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Veröffentlicht: 12.10.2012, 14:24 Uhr

Beyerdynamic T90 Offenheit als Charaktermerkmal

Beyerdynamic ist mit dem Kopfhörer T90 ein großer Wurf gelungen, der in der HiFi-Welt nicht zu den Alltäglichkeiten gehört. Und preislich spielt er nicht einmal in der obersten Liga.

© Hersteller Solide, elegant, souverän: T90 von Beyerdynamic

Offen? Geschlossen? Irgendetwas dazwischen? Die Bauprinzipien von Kopfhörern sortieren die HiFi-Gemeinde in unterschiedliche Lager. Die Vorzüge der geschlossenen Bauweise liegen auf der Hand: Die Hörkapseln schirmen gegen die akustische Außenwelt ab, das Hörerlebnis wirkt intimer, Bässe können besonders druckvoll auf die Trommelfelle einwirken. Und die Vorteile der offenen Bauweise? Wir diskutieren sie am besten am jüngsten Beispiel aus dem Hause Beyerdynamic, dem Modell T 90. Dieser Hörer zählt zur Kopfhörerfamilie mit dem Beinamen Tesla; das „T“ im Kürzel steht für das Initial des genialen Physikers und soll gleichzeitig ein technisches Merkmal signalisieren: Beyerdynamic erzielt in den Wandlerelementen dieser Hörer eine außergewöhnlich hohe magnetische Flussdichte, die in der Einheit Tesla gemessen wird. Praktisch steht diese Eigenschaft für hohen Wirkungsgrad: Schon geringe Spannungen am Ausgang des Kopfhörer-Verstärkers genügen, um hohe Lautstärken zu erzielen. Das kommt - theoretisch - einer verzerrungsarmen, souveränen Wiedergabe entgegen. Und nebenbei ergibt sich ein höchst willkommener Nebeneffekt: Hörer dieser Effizienzklasse sollten auch im Zusammenspiel mit einem iPod oder einem anderen mobilen Musikarchiv laut genug musizieren.

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Mit dem T 90 kombiniert Beyerdynamic erstmals den bärenstarken „Tesla“-Antrieb mit einer vollständig offenen Bauweise: Die mit mokkabraunen Textilbespannungen veredelten Hörkapseln sind akustisch transparent, die von den Membranen ins Innere der Kapseln abgestrahlten Schallwellen können ungehindert durch die Maschen des dekorativen Gewebes - die Herstellerinformation spricht von Schweizer Tüll - in die Außenwelt entweichen. Mit einem Preis von rund 500 Euro sortiert der Hersteller den T 90 in die Oberliga ein. Das ist Familienpolitik: Auch die älteren Verwandten des T 90, die Modelle T 1, T 5 p oder T 70, waren auf die Ohren und die Hobby-Budgets von anspruchsvollen HiFi-Gourmets zugeschnitten. Die Verarbeitung des T 90 wird diesem Anspruch durchaus gerecht: Stabile Gabeln aus massivem, mattem Aluminium haben die Hörkapseln sicher im Griff, eine robuste Verstellmechanik passt den Bügel mit einem Handgriff an die Kopfgröße an, weiche Mikrofaser-Oberflächen an den Ohrpolstern und am ebenfalls komfortabel gepolsterten Bügel sorgen für bequemen Sitz. Am Ende des Anschlusskabels sitzt ein vergoldeter Klinkenstecker im 3,5-Millimeter-Format, der sich über eine Schraubverbindung mit einem ebenfalls vergoldeten Adapter an die 6,3 Millimeter großen Klinkenbuchsen klassischer HiFi-Komponenten anpassen lässt.

Wir haben zunächst den Betrieb am iPhone ausprobiert: Tatsächlich schwingt sich der T 90 an mobiler Hardware mühelos zu werksgerechten Lautstärken auf. Als Reisebegleiter wirkt er zwar überdimensioniert und eigentlich auch ein bisschen zu edel, aber er macht schon an elektronischen Kleinkalibern klar, in welcher Klasse er spielt. Um so gespannter waren wir auf sein Zusammenwirken mit gestandenen HiFi-Komponenten angemessener Güte.

Akustisch ein großer Wurf

Hier zeigt sich der T 90 in seiner ganzen akustischen Schönheit - einer ungemein reizvollen Kombination aus Präzision, Spielfreude, Souveränität und luftiger Lässigkeit, die sich nach unserer Erfahrung wohl tatsächlich nur mit offener Bauweise erzielen lässt. Flinken Läufen auf akustischen Gitarren folgen die Hörer-Membranen mit atemberaubender Genauigkeit; jedes noch so subtile Anrissgeräusch machen sie deutlich. Streichquartette bilden diese Kopfhörer ab, dass ihr Träger glaubt, jedes einzelne Instrument mit Händen greifen zu können. Blasinstrumente entfalten, über den T 90 genossen, ihre ganze natürliche Wärme.

Kontrabässe lassen ihre dicken Saiten wuchtig schwirren; der T 90 reproduziert den ganzen akustischen Druck ungemein glaubwürdig, aber auch mit luftiger Leichtigkeit - völlig unangestrengt eben, ganz genau so, wie die mächtigen Instrumente zu Werke gehen. Über Elementares wie die treffsichere Definition aller Klangfarben muss man hier gar nicht lange diskutieren; dies gelingt dem T 90 ganz selbstverständlich. Alles in allem ist Beyerdynamic mit diesem Hörgerät ein großer Wurf gelungen, der in der HiFi-Welt nicht zu den Alltäglichkeiten gehört: Es gibt etliche noch deutlich teuere Kopfhörer, die hinter den tönenden Talenten dieses Modells ebenso deutlich zurückbleiben.

Quelle: F.A.Z.

 

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