Der Baumwollbeutel ist einfach uncool. Er wirkt ärmlich, ist schnell unansehnlich und nicht zur Hand, wenn man ihn braucht. Immer dann, wenn einem auf dem Band an der Supermarktkasse die zwei Dutzend Teile des Wochenendeinkaufs unaufhaltsam entgegeneilen und weggepackt werden müssen. Abhilfe schafft hier die Kunststofftüte, über deren Umweltverträglichkeit seit langem gestritten wird. Dieser Konflikt hat nun neue Nahrung bekommen, und zwar durch sogenannte Bio-Tüten, die zu rund 30 Prozent aus nachwachsenden Rohstoffen (Mais) bestehen und nach den Vorgaben der zuständigen Norm damit als „kompostierbar“ bezeichnet werden dürfen.
Da jedoch im Gros unserer Kompostanlagen schon nach der Anlieferung aller Kunststoff aussortiert wird, kommen die Tüten gar nicht mit. Alles, was nach Plastik aussieht, fliegt raus - und wird verbrannt. Das gilt auch für die Öko-Tüten, die man extra für den Bioabfall kauft, um darin den Küchenabfall zu sammeln, bevor man ihn zur Komposttonne bringt. Vorschläge, wie man diese irrsinnige Situation ändern kann, gibt es viele. Wohlmeinende Appelle an die Verbraucher sind so ungeeignet wie ein Verbot der Kunststofftüte. Deutlich besser ist, die von den Plastiktüten verursachten Umweltkosten ihnen anzulasten. Da kämen Beträge zusammen, die „intelligente“ Alternativen zum Stoffbeutel wie Pilze aus dem Boden schießen ließen.