selbst wenn die Beiträge von hoher Qualität sind, kann es nur eine Einführung ins Thema sein.

Die Fragen stellten Marco Dettweiler und Roberto Zicari.

Quelle: F.A.Z.

 
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