25.02.2005 · Digitalkameras liegen voll im Trend. Die Verkaufszahlen wachsen so schnell, das auf den ersten Blick kaum eine Zukunft für den „altmodischen“ Fotofilm bleibt. Doch das stimmt nicht.
Vier von fünf in Deutschland verkauften Fotoapparaten sind heute digital. Allein 2004 haben die Deutschen etwa sieben Millionen Digitalkameras gekauft. In diesem Jahr dürften weitere acht Millionen hinzukommen.
Auf der am 10. März in Hannover startenden Computermesse Cebit werden die neuesten Digitalkameras vorgestellt. Ein wesentlicher Grund für die starke Verbreitung der Chipkameras sind die ständig fallenden Preise. In Fachkreisen wird sogar spekuliert, ob die Produktion von Kameras für die klassische Filmpatrone überhaupt noch lohnt.
„Der Film wird bleiben“
Der Verkauf der Filmrollen ging im vergangenen Jahr um rund 15 Prozent auf 133 Millionen zurück, berichtet der deutsche Photoindustrie-Verband. Doch ebenso wenig wie das Fernsehen das einst erwartete Ende der Zeitung bedeutete, scheinen die digitalen Bilderfänger das Negativ ganz zu verdrängen.
„Keine Chance, der Film wird bleiben“, sagt Barbara Wolff, Sprecherin von Linhof, der ältesten Kamera-Fabrik der Welt aus München. Dies sei schon allein durch den hohen Stellenwert der Fotografie im internationalen Kunstmarkt sicher. Dort seien großformatige Negative und Abzüge gefragt. Allerdings könne es sein, daß das Filmsegment künftig kleiner, teurer und elitärer werde. „Die breite Masse wird digital fotografieren“, erwartet Wolff.
Hoher Zeitaufwand
„Wer Porträts aufnimmt, kehrt dafür mitunter wieder von der digitalen Kamera zum Film zurück“, sagt Christian Ritt vom Filmhandel Phobatec im bayerischen Türkenfeld.
Einen der Gründe dafür sieht er in dem hohen Zeitaufwand, den die Nachbearbeitung eines digital aufgenommenen Bildes erfordere. „Aber überall da, wo Schnelligkeit gefragt ist und technische Qualität nicht die alles überragende Rolle spielt, gibt es nur noch digitale Bilder. Da gibt es kein Zurück.“
Digitalkameras zum Trotz
Noch weniger als ein Ende des Films ist allerdings das Ende der Abzüge abzusehen. Dessen ist sich jedenfalls das größte Fotolabor der Welt in Oldenburg sicher. Dort kann CeWe Color maximal fast sechs Millionen Bilder am Tag fertigen.
2004 liefen 3,5 Milliarden Abzüge durch die Entwicklungsbäder des Unternehmens, sagt CeWe-Sprecherin Hella Meyer. Und allen Verkaufszahlen der Digitalkameras zum Trotz: 85 Prozent der Bilder kamen vom chemischen Film. „Und dieses Verhältnis wird sich so schnell nicht ändern“, sagt Meyer. Zu groß sei der Bestand herkömmlicher Fotoausrüstungen in den deutschen Haushalten.
150 Bilder pro Jahr
Erst etwa seit 2002 sei der Verkauf analoger Kameras rückläufig, da seit dieser Zeit die digitalen Sensoren mit dem Film mithalten könnten. Zur Zeit seien rund 22 Prozent der Kameras in deutschen Haushalten digitale Geräte, die es bei der Qualität mit analogen Fotoapparaten aufnehmen können, schätzt CeWe.
Nach den Statistiken von CeWe unterscheidet sich das Aufnahmevolumen der Silizium- und Chemie-Fotografie kaum. Der typische Digital-Amateur fotografiere etwa 400 Aufnahmen im Jahr, lösche davon 100, lasse vom Rest etwa die Hälfte drucken und habe dann rund 150 Bilder in der Hand, sagt Meyer. Eine fast identisches Zahl der Aufnahmen sieht sie beim Analog-Amateur: Der belichte 4 bis 5 Filme, also auch rund 150 Aufnahmen.
Plus in der Aufbewahrung
Ein noch wenig erforschtes Feld ist die dauerhafte Aufbewahrung der digitalen Bilder. Wie lange die heute weit verbreiteten Speichermedien CDs und DVDs halten, ist unbekannt. Einige Experten gehen von weniger als 50 Jahren aus, bevor die Oxidation die Daten zerstört - wenn dann überhaupt noch jemand ein kompatibles Lesegerät besitzt.
Dagegen halten sich die Negative der Ur-Leica, des von Oskar Barnack 1914 konstruierten Vorfahren der Kleinbildkamera, seit fast 100 Jahren. Und imkompatible Lesegeräte sind für sie ein Fremdwort: Ein Vergrößerer funktioniert überall auf die gleiche Weise.
Die Wahl hat der Kunde
Das ist mit ein Grund für die Annahme der Firma Leica im hessischen Solms, daß es immer eine Nische für den Film geben wird. „Wir lassen dem Kunden aber die Wahl“, sagt Leica-Sprecherin Sandra Looke und verweist auf das vom Fotografen selbst wechselbare digitale Rückteil für die aktuellen Spiegelreflexmodelle R8 und R9.
In Sachen Auflösung übrigens ist ein optimal belichteter und entwickelter klassischer Schwarz-Weiß-Film selbst der aktuellen Top- Digitalkamera, Canons „EOS-1Ds Mark II“ mit fast 17 Millionen Pixeln überlegen. Unter günstigsten Umständen könne das Kleinbild-Negativ auf der gleichen Fläche wie der Halbleiter-Sensor der Super-Canon theoretisch rund 140 Millionen Bildpunkte erfassen, hat Kodak einmal kalkuliert.