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Autonomes Fahren : Von wegen automatisch

Manche Nachrichten verselbständigen sich und machen den Menschen falsche Hoffnungen. Mit der Elektromobilität ist das schon eine Weile so, jetzt kommt das autonome Fahren hinzu. Es lohnt etwas Sachlichkeit.

          Manche Nachrichten verselbständigen sich und machen den Menschen falsche Hoffnungen. Mit der Elektromobilität ist das schon eine Weile so, jetzt kommt das autonome Fahren hinzu. Es lohnt etwas Sachlichkeit. Elektrisch wahrnehmbar gibt es den kargen Kleinwagen Renault Zoé zum Tarif eines Kompaktmodells, den stramm eingepreisten BMW i3 und die sündhaft teuren Teslas. Demnächst kommt Opel mit der zweiten Generation Ampera, einer Art Corsa mit viel Hartplastik für 40 000 Euro. All das ist nichts für die Masse, und was an Modellen für das Jahr 2020 angekündigt ist, wird daran wenig ändern. Reichweite kostet Geld, auf Jahre hinaus zu viel, um für den Durchschnittsverdiener erschwinglich zu sein. Das zeigt sich auch daran, dass überall, ob in China, Skandinavien oder den Niederlanden, die Käufe einknicken, sobald staatliche Subventionen sinken. Die Elektromobilität wird, auch weil sie politisch gewollt ist, ihren Weg finden, aber von oben nach unten und nicht so schnell, wie mancher glauben macht.

          Nun wird der zweite Mythos aufgebaut. Im Jahr 2021 werde BMW das erste komplett automatisch fahrende Auto auf den Markt bringen, schallt es aus dem Bayerischen Wald. Oder besser: aus der Gerüchteküche. Denn BMW-Chef Harald Krüger weiß es natürlich genauer. Er nennt seinen i Next „hochautonom“, und das bedeutet: Der Fahrer übergibt die Kontrolle über längere Phasen an den Computer. Er muss das System nicht dauernd überwachen, aber eingreifen können. Die Fachwelt spricht von Level 3. Von diesen Levels gibt es fünf. Grob gesagt sind sie folgendermaßen eingeteilt: Füße weg, Hände weg, Augen weg, Fahrer liest Zeitung, Fahrer weg. Die ersten beiden Schritte sind mit Tempomat und Spurhalteassistent erreicht, an Stufe drei wird gearbeitet, die Stufen vier und fünf werden, wenn überhaupt, erst in vielen Jahren möglich sein. Komplett automatisch? Bis heute gelingt nicht mal die profane Aufgabe, Verkehrsschilder zuverlässig zu erkennen. Und zwar weder dem Premium-Trio Audi, BMW und Mercedes noch sonst irgendeinem Hersteller.

          Holger  Appel

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Technik und Motor“.

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