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Autodesign „Jaguar muss modern sein“

Der Jaguar-Designchef Ian Callum spricht im Interview über junge Chinesen, kleine Sportwagen und charakterstarke Hecks. Und große Autos müssten in Elemente zerlegt werden, damit sie wirken.

© Hersteller Vergrößern Last und Lust: E-Type, das Urmeter des Jaguar

Die Studie C-X16 Concept hat auf der vergangenen IAA in Frankfurt für Begeisterung gesorgt. Wie viel bleibt von ihrem Design übrig in der Serienversion eines kleinen Sportwagens, den wir gegen Ende des Jahres erwarten?

Wir haben noch nicht gesagt, ob und wann wir das Auto bauen. Aber grundsätzlich mache ich Studien, die viel Machbarkeit innetragen. Ich mag keine Showeffekte nur der Effekte wegen. Der C-XF zum Beispiel hatte zu viel Show. Wir halten uns an rechtliche Vorgaben, an Zulassungsbedingungen, die vor allem in den Vereinigten Staaten sehr streng sind. Das C-X 16 Concept ist mit seinen maximalen Flächen und Konturen sicherlich ein Grenzgänger, aber er ist so gesetzeskonform wie möglich.

19069714 Ian Callum, Designchef bei Jaguar © Hersteller Bilderstrecke 

Welchen Einfluss hat der legendäre E-Type auf den neuen Sportwagen?

Der E-Type ist eine schöne Referenz. Als wir den C-X16 entwickelten haben, hat er uns sicherlich in einigen Details beeinflusst. Schauen Sie nur auf die weit heruntergezogene Dachlinie. Die Linie des E-Type Coupé ist praktisch die klassische Jaguar-Linie. Oder auch die Heckleuchten, die sind vom E-Type inspiriert.

Wer heute Jaguar hört, denkt noch immer an E-Type. Ist das eine Chance oder eine Belastung für den Designer?

Er ist Lust und ja, er ist auch eine Art Last. Den E-Type kann man nie wiederholen, schon aus Gründen der technischen Spezifikationen. Er ist wie eine Röhre, wie eine Zigarrenhülle. Der kurze Radstand war in den 60er Jahren ok, heute ginge das nicht mehr. Die Haube ist zu hoch, er hat keine Stoßfänger, so kämen wir nie durch einen Crashtest. Ach, es gibt eine Fülle von Gründen. Ich versuche, mit den Fakten zu leben und sie nicht zu bekämpfen. Es gibt eben drei maßgebliche Gesetze: Das der Physik, das aus Brüssel und das aus Washington.

Wie modern kann oder muss Jaguar noch werden?

Ein Jaguar muss modern sein. Er darf nicht nur gefallen, weil er eine Art E-Type ist. Sonst erreichen wir keine jungen Leute, Leute, die auch im Kopf jung sind. Viele der jüngeren Generation haben keine Verbindung zum E-Type. Fünfundzwanzigjährige Amerikaner oder Chinesen können mit dem E-Type wenig anfangen. Insofern ist er für uns eine Referenz, aber wir dürfen nicht Retro sein. Die Menschen sollen einen Jaguar lieben, weil er schön ist.

Und wenn sie einen Kombi machen...?

Und wenn wir einen Kombi machen, dann muss auch der gut aussehen.

Können Sie sich einen Geländewagen von Jaguar vorstellen?

Ich kann mir alles vorstellen. Aber dazu ist nichts entschieden. Ein Geländewagen ist von den Proportionen her schwierig, weil die Linien senkrecht verlaufen, nicht horizontal. So ein Auto mit unserem Anspruch zu machen wäre eine ziemliche Herausforderung.

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Und Kleinwagen? Was denken Sie über eine Erweiterung der Modellpalette in diese Richtung?

Ein kleines Fahrzeug würde mir Freude bereiten. Es wäre wohl nicht billig, aber es würde viele Menschen in London oder München oder in anderen Metropolen der Welt ansprechen. Auch als exklusives Zweitauto. Ich möchte die Idee vorantreiben. Aber bislang ist das meine persönliche Idee. Wir haben im Moment ein solches Auto nicht im Plan.

Ihre Limousine XJ ist ein radikal neuer Jaguar mit einem eher gewöhnungsbedürftigen Heck. Was steckt hinter dem Bruch mit der Tradition?

Der XJ hat einfache, klare Linien und eine strenge Grafik. Große Autos müssen in Elemente zerlegt werden, damit sie wirken. Ich liebe dieses Heck, die Proportionen sind sauber ausgearbeitet, es ist kräftig und dynamisch. Der XJ musste sich vom XF unterscheiden. Leute, die ein großes Auto fahren, wollen sich von den kleineren Modellen abheben. Wird das Design in allen Baureihen vereinheitlicht, freuen sich die Fahrer kleinerer Modelle, weil der Glanz der großen abstrahlt. Ich finde, man sollte da besser trennen.

Die Fragen stellten Holger Appel und Wolfgang Peters

Quelle: F.A.S.

 
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Veröffentlicht: 25.03.2012, 12:27 Uhr

Hier taucht Alex

Von Holger Appel

Handy aus, iPad aus und sich ganz der Entspannung hingeben. Bekommt das heute überhaupt noch jemand hin? Mehr 17

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