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Camcorder von Sony Das Campingzelt als Kinoleinwand

 ·  Mobiles Heimkino mit dem Sony-Camcorder: Die neue Videokamera HDR-PJ260 hat einen Winzig-Beamer im Monitor-Gehäuse. Der Preis ist adäquat.

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© Hersteller Beamer an Bord: Sony Camcorder HDR-PJ260

Seit wir alle mit unseren Smartphones knipsen und filmen, was das Zeug hält, müssen sich die Hersteller von klassischen Camcordern etwas einfallen lassen: Für die Extra-Hardware im Handgepäck wollen wir plausible Argumente. Sony versucht es mit einer hübschen Idee: Die neue Videokamera HDR-PJ260 hat zur Wiedergabe einen Beamer an Bord. Er sitzt auf der Rückseite des schwenkbaren Monitors und beansprucht so wenig Platz, das er dessen Gehäuse nur um wenige Millimeter dicker macht. Wozu wir das brauchen? Sony erklärt es uns mit einem in der Kamera gespeicherten Werbefilmchen: Der Familienausflug endet mit einer Live-Vorführung in freier Natur, in der ein Kühltaschen-Deckel die Leinwand gibt. Beim Camping erfüllt eine Zeltwand den nämlichen Zweck, und selbst ein weißer Gitarrenkorpus, eben noch munter bespielt, taugt als Projektionsfläche.

Aber das ist längst nicht alles: Der zierliche, anthrazitfarbene Apparat filmt mit einem Objektiv, das jedes Smartphone alt aussehen lässt. Einen 30fachen Zoom-Bereich melden die Datenblätter, beginnend mit einem Weitwinkel, der einer Kleinbild-Brennweite von 30 Millimeter entspricht. Die Zoom-Bereiche der meisten Kamkorder fangen erst oberhalb von 40 Millimeter an. Die Sony-Linsen sind somit klar im Vorteil, besonders bei Innenaufnahmen, die möglichst viel vom Raum einfangen sollen, und das Beste daran: Sie leisten sich kaum jene tonnenförmigen Verzeichnungen gerader Strukturen an den Bildrändern, die man sonst bei Weitwinkel-Aufnahmen als beinahe unvermeidlich akzeptiert.

Fotos mit 9 Millionen Bildpunkten

Und noch ein paar andere Fakten beeindrucken: Der Camcorder schafft die HD-Videoauflösung von 1920×1080 Bildpunkten im Vollbildmodus, er kann also in jeder Sekunde 50 komplette Einzelbilder machen. Fotos schießt er sogar mit 9 Millionen Bildpunkten. Und den Ton fängt er mit mehreren Mikrofonkapseln ein; die Elektronik macht daraus einen Heimkino-Soundtrack in Dolby Digital mit 5.1 Kanälen. Besonders pfiffig: Die Gesichtserkennung der Kameraelektronik kann die Tonabteilung veranlassen, die Sprache einzelner Akteure vor der Kamera extra deutlich aufzunehmen. Ein weiteres reizvolles Detail: Den Ort der Aufnahmen identifiziert der Kamera-Knirps mit einem eingebauten GPS-Empfänger. Das hilft später, im Medienarchiv den Überblick zu wahren.

Alle fertigen Aufnahmen landen entweder im eingebauten 16-Gigabyte-Speicherchip, oder sie wandern auf eine Speicherkarte. Der dafür vorgesehene Schacht akzeptiert sowohl den Memory Stick Pro Duo oder Karten des Typs SDXC. Soll sich später ein Computer der Filme und Fotos zur Weiterverarbeitung annehmen, so genügt ein einziger Handgriff, um die nötige Verbindung herzustellen, ein passendes USB-Kabel ist schon fest mit dem Kameragehäuse verbunden; der Stecker verbirgt sich in einem Täschchen an der Halteschlaufe. Für Windows-Rechner liefert Sony ein einfaches Kopier-, Verwaltungs- und Nachbearbeitungsprogramm, Mac-Jünger verweist der Hersteller auf iPhoto und iMovie.

Die Bedienung der kleinen Aufnahmemaschine ist alles andere als Hexenwerk: Die dickleibige Bedienungsanleitung kann man getrost in der Verpackung lassen - wenn man denn akzeptiert, dass die Kameraelektronik alles automatisch richtet. Denn das Menü auf dem Touchscreen-Monitor führt mit plakativer Darstellung sicher durch alle Schritte der unvermeidlichen Voreinstellung. Wer allerdings die Automatik gern mal abschaltet, etwa, um die Schärfe von Hand zu justieren, wird mit diesem Gerät nicht recht glücklich: Er muss dazu jedes Mal allzu tief in die Menüstrukturen vordringen.

Wir haben uns einfach der Vollautomatik anvertraut und damit sehr gute Ergebnisse erzielt. Die Vollbild-Videos sehen auf großen Bildschirmen einfach toll aus, sehr detailreich, mit feinen, glatten Konturen und natürlichen, nie allzu knalligen Farben. Der optische Bildstabilisator arbeitet gut und sicher; lediglich extreme Tele-Einstellungen erfordern ein Stativ. Der Ton beeindruckt natürlich besonders über eine ausgewachsene Heimkino-Anlage; der Surround-Sound aus eigene Produktion macht einfach Spaß. Auch unsere Fotos haben uns gefallen. Sonys Multitalent hat sie fast so flink geschossen wie eine spezialisierte Fotokamera: Weder der Autofokus noch die übrige Elektronik haben für größere Verzögerungen gesorgt, wie wir sie von vielen anderen Kamkordern her kennen. In extremen Tele-Einstellungen arbeitete der Autofokus vielleicht sogar ein bisschen zu flink, manchmal leider auf Kosten der Schärfe. Und wie schlägt sich der Projektor? Er schafft natürlich keine HD-Qualität; 640×360 Pixel ist sein Rastermaß. Aber das reicht für das Instant-Vergnügen völlig aus, zumal der kleine Beamer Bildflächen mit Diagonalen bis zu einem Meter beachtlich hell ausleuchten kann. Alles in allem also lohnt sich die Investition in diesen vielseitigen Apparat, für den der Händler nicht Unzumutbares verlangt: Der Preis für den HDR-PJ260 liegt bei 600 Euro.

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