Das Internet hat alles verändert. Nicht nur Nebensächlichkeiten wie das Suchen nach dem richtigen Lebenspartner. Oder das Nutzen der Möglichkeiten an der Börse. Sondern auch die wirklich wichtigen Dinge des Lebens. Wie zum Beispiel das Finden des passenden Gebrauchtwagens. Mit wenigen Tastenbefehlen holt man sich Hunderte von Offerten auf den Schreibtisch.
In Zeitungen zu stöbern ist vergleichsweise mühsam. Früher war es noch viel anstrengender, aber auch romantischer. Da waren Vater und Sohn an den Sonntagen unterwegs, um den ultimativen Ford Taunus oder den trefflichen Opel Rekord zu entdecken. Das waren Ausflüge zu den Ruinengrundstücken der Stadt. Die vom Krieg gerissenen Lücken gehörten den Händlern der erschwinglichen Träume: Zwischen den Mauerresten glänzten auf steinigem Boden pickeliger Lack und mühsam poliertes Chrom, und hinter drei Reihen prestigeträchtiger Mobilität hielt sich ein verblichener Wohnwagen auf. Daraus kam ein graues Männchen hervor, gefolgt von einem grauen Hund, der beim Verkaufsgespräch aufmunternd wedelte. Beide rochen nach dem Rauch des Abschieds, denn das Ruinengrundstück war für die Autos die letzte Verkaufsstation vor dem Schrottplatz.
Heute stehen die Autos im Internet und werden präsentiert in klinisch sauberen Hallen, sind geparkt vor Villen oder im Grünen. Vom Ruinengrundstück weg wird kaum mehr verkauft. Einige Händler kennen wir noch. Sie sind ein Stück der Kultur des Autos. Ganz ohne Internet.
Unromantische Helden
Egon Weissmann (EgonOne)
- 16.09.2012, 16:15 Uhr