Home
http://www.faz.net/-gy9-6zd32
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Bugatti Veyron Der flach fliegende Düsenjäger

 ·  Der Motor brüllt infernalisch. Dann peitschen 1882 Kilogramm Kampfgewicht vorbei. Kein Düsenjet, sondern der Bugatti Veyron 16.4 Grand Sport Vitesse auf Testfahrt.

Artikel Video (1) Lesermeinungen (13)
© Hersteller Probefahrt Bugatti Veyron: Zu schnell für diese Welt

Die traurige Wahrheit ist: Der Bugatti Veyron 16.4 mit 1001 PS ist einfach zu schnell für diese Welt. Mit einer Geschwindigkeit, die etwa 60 km/h über der von Formel-1-Pilot Sebastian Vettel während seiner Qualifikationsrunde zum Rennen liegt, kann man nirgendwo einfach so herumfahren. Auch nicht in den entlegensten Regionen dieser Welt. Oder doch?

Nach sieben Jahren Bauzeit sind alle 300 Einheiten der Kleinserie Bugatti Veyron 16.4 mit 1001 PS Motorleistung verkauft. Für besonders PS-hungrige Kunden legt die Manufaktur noch 150 Bugatti Veyron 16.4 mit geschlossenem Kohlefaser-Monocoque (als Super Sport) sowie mit herausnehmbarem Glasdach (als Grand Sport Vitesse) auf. Das Besondere daran: Coupé und Roadster werden vom leistungsgesteigerten 8,0-l-W16-Quadturbo-Triebwerk befeuert, einem Mittelmotor, der weit mehr als 3000 PS produziert, um letztlich 1200 PS an vier Antriebsräder zu schicken. Damit werden Fahrleistungen möglich, die der Begriff „atemraubend“ nur unzureichend erfasst. Am intensivsten brennt es dem Roadster Bugatti Veyron 16.4 Grand Sport Vitesse unter der Haut. Er soll von August an die ersten Kunden erreichen. Wir begleiten die letzte Abstimmungsfahrt von Bugatti-Testingenieuren ins entlegene Südafrika.

Wer sich ins Revier der Ingenieure verirrt, nimmt zunächst ein tiefes Wummern wahr und vermutet ein aufziehendes Gewitter oder gar eine herantrabende Elefantenherde. Doch dann zeichnen sich zwei Scheinwerfer an der Schnittstelle von Horizont und flimmerndem Asphalt ab, und dann geht alles rasend schnell: Der 2 Meter breite und 1,19 Meter flache Supersportwagen braust heran, treibt eine Druckwelle vor sich her. Der Motor brüllt infernalisch, das scharfe Zischen der vier Turbolader legt sich lautstark darüber. Dann peitschen 1882 Kilogramm Kampfgewicht vorbei. Kein Düsenjet, der die Radarüberwachung unterfliegt, sondern der Bugatti Veyron 16.4 Grand Sport Vitesse auf Testfahrt.

An 300 Messstellen erfassen Nickel-Chrom-Nickel-Thermoelemente Temperaturen der Haupt- und Nebenaggregate, Flüssigkeiten und Luftströme vor und nach Durchströmung von Kühlern. Sie messen auch das Temperaturverhalten von Dämpfern und des lederbezogenen Armaturenträgers. Unregelmäßigkeiten können die Entwickler schon vor Ort aufspüren, die auslösenden Parameter definieren und Einstellungen korrigieren, um Fehler fortan auszuschließen.

Die explosionsartige Kraftentfaltung des 16-Zylinder-Mittelmotors, der bis zu 1500 Newtonmeter anlegt, unter freiem Himmel zu erleben, speist die einzigartige Faszination des Vitesse. Gespräche im Fahrgastraum sind bis 250 km/h ohne Schwierigkeiten möglich. Vorausgesetzt, man diszipliniert seinen Gasfuß. Gilt es, die Frisur seiner Beifahrerin zu schonen, montiert man das dreiteilige Windschott. Es rastet in die Aufnahmen des Glasdachs ein. Während der Vitesse mit montiertem Hardtop eine Höchstgeschwindigkeit von 415 km/h erreicht, überwindet er den Luftwiderstand bei geöffnetem Dach bis zu einem Tempo von 375 km/h. Die Abwesenheit des versteifenden Hardtops hat ein verändertes Schwingungsverhalten des Gesamtfahrzeugs zur Folge, dem Bugatti-Entwickler mit einer komplett neuen Fahrwerksabstimmung begegnen.

Den Fahrkomfort sichern neue Dämpfer, deren Ventile auf Anregungen des Asphalts schneller reagieren. In Verbindung mit marginal weicheren Federn bleibt der neue Vitesse auch in Geschwindigkeitsregionen jenseits der 300 km/h kommod zu führen. Deutlich spürt der Fahrer, wie mit wachsendem Tempo zunehmend mehr Ruhe einzieht. Bei gleichbleibend engem Kontakt zur Straße werden störende Anregungen durch unebenen Belag im Vitesse wirkungsvoller unterdrückt als im Coupé-Schwestermodell Super Sport. Die Lenkung des Hochleistungssportwagens dämpfen zwei neue Schwingungsdämpfer im Pralltopf des Lenkrades. Sie filtern störende Einflüsse, ohne die Lenkpräzision zu beeinträchtigen.

So ist der neue Bugatti Veyron 16.4 Grand Sport Vitesse nicht nur der stärkste und schnellste straßenzugelassene Roadster des Planeten, sondern auch der begehrenswerteste Veyron. Ganz nebenbei dürfte er auch der wertvollste sein. Er kostet 2.011.100 Euro, mit Extras auch etwas mehr.

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Lesermeinungen zu diesem Artikel (13)
Weitersagen

Es werde Licht

Von Georg Küffner

Die optimale „Reiseausrüstung“ zu finden, braucht Zeit und Erfahrung. Geschäftsreisende und Vielfachurlauber kennen sich damit bestens aus. Mehr