Wir hatten uns schon einige Sätze auf Russisch zurechtgelegt, um sie dem neuen 7er BMW zu diktieren. Denn zur Fahrvorstellung hatte BMW nach St. Petersburg eingeladen, und dort gab es das erste Auto der Welt mit Freitext-Spracherkennung auszuprobieren. Apple hat das Thema mit seiner Assistentin Siri populär gemacht. Die Technik stammt jedoch vom amerikanischen Hersteller Nuance, der auch für die Entwicklung und Verwirklichung im überarbeiteten 7er verantwortlich zeichnet.
Die Idee ist bestechend: Man diktiert ein paar Sätze, und wie im Fall des iPhone wird die Audiodatei via Mobilfunk zu den Nuance-Rechnern übertragen, dort transkribiert und als Text zurück ins Fahrzeug geschickt. Was auf dem Smartphone prima funktioniert, erhält in der Oberklasse-Limousine weitere raffinierte Zutaten. So ist das akustische Sprachmodell auf die Nebengeräusche des Fahrzeugs abgestimmt, diese werden automatisch ausgeblendet. Das Resultat ist eine höhere Erkennungsleistung. Die lässt sich noch einmal verbessern, wenn ein persönliches Sprachmodell zum Einsatz kommt - wie bei der PC-Software Dragon Naturally Speaking. Allerdings lässt sich das Vokabular der BMW-Lösung nicht individuell erweitern. Sechs Sprachen erkennt der 7er, im modernisierten Connected Drive ist ein Menüpunkt „Office“ hinzugekommen, der das Diktieren von E-Mail und SMS erlaubt.
Nur konnten wir in St. Petersburg nichts ausprobieren, und das lag weder am iPhone noch an unseren mangelhaften Russischkenntnissen. Vielmehr ist für die Sprachlösung ein Smartphone mit dem Bluetooth-Profil MAP erforderlich, und dieses „Message Access Profile“ gibt es nur in einigen Blackberrys und Motorolas sowie älteren Palm-Organizern. Wer ein iPhone verwenden will, muss bis zum Start von iOS 6 warten, das im Herbst kommt.
Der modifizierte 7er geht indes schon in diesen Tagen an den Start, und wer ihn von seinem Vorgänger unterscheiden will, sollte auf die neuen (optional erhältlichen) LED-Scheinwerfer achten. Zudem haben die beiden Nieren einen dickeren Chromrand, und die Blinker wandern nun an die Unterkante der Spiegel. Die Abmessungen des 7er haben sich mit der Überarbeitung nur marginal geändert, um sieben Millimeter ist die Limousine in der Höhe geschrumpft. Dass die Motoren stärker und effizienter werden, hebt BMW besonders hervor. Der günstigste 730d mit seinem Dreiliter-Sechszylinderdiesel bietet nun 190 kW (258 PS) und ein Drehmoment von 560 Newtonmeter. Grundpreis: 74 900 Euro. Premiere feiert ein neuer Sechszylinder mit 235 kW (320 PS) im 740i, der auch den BMW Activehybrid 7 antreibt und dann von einem 40-kW-Elektromotor unterstützt wird. Das rein elektrische Fahren soll für vier Kilometer möglich sein.
Im Activehybrid 7 ist zudem die Leistungselektronik mit dem Navigationssystem vernetzt. Auf Basis von Daten wie Streckenprofil, Tempolimits oder Verkehrslage werde das Fahrzeug „vorausschauend konditioniert“, teilt BMW mit, „damit die verfügbare Energie mit maximaler Effizienz genutzt werden kann“. Eine längere Bergabfahrt lasse sich zum Aufladen der Batterie nutzen, um später in der Stadt rein elektrisch zu fahren. Neu in der Navigationsabteilung sind dreidimensional gestaltete Menüs und die verbesserte perspektivische Darstellung der Umgebung. Bei der Fahrt durch St. Petersburg konnten wir zwar die Ortsnamen in der Regel nicht lesen, wurden aber mit der Gebäudedarstellung prima durch die Stadt gelotst.
Zur neuen Sicherheitsausstattung gehört die Personenerkennung des Nachtsichtsystems (BMW Night Vision) mit Infrarot-Wärmebildkamera. Fußgänger, Radfahrer und Tiere werden auch außerhalb des Lichtkegels der Scheinwerfer erkannt. Spannend wird das Ganze in Verbindung mit der Personenerkennung: Identifiziert das System einen Menschen innerhalb der Gefahrenzone, gibt das Bordsystem eine optische und akustische Warnung aus. Personen werden angestrahlt, auch wenn sie sich bewegen. Die entsprechenden LED-Scheinwerfer befinden sich außen in der Frontschürze anstelle der Nebelscheinwerfer, sie sind schwenkbar und können rechnergesteuert das Zielobjekt präzise anleuchten. Spurhalte- und Fernlichtassistent, Abstandsregeltempomat, Müdigkeitswarner sowie eine kameragestützte Verkehrszeichenerkennung komplettieren die Sicherheitsausstattung.
Wie andere Hersteller ersetzt nun auch BMW die klassischen Rundinstrumente für Tachometer und Drehzahlmesser. Gegen Aufpreis gibt es digitale Displaytechnik auf einer Diagonale von 26 Zentimeter. Das „multifunktionale Instrumentendisplay“ in Black-Panel-Technik lässt sich vielfältig konfigurieren. Insbesondere wechseln Anzeige und Farbe je nach Fahrmodus. Wer im Eco-Pro-Betrieb unterwegs ist, sieht Angaben zum momentanen Benzinverbrauch oder zur per Rekuperation zurückgewonnenen Energie. Betätigt man forsch das Gaspedal, färbt sich die Anzeige grau und weist auf den Mehrverbrauch hin. Ferner werden Hinweise auf dem Bordmonitor eingeblendet. Im Sportmodus hingegen beschränkt sich die Anzeige auf das Wesentliche: Die Geschwindigkeit und der gewählte Gang des serienmäßigen Achtgang-Automatikgetriebes sind prominent und groß hervorgehoben. Im Activehybrid 7 muss man darauf verzichten - angeblich verbraucht die Anzeige zu viel Energie.