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Bildbearbeitung Photoshop in der Kamera

Die Manipulation von Fotografien hat nicht erst im Digitalzeitalter begonnen. Aber durch Bildbearbeitung in der Kamera erreicht sie eine neue Dimension und wird zu einem frei verfügbaren Gestaltungsmittel.

© Pardey Schmutzrand - wie in den Zeiten der Negativvergrößerung eingerahmt

Gepinselt und gebadet wurde schon immer. In den - nicht für alle, aber doch für die meisten - vergangenen Zeiten der Analogfotografie war Bildbe- und -verarbeitung vorwiegend eine feuchte Angelegenheit. Man hatte - nicht selten als höchstpersönliche, gehütete Rezepturen - besondere Chemikalien und Entwicklungsverfahren, um Negativen eine spezielle Charakteristik zu geben: feiner, grober, weicher, härter. Und in Abstimmung damit wählte man für seine Abzüge das passende Papier. Es gab Bäder, um positive Bilder zu tönen. Man belichtete ein zweites Mal diffus oder griff schlicht zum Tuschkasten. Und auch wer sich nicht zu solchen Feinheiten der Dunkelkammerarbeit aufschwang, der hatte doch seine Rot-, Gelb- und Grünfilter schon zu Zeiten der Schwarzweißfotografie in einem Etui am Riemen der Bereitschaftstasche hängen. Mit ihnen ließen sich etwa das Blau des Himmels über dem Gardasee und das Weiß der Urlaubswolken intensiver ablichten.

Hans-Heinrich Pardey Folgen:

Die Motive, das scheinbar objektiv vom Licht gezeichnete Bild zu verändern, waren ja auch keineswegs immer nur verwerflich. Zuerst mal ging es um Verbesserung, um Verschönerung und die Behebung von Bildfehlern, dann erst kam die Verfälschung. Aber das eine wie das andere erforderte bei der Analogfotografie eine Menge "Gewusst wie" und manuelle Geschicklichkeit. Das änderte sich auch nicht völlig mit dem Aufkommen der Digitalfotografie: Um auf einem leistungsstarken Tischrechner mit mächtigen Werkzeugen der Bildbearbeitung wie dem zum Gattungsbegriff gewordenen Adobe Photoshop umgehen zu können, musste man sich aber schon ein wenig intensiver einarbeiten. Und man bekam dazu eine Sehnenscheidenentzündung vom stundenlangen Hinundher mit der Maus.

18113313 Illustration aus der Pentax Q: Wasserfarben heißt der Digitalfilter © Pardey Bilderstrecke 

Dann kam PC-Software für den Massenmarkt. Die versprach, mit einem Mausklick aus der Kamera auf den Rechner hochgeladene Bilder zu verbessern. Das hieß: Ruck, zuck wurden blutigrote Kaninchenaugen behoben, das Programm korrigierte sachte den Tonwertumfang und schärfte diskret nach. Fast genauso rasch konnte man Bilder komplett verwandeln: Aus einem Farbbild wurde ein Schwarzweißbild. Farbe extrahieren, das konnte allerdings schon die Kamera - und das, obwohl stattliche Bücher darüber gedruckt worden sind, wie man das mit einem professionellen Programm macht. Auf dem PC-Bildschirm aber verwandelte sich ein banales Foto, ohne dass man viel einstellen musste, ebenso in eine Strichzeichnung oder in so etwas wie ein Aquarell oder ein buntes Glasmosaik.

Diese Filter, die ein Jedermann-Programm wie Photoshop Elements anbietet, unterschieden sich von denen des Profi-Programms hauptsächlich durch die Beschränkung auf eine einigermaßen übersichtliche Zahl von Veränderungsmöglichkeiten. Aber immer noch waren die Veränderungen ein Verfahren in mehreren Schritten: erst ein Bild machen, es auf den Rechner übertragen und dann bearbeiten. Doch allmählich verlagerte sich die Rechnerei in die Kamera. Denn um nichts anderes handelt es sich bei allen Filterungen, egal ob sie bloß behutsam verschönernd oder stark verfremdend wirken. Leistungsfähigere Prozessoren machen es möglich: Vor nur wenigen Jahren gab es in der Digitalkamera allenfalls eine Funktion, die Porträts durch Weichzeichnung schönte. Damit war der Apparat jeweils eine halbe Minute beschäftigt.

Besonders üppige Filterbatterien

Heute dagegen hat eine winzige Systemkamera wie die Pentax Q nicht weniger als elf Digitalfilter an Bord, und deren Auswirkungen lassen sich nicht nur vor der Einstellung und vor dem Auslösen "in Echtzeit" besichtigen, sondern der Benutzer kann bei einzelnen Filtern Parameter nach eigenen Wünschen verändern. Pentax und Olympus (hier ist von "Art-Filter" die Rede) bieten besonders üppige Filterbatterien an. Beide Hersteller bauen diese Funktionen keineswegs in anspruchslose Jedermann-Knipsen ein.

Umgekehrt wird ein Schuh daraus: Das bullige Spiegelreflex-Flaggschiff E-5 von Olympus (Gehäusepreis: rund 2000 Euro) verhält sich auf Knopfdruck wie eine chinesische Spielzeugkamera mit Plastiklinse. In ein einwandfreies Bild werden Unschärfen und Vignettierungen so typisch hineingerechnet, dass ein Lomograph ins Jubeln kommen könnte. Dass Olympus hartnäckig diesen Filter "Lochkamera" nennt, steht auf einem anderen Blatt.

Der Umgang mit den kamerainternen Filtern ist so einfach wie das Ändern des Weißabgleichs. Um statt eines Fotos eine Illustration wie die zartfarbige Innenansicht des Hamburgerlokals (links) zu erzeugen, wählt man in der Pentax Q den Filter "Wasserfarben". Ein weiterer Knopfdruck führt da hin, wo man in drei Stufen Strichstärke und Buntheit einstellen kann - fertig. Wenn das erste Ergebnis nicht gefällt, kann man rasch genug Veränderungen vornehmen. Die vier Aufnahmen der Apfelschale (rechts) wurden binnen einer Minute mit einer Olympus Pen E-P3 gemacht. Die legt einem ums Bild herum auf Wunsch noch einen unregelmäßigen schmalen Rahmen, wie er beim Vergrößern entstehen konnte und vor dreißig Jahren groß in Mode war.

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Diese Effekte lassen sich selbstverständlich auch mit externer Software nachträglich realisieren. Aber wer etwa versucht, den "Dramatic Tone" (siehe Bild oben), den er in einer kleinen Olympus XZ-1 im Nu eingestellt hat, mit einer speziellen Filtersoftware wie NIK Color Efex Pro 4 nachzubauen, der hat ganz schön zu tun. Er muss gleich mit mehreren Filtern hantieren, verschiedene Belichtungsstufen seines Bildes kombinieren, Masken unterschiedlicher Transparenz anlegen und hinsichtlich Luminanz, Kontrast und Sättigung feinjustieren. Die Kamera macht's einfacher.

Quelle: F.A.S.

 
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