„Schmeiß dein iPhone an die Wand“, rät Aiptek, der taiwanische Konfektionär für mobile Spaß-Elektronik. Clever, wie wir sind, haben wir die Parole metaphorisch aufgefasst; wir können also nach wie vor frei von Kollateralschäden telefonieren. Aber dem uneigentlichen Sinn des Werbespruchs wollten wir schon auf den Grund gehen. Dazu ließen wir einen kleinen Apparat kommen, den man wie einen externen Hilfs-Akku ans iPhone steckt. Um eine externe Stromquelle zum mobilen Nachladen des Apple-Telefons handelt es sich auch tatsächlich; eine Kapazität von 1850 Milliampere-Stunden weisen die Datenblätter aus, das soll reichen, um den iPhone-Akku bis zu etwa 80 Prozent aufzutanken. Aber das ist nur der Nebenzweck des Mobilecinema i50S genannten Aiptek-Utensils. In seiner Hauptmission projiziert es Bilder aus dem iPhone an die Wand - bis zu Diagonalgrößen von 150 Zentimetern. Wie gut die Sache funktioniert, haben wir ausprobiert.
Zunächst gilt es, den eingebauten Stromspeicher zu laden. Dazu dienen eine Mikro-USB-Schnittstelle und ein passendes Kabel; ein Steckernetzteil zählt nicht zum Lieferumfang. Wir haben die Wartezeit zum Studium weiterer Details genutzt: Der kompakte Adapter projiziert mit einer LED-Lichtquelle und einem DLP-Chip, also einem Halbleiterelement, das die einzelnen Bildpunkte mit winzigen Spiegeln erzeugt. Die Auflösung entspricht dem VGA-Raster, das sind 680 mal 480 Pixel. Die luxuriöse Auflösung des iPhones darf man nicht erwarten. Zum Fokussieren der Projektionslinse dient ein kleines Rädchen links oben am Gehäuse, ein Wippschalter optimiert die Helligkeit für bewegte Bilder, für Textseiten oder für sparsamen Stromverbrauch, und das ist, abgesehen von der Einschalttaste, auch schon alles, was sich an der Hardware bedienen lässt.
Ans iPhone angestöpselt, gaukelt der Mini-Projektor dem Telefon vor, es sei mit einem Fernseher verbunden. Folglich unterstützt das Apple-Gerät auch nur TV-typische Anwendungen. So zeigt der Projektor lediglich seine weiße Welcome-Seite, solange man durch die Bedienoberfläche des iPhones manövriert. Startet man aber eine Diaschau der gespeicherten Fotos oder selbstgedrehte Videofilmchen, übernimmt der Projektor. Auch Videos aus dem iTunes-Store wirft er an die Wand. Youtube-Clips zeigt er ebenso, und auch Fernsehbilder kommen aus der Projektionslinse. Zattoo zum Beispiel lässt sich anstandslos projizieren, die Mediathek des ZDF delegiert ihre bewegten Bilder ebenfalls an das kleine Gerät. Die Tagesschau-App dagegen ließ sich vergeblich bitten, die Nachrichten-Videos an den Projektor weiterzureichen.
Wer noch mehr Möglichkeiten will, muss eine kostenlose, Aiptek Viewer genannte App aufs iPhone laden. Sie enthält unter anderem einen eigenen Internet-Browser, der die kompletten Websites an den Winzig-Beamer schickt. Ein weiterer Button dieser Software öffnet Google Maps auf der Projektionsfläche. Auch Facebook und Twitter lassen sich mit dem Aiptek Viewer projzieren, und wer mag, kann sogar das Bild der eingebauten iPhone-Kamera live vorführen.
Angenehm überrascht waren wir von der Helligkeit der Projektions-Elektronik. Schon am Tag in einem schattigen Zimmer kann man die Bilder gut erkennen; für größere Formate muss verdunkelt werden. Natürlich nimmt das recht grobe Raster des Projektors den eigenen Fotos einen beträchtlichen Teil ihrer Detailschärfe. Aber Youtube-Clips haben oft Auflösungen, die kaum über den Möglichkeiten des kleinen Bildwerfers liegen.
Am meisten hat uns gestört, dass sich Breitbilder, etwa aus den Zattoo-Fernsehkanälen oder der ZDF-Mediathek, nicht im richtigen Bildseitenverhältnis darstellen lassen: Der Aiptek-Projektor zeigt sie in 4:3, also in der Breite gestaucht, was rundliche Formen zur Ei-form verengt und allen Akteuren überschlanke Silhouetten verpasst. Trotzdem hat uns der kleine Projektor so gut gefallen, dass wir uns hüten würden, ihn in zerstörerische Absicht an die Wand zu werfen, zumal er immerhin 250 Euro kostet.