06.08.2009 · Im Fall der Supermoto Yamaha WR 125 X machte die Zustimmung keine Ausnahme bei Alter und Geschlecht und knüpfte zumeist spontan bei der Optik an. Ein starker Auftritt, geschmeidiger Motor und sicheres Fahrgefühl.
Von Hans-Heinrich Pardey„Cool.“ „Nettes Moped.“ Was kann Mann mehr wollen, als dass das neue Maschinchen auf Anhieb rundherum gefällt. Im Fall der Supermoto Yamaha WR 125 X machte die Zustimmung keine Ausnahme bei Alter und Geschlecht und knüpfte zumeist spontan bei der Optik an. Das wird genauso für die Enduro-Variante, die WR 125 R, gelten. Beide zeigen Verwandtschaft mit den WR-250-Modellen und Anleihen bei Yamahas Wettbewerbs-Enduros (Tank und Sitzbank). Schon im Stand, wie sie sich auf der kräftigen Teleskopgabel (210 Millimeter Federweg, WR 125 R: 240) und ihrem siebenfach verstellbaren Zentralfederbein reckt, macht die 125er was her - ein gelungener Auftritt, der mit rundherum stimmiger Optik in eine höhere Hubraumklasse zu verweisen scheint. Dabei sind die beiden Schwestermodelle leicht zu unterscheiden: Die Enduro rollt grobstollig vorn auf einem 21-Zoll-Rad und hinten auf 18 Zoll, die in der Sitzhöhe mit 92 Zentimeter um einen niedrigere Supermoto hat vorn und hinten 17-Zoll-Räder (hinten 40 Millimeter breit) mit sportlichen Straßenreifen.
Die eigentliche Überraschung bereitet die WR 125 X nach dem Druck auf den Elektrostarter: Da klötert kein Rauhbein los, das sofort Auslauf im Gelände verlangt, sondern geradezu schnurrig macht sich der flüssig gekühlte Einzylinder-Viertakt-Vierventiler unverzüglich an die Arbeit. Der Einspritzmotor mit obenliegender Nockenwelle ist eine speziell für die Enduro und die Supermoto entwickelte Variante des Motors in Yamahas kleinem Supersport-Modell YZF-R125. Seine bekannte Drehfreude verleiht ihm die Fähigkeit, so spontan Leistung abzugeben, wie man sich das von einer Supermoto wünscht. Freilich geschieht das in den Grenzen seiner Hubraumklasse (11 kW/15 PS bei 9000/min, maximales Drehmoment 12,2 Nm bei 8000/min).
Leichtgängig und punktgenau zu schaltenden Sechsganggetriebe
Aber die Kraft des Euro-3-Motors (mit Katalysator) entfaltet sich mit einer Gepflegtheit, die einem vom Start weg nicht nur akustisch peinliche Momente erspart, sondern in ihrer wohldosierbaren Geschmeidigkeit einfach Freude macht. Mit dem leichtgängig und punktgenau zu schaltenden Sechsganggetriebe harmoniert das Leistungsvermögen des Motors gut; wer fleißig schaltet, wird dessen nicht überdrüssig, aber niedrigtourige Bummelei ist erlaubt. Der Schalthebel - wie die Leichtmetall-Fußrasten von den Wettbewerbsmaschinen übernommen - ist klappbar. Die 120 km/h, die im spartanischen Digitalcockpit fett von der Sieben-Segment-Anzeige signalisiert werden, glaubt dem Tacho natürlich niemand. Aber die WR 125 X besteht die Autobahnfahrt mühelos, ohne sich zwischen Brummis einklemmen zu lassen. Auch bei Vollgasfahrt bleibt sie dabei angenehm vibrationsarm; sie läuft sehr schön geradeaus und so dezent in den Drehzahlbegrenzer hinein, dass der typgerecht fehlende Drehzahlmesser nie vermisst wird. Die Bremsanlage (vorn und hinten Scheibe) zeigt sich jederzeit als Herr der Lage. Mit zwei Personen besetzt (fahrfertig 137, zulässiges Gesamtgewicht 322 Kilogramm), bricht an längeren Steigungen das Tempo erwartungsgemäß deutlich ein. Bei durchweg flotter Bewegung lag der Verbrauch bei 3,5 Liter je 100 Kilometer.
So richtig zu sich selbst findet die Yamaha WR 125 X auf kurvenreichen Landstraßen: Da ist sie in ihrem Element, wenn sie stabil, aber à tempo enge und weite Radien nimmt, wie sie kommen. Das ist Fahrspaß pur - mit dem guten Gefühl für den Piloten, auf einer kleinen, aber rundum reif und sicher wirkenden Maschine unterwegs zu sein.