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HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER

Bedienungsanleitung Wie herum denn nun?

Wirklich arm dran sind Bediener mehrerer verschiedener Digitalkameras. Dazu muss man keineswegs Nerd im Testlabor eines Fachmagazins sein.

Auch vor der Technik sind nicht alle gleich, auch auf diesem vermeintlich vorwiegend rational geprägten Feld gibt es echte Minderheiten-Probleme. Und da sind nicht die Mitmenschen gemeint, die uns das Herumstehen auf einer Vernissage mit der ausufernden Schilderung verkürzen, dass, wie und weshalb die Werft mit dem Innenausbau ihrer neuen Yacht nicht zu Streich komme. Oder die lamentieren, dass Leica immer noch nicht die georderten Pretiosen zugeteilt habe.

Hans-Heinrich Pardey Folgen:  

Wirklich arm dran sind Bediener mehrerer verschiedener Digitalkameras. Dazu muss man keineswegs Nerd im Testlabor eines Fachmagazins sein. Es reicht vollständig, wenn man Familien-Ingenieur ist. Das ist der nicht diplomierte Depp, bei dem alle Soo-muss-Technik landet, wenn sie nicht so tut, wie sich die süße Siebzehn und der saure Siebenundsiebzig das vorstellen.

Feiertägliche Ruhe nach dem Brunch: „Duhu, meine Kamera macht dauernd fünf Bilder. Ich will aber nur eins.“ Hinter der Zeitung hervor: „Stell die Serienbild-Funktion aus.“ Leicht beleidigt: „Und wo mache ich das, bitte schön?“ Schweigen, kurzes Ritardando, dann ein spitzer Schrei: „Nö, aber auch, jetzt macht sie fünf Schwarzweiß-Bilder!“ Die Zeitung sinkt, der Depp macht sich an die Arbeit.

Auf diese Art und Weise hat der Autodidakt im Laufe der Zeit gelernt, dass Kamerahersteller alles, aber auch wirklich alles verrätseln können. Sie verstecken Funktionen, die man immer wieder braucht, in irgendwelchen Unteruntermenüs. Dafür bekommt eine exotische Funktion eine eigene Taste auf dem Gehäuse. Oder man benennt die Belichtungskorrektur enigmatisch - und das in 23 Sprachen. Oder es werden drei bis fünf Wege zum selben Ziel zugelassen - einschließlich der Möglichkeit, sich an etwa einem Dutzend Kreuzungen zu verirren. Selbst einfachst, nämlich mechanisch zu umgehende Probleme wie die beim Einlegen der Speicherkarte oder des Akkus gestalten die Hersteller, jeder ein bisschen anders, aber zuverlässig so, dass es schiefgehen kann. Und deshalb schiefgehen muss, irgendwann, aber ganz bestimmt.

Ein einziger Kamerahersteller, Fujifilm, hat schon vor Jahren die Lösung für die Speicherkarte selbst in seinen billigsten Kameras verbaut: Auf der einen Seite des Schlitzes ist eine goldfarbene Markierung. Man steckt die Karte so hinein, dass ihre goldenen Kontakte zur Markierung zeigen - total simpel, aber effektiv. Von den Akku-Schächten mit symmetrisch gestalteten Akkus, die man verschieden herum einschieben kann, wird hier kein Aufhebens gemacht. Die sind Legion. Auch dafür liegt die Lösung auf der Hand: Eine Kante gerundet, die andere eckig, und es gibt kein Vertun.

Aber nein, sogar Hersteller von höchstem Renommee bringen es fertig, dass man den Akku falsch einlegen kann. In der neuen Nikon One V2 ist die auf die Abdeckplatte gelaserte Anweisung, wie die Speicherkarte in den Schlitz gehört, einfach falsch. Wer dem Piktogramm folgt, kann die Karte vermurksen.

Doch es ist eben ein Minderheiten-Problem. Wer eine Kamera hat, merkt sich einfach, wie’s bei der funktioniert. Nur Nerd und Depp fluchen leise.

Quelle: F.A.S.

 
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Veröffentlicht: 02.01.2013, 12:32 Uhr

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