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Bahnfahren : Windows Ohr

Es gibt gute Gründe, mit der Bahn zu fahren, und es gibt ebenso gute, das sein zu lassen. Es scheint sich gerade ein weiterer Grund anzubahnen, es nicht zu tun.

          Es gibt gute Gründe, mit der Bahn zu fahren, und es gibt ebenso gute, das sein zu lassen. Wir müssen hier nicht schon wieder im Einzelnen darauf eingehen. Allerdings scheint sich gerade ein weiterer Grund anzubahnen, es nicht zu tun.

          Eine Werbeagentur, so ist zu lesen, hat ein Konzept entwickelt, jene Bahnreisenden mit Reklame zu berieseln, die von der Müdigkeit übermannt werden. Das ist unserer Beobachtung nach die Mehrheit. Wie funktioniert’s? Per Körperschallübertragung und „Talking Window“. Das Zugfenster wird mittels ausgeklügelter Technik in hochfrequente Schwingungen versetzt, von denen die Passagiere zunächst nichts mitbekommen. Wird allerdings der Kopf an die Scheibe gelehnt, werden die Schwingungen über die Schädelknochen übertragen, so dass der Bahnreisende die Werbung über „Knochenschall“ hört.

          Nichts bahnbrechend Neues, sagen Experten, wie bei Google Glass nehme dabei das Innenohr unter Umgehung des Mittelohrs den Schall direkt wahr. Die Werbeagentur soll das schon im öffentlichen Personenverkehr getestet haben. Mag sein, aber hat sie auch schon geklärt, ob das mit dem Grundrecht des Bahnbenutzers auf ein Nickerchen vereinbar ist? Würde man den Nothammer benutzen dürfen, um die Reklame abzustellen? Ob eine solche Werbekampagne tatsächlich gestartet werde, sei noch nicht entschieden, heißt es.

          Aber die Erfahrung lehrt: Jeder Quatsch, der technisch möglich ist und Reibach verspricht, wird früher oder später auch verwirklicht. Die Konkurrenz schläft ja ebenfalls nicht.

          Walter Wille

          Redaktion „Technik und Motor“

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          Quelle: F.A.Z.

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