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Beoplay A9 Satellitenschüssel, Mini-Ufo oder Zielscheibe?

 ·  Wenn Bang & Olufsen Boxen baut, sucht man sie stets vergebens: die Ecken, die Kanten und den rechten Winkel. Beoplay A9 kann man mit Airplay über ein W-LAN-Netz ansteuern.

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© Hersteller Vergrößern Airplay-Lautsprecher Beoplay A9 von Bang & Olufsen

Was ist das denn? Eine Satellitenschüssel aus dem Manufaktum-Katalog? Ein Mini-Ufo auf Landestelzen, aus dem sich gleich kleine grüne Playmobil-Männchen abseilen? Eine Wohnzimmer-Übungsscheibe für Bogenschützen? Nein, es ist nichts von alledem. Der Kundige errät die richtige Antwort sofort, wenn er hört, dass der dekorative Rundling von Bang & Olufsen stammt und auf den Namen Beoplay A9 hört. Richtig, es ist ein neuer Lautsprecher. Das Synonym „Box“ für diese Geräteart dürfen wir nun wohl endgültig vergessen. In dem kreisrunden, nach vorn und hinten nur leicht gewölbten Gehäuse des A9 stecken fünf Schallwandler: je ein Zweiwegekonstrukt aus Mittel- und Hochtöner bestreiten den rechten und den linken Stereokanal, zusätzlich übernimmt ein 20 Zentimeter großes Tiefton-Chassis die Basswiedergabe für beide Kanäle. Die Austrittsöffnung für die tiefen Wellen sitzt hinten. Seine organische Form prädestiniert diesen Schallkanal auch als Griff - und als Öse für die Wandmontage. Bang & Olufsen liefert dazu auf Wunsch eine passende Halterung. Zum normalen Lieferumfang zählen dagegen die drei Stativ-Beine, die man nach dem Auspacken des Schalldiskus einfach unten an seinen weißen Korpus schraubt. Auf seiner Frontseite trägt der A9 eine austauschbare Stoffbespannung. Sie ist in der Standardfarbe Weiß, in Silber, Rot, Grün, Braun oder Schwarz zu haben. Und weil das Bein-Trio wahlweise aus Buchen-, Eichen- oder Teakholz besteht, findet sich für jeden Raum das passende Outfit.

Die Musik nimmt die originelle Lautsprecher-Linse auf ganz unterschiedlichen Wegen entgegen. Zum Beispiel drahtlos: Mobile Apple-Geräte und Computer mit der Archivsoftware iTunes können das Wunschprogramm mit Airplay über ein W-LAN-Netz funken. Wer Apples proprietäres Übertragungsverfahren nicht mag, kann auch nach dem offenen Standard DLNA senden. Sowohl für mobile Android-Geräte als auch für das iPhone und seine Verwandten gibt es spezielle DLNA-Apps, die Musikvorräte im ganzen Heimnetzwerk erkennen, auch solche, die zum Beispiel auf NAS-Festplatten lagern. Sie erstellen daraus Übersichten, die der iTunes-Oberfläche ähneln, und übertragen die Wunschtitel an den Lautsprecher. Dies alles funktioniert etwas umständlicher als der Airplay-Funk, ist aber durchaus eine probate Alternative.

Meldet sich kein Musikfunk beim A9, kommen automatisch drahtgebundene Musiklieferanten zum Zuge. Zum Beispiel ein iPhone, das über ein USB-Kabel mit der Lautsprecher-Scheibe verbunden ist. Ein passender Anschluss findet sich hinter einer Abdeckung auf der Lautsprecher-Rückseite. Trifft auch über diese Schnittstelle kein Ton ein, prüft der A9, ob vielleicht ein CD-Spieler über die beiden eingebauten Cinch-Buchsen Musik anbietet. All dies klappt ohne Fernbedienung. Der Hersteller hat sie deshalb einfach weggelassen, zumal er für die Lautstärkeregelung eine Lösung ersonnen hat, die ebenfalls ohne Infrarotsender auskommt. Um das Programm lauter oder leiser zu stellen, wischt man sanft über Sensoren, die oben auf der Gehäuserückseite angeordnet sind - in einem großen Bogen nahe am Lautsprecherrand. Da ist er wieder, der verspielte Umgang mit Technikdetails, den Bang & Olufsen in seiner Hausphilosophie gern „Magic“ nennt.

Abläufe von magischer Eleganz hätten wir uns auch gewünscht, als es um die Einrichtung des Lautsprechers für den Netzwerkbetrieb ging. Eigentlich hat der Hersteller dafür vorgesorgt. Eine spezielle App soll die nötigen Einstellarbeiten denkbar einfach gestalten. Aber in unserem Fall blieb es eine Prozedur mit Haken und Ösen; Airplay wollte einfach nicht funktionieren. iPhone und Computer konnten den Lautsprecher zwar erkennen, aber die Verbindung brach stets sofort wieder ab. Das ist ärgerlich, aber wahrscheinlich nicht dramatisch. Wir hatten es mit einem frühen Testmuster zu tun, an dem offensichtlich noch nicht alle Software-Macken ausgebügelt waren. Auch eine ausführliche Bedienungsanleitung hat Bang & Olufsen nicht fertig, was wir dem Hersteller ebenfalls vorerst nachsehen, schließlich kommt das Gerät erst im Lauf dieses Monats in die Läden.

Immerhin funktionierten die drahtgebundenen Übertragungswege problemlos. So konnten wir den Rundling gebührend akustisch prüfen. Dabei experimentierten wir mit einem kleinen dreistufigen Schalter auf der Rückseite, der die Basswiedergabe je nach Aufstellungsort dosiert. Für die Wandmontage und erst recht für die Aufstellung in einer Raumecke nimmt er den Tieftonpegel zurück, weil die Wandflächen den Schall reflektieren und somit für zusätzliche Bassenergie sorgen. Wir haben die Wiedergabe für die freie Aufstellung optimiert und damit überzeugende Ergebnisse erzielt. So musiziert der Runde aus dem Norden mit einem angenehmen, warmen Timbre, stets unaufdringlich, aber doch auch bereit zu temperamentvollem Einsatz, wenn Musikprogramm und eingestellte Lautstärke es verlangen. Der A9 beherrscht einfach ein breites Spektrum, von intimer Kammermusik bis hin zu angemessenen Druckwellen im Partybetrieb. Dazu leistet sein überraschend kraftvoll aufspielender Mono-Bass einen entscheidenden Beitrag. Natürlich entfaltet die Stereowiedergabe aus einem einzigen Gehäuse nicht dieselbe luftige Breite, die zwei separate, konventionelle Lautsprecher in den Raum wehen. Dennoch: Auch HiFi-Genießer haben mit diesem neuen Lautsprecher jede Menge Spaß, selbst dann, wenn er nur stumm im Raum steht: Seine schöne Gestalt ist einfach eine Bereicherung. Bang & Olufsen weiß das und lässt es sich gut bezahlen: Knapp 2000 Euro soll das gute Stück kosten.

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